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Mwai Kibaki: Der Beginn einer neuen Ära

Kenias neuer Präsident, der 71-jährige Mwai Kibaki, ist zwar einer der ältesten Parlamentarier des Landes, doch gerade seine jungen Anhänger erhoffen sich von dem studierten Ökonomen den Aufschwung für ihre Generation.

Kenias neuer Präsident liebt nicht nur den Golfsport, Jazzmusik und Bier: Der 71-jährige Mwai Kibaki gilt als einer der erfahrensten Politiker des ostafrikanischen Landes, dessen Politik er seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1963 mit prägt. Der langjährige Vizepräsident und Finanzminister ist zwar einer der ältesten Parlamentarier, doch gerade seine jungen Anhänger erhoffen sich von dem studierten Ökonomen den Aufschwung für ihre Generation.

Enger Freund des Staatsgründers

Seinen stärksten Rivalen, den unterlegenen Wunschkandidaten des scheidenden Präsidenten Daniel arap Moi, Uhuru Kenyatta (41), kannte Kibaki schon als Kleinkind. Denn Kibaki war ein enger Freund der Familie des Staatsgründers und Vaters von Uhuru, Jomo Kenyatta. Wie der Freiheitskämpfer selbst schwor auch Kibaki den Eid der Mau-Mau- Kämpfer, die Kenia die Unabhängigkeit von den britischen Kolonialherren brachten. Kibaki studierte an der London School of Economics, wurde Dozent an der ugandischen Makerere-Universität und kehrte nach Kenia zurück, um mit Kenyatta die Kenias Afrikanische Nationalunion (KANU) zu gründen, die das Land 40 Jahre regierte.

Mitglied einer überaus korrupten Regierung"

Kenyatta hätte seinen Wegbegleiter gern als Vizepräsidenten und Nachfolger gesehen. Doch seine Ausbildung brachte ihm den Posten des Finanzministers ein. Nach Kenyattas Tod machte dessen Nachfolger Moi Kibaki schließlich zu seinem Stellvertreter. Er blieb es elf Jahre, bevor Moi den charismatischen Politiker 1988 absetzte. "Man muss ihm zugute halten, dass er während dieser Zeit in keinen Korruptionsskandal verwickelt war", sagt John Githongo von der Organisation Transparency International, "aber er war Mitglied einer überaus korrupten Regierung."

Nach Einführung des Mehrparteiensystems 1991 gründete Kibaki die Demokratische Partei, als deren Kandidat er bereits vergeblich bei den Wahlen 1992 und 1997 angetreten war. Erst der Zusammenschluss der Oppositionsparteien und ihre Einigung auf einen gemeinsamen Kandidaten verwirklichte seinen langen politischen Traum. Sein Sieg wirft nun ausgerechnet den Sohn seines Freundes und Förderers Kenyatta aus dem Rennen.

Mit zittriger Hand gab Kibaki seinen eigenen Stimmzettel am Freitag aus dem Fenster seines goldfarbenen Mercedes ab. Vier Wochen vor der Wahl war er bei einem Verkehrsunfall schwer verunglückt und in London medizinisch behandelt worden. Dem alten Mann fällt das Gehen nach wie vor schwer.

Humorvoll und trinkfest

Der vierfache Vater und Großvater, der als humorvoll und trinkfest bekannt ist, wird künftig weniger Zeit für seine Familie, seine Farm und sein liebstes Hobby, das Golfen, haben. Schon jetzt unken Journalisten des Staatsfernsehens KBC: "Bislang mussten wir Sonntags immer Bilder von Moi in der Kirche zeigen. Künftig werden wir wohl eher auf dem Golfplatz filmen."

Antje Passenheim / DPA