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Mossul Fünf deutsche IS-Anhängerinnen im Irak festgenommen - auch 16-jährige Sächsin?

Eine Rauchsäule steigt in Mossul (Irak) hinter einen Polizeifahrzeug auf
Nach monatelangen Kämpfen hat Iraks Regierungschef al-Abadi die bisherige IS-Hochburg Mossul offiziell für befreit erklärt
© Andrea Dicenzo/DPA
Sie sollen sich zuletzt in einem Tunnel in Mossul versteckt haben. In der befreiten IS-Hochburg wurden offenbar 20 Anhängerinnen der Terrormiliz festgenommen, darunter 5 deutsche.

Bei einer Militäroperation in der irakischen Stadt Mossul sind offenbar fünf IS-Anhängerinnen aus Deutschland festgenommen worden. Ein Offizier der irakischen Anti-Terror-Kräfte berichtete von 20 Kämpferinnen, die am vergangenen Donnerstag in der Altstadt festgenommen worden seien, darunter fünf deutsche. Auch die "Welt" (Online, Print: Dienstag) schreibt unter Berufung auf Sicherheitskreise darüber. Nach ihren Angaben befindet sich möglicherweise auch eine 16-jährige Schülerin aus Sachsen darunter.

Der Offizier berichtete weiter, die Frauen hätten sich in einem Tunnelsystem der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) versteckt. Sie hätten Waffen und Sprengstoffgürtel in ihrem Besitz gehabt, um die irakische Truppen anzugreifen. Demnach arbeiteten sie für die Polizei des IS. Unter den Festgenommenen seien auch Frauen aus Russland, der Türkei, Kanada und Tschetschenien gewesen.

16-Jährige aus Sachsen seit Sommer 2016 verschwunden

Die Sicherheitsbehörden prüfen Hinweise, wonach eine der Festgenommenen eine 16-Jährige aus Pulsnitz bei Dresden ist. Sie war im Sommer 2016 verschwunden, kurz nachdem sie zum Islam konvertiert war. Sie soll über Internet-Chats mit IS-Anhängern in Kontakt gestanden haben. Die Staatsanwaltschaft in Dresden ermittelte gegen sie wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, stellte die Ermittlungen wegen Abwesenheit des Mädchens aber ein.

"Es gibt neue Erkenntnisse beim Landeskriminalamt, die geprüft werden", sagte Oberstaatsanwalt Lorenz Haase nun der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn sie wieder auftaucht und eindeutig identifiziert ist, werden die Ermittlungen wieder aufgenommen."

Ob in Nizza, Paris, Berlin oder London: immer mehr Anschläge des sogenannten Islamischen Staates erschüttern Europa. Weil der IS in Syrien und im Irak seit Monaten an Territorium verliert, ändert die Terrororganisation ihre Strategie. Interview mit Journalist und Terrorismus-Experte Shams Ul-Haq über die neuen Methoden des IS und die Frage, wie man die radikalen Islamisten besiegen könnte. Je mehr der IS in Syrien und im Irak an Boden verliert, desto mehr Anschläge scheint es in Europa zu geben. Doch nicht nur Rückkehrer, die direkt bei der Terrororganisation ausgebildet worden sind, verüben Anschläge im Namen Allahs – auch über das Internet radikalisieren sich Islamisten weltweit, warnt der Terrorismus-Experte Shams Ul-Haq. Der IS ist also noch lange nicht besiegt. Aber ist eine Zerschlagung des Terrornetzwerkes überhaupt möglich? „Alle müssen sich dafür gemeinsam an einen Tisch setzen – insbesondere die arabischen Länder“, so Ul-Haq im dbate-Interview. Besonders wichtig sei, dass die Finanzströme und Waffenlieferungen an den Islamischen Staat gestoppt werden. Das komplette Interview finden Sie auf dbate.de.
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fin DPA

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