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Myanmar: Junta gibt internationalem Druck nach

Die Militärjunta Myanmars hat nun doch der internationalen Gemeinschaft Zugeständnisse gemacht: Der UN-Gesandte Ibrahim Gambari erörterte die Lage im Land gleich mit zwei Gesprächspartnern.

Der Chef der Militärjunta Myanmars, Than Shwe, hat sich offensichtlich internationalem Druck gebeugt und ist mit dem UN-Gesandten Ibrahim Gambari zusammengetroffen. Nach den schwersten Unruhen in Myanmar seit fast zwei Jahrzehnten sprach der Sondergesandte überraschend ein zweites Mal mit Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die er bereits am Sonntag getroffen hatte. Einzeheiten der Gespräche wurden nicht bekannt. Die Begegnung mit dem 74-jährigen Juntachef fand in Naypyidaw statt, dem isolierten Regierungssitz, den sich die Generäle 350 Kilometer nördlich der Metropole Rangun haben errichten lassen.

Gambari hatte versucht, einen Dialog zwischen dem Regime und der Opposition in dem südostasiatischen Land herzustellen. Aung San Suu Kyi ist eine von hunderten politischen Gefangenen in Myanmar und wird unter Hausarrest ohne Außenkontakte festgehalten. Eine Rede des Außenministers von Myanmar, Nyan Win, vor der UN- Vollversammlung in New York ließ nicht auf einen versöhnlichen Ton des Regimes schließen. Er kritisierte "politische Opportunisten" im In- und Ausland, die sein Land vom Weg der Demokratisierung abbringen wollten. Myanmar steht seit 1962 unter Militärdiktat. Die derzeitige Junta hat den Wahlsieg von Suu Kyi 1990 ignoriert.

Zahl der Toten unklar

Das Militär hatte nach tagelangen Protesten von Zehntausenden Mönchen und Zivilisten vergangene Woche Tränengas, Schlagstöcke und automatische Waffen eingesetzt. Wie viele Menschen dabei ums Leben kamen, ist weiter unklar. Nach offiziellen Angaben starben zehn Menschen. Nach australischen Angaben gab es 30 Tote. 1400 Menschen seien festgenommen worden, sagte Außenminister Alexander Downer. Die Opposition Myanmars befürchtet nach Angaben des in Norwegen stationierten Radiosenders Demokratische Stimme Burmas, dass bis zu 200 Menschen starben.

Ein Sprecher der Vereinten Nationen in New York sagte, der Sondergesandte Gambari werde möglicherweise noch einen Zwischenstopp in Singapur einlegen. Es sei deshalb nicht sicher, ob Gambari bereits am Donnerstag wie erwartet in New York eintreffe. Er soll dann UN- Generalsekretär Ban Ki Moon Bericht erstatten. Erst danach will der Weltsicherheitsrat über mögliche Reaktionen entscheiden. Die Hochkommissarin für Menschenrechte, Louise Arbour, verlangte in Genf von der Junta vollständige Aufklärung der Ereignisse. Hilfsorganisationen müssten zu den Internierten gelassen werden, "vor allem im Licht der nächtlichen Razzien und Einschüchterungen".

Die US-Regierung erwägt nach Angaben des Außenministeriums eine weitere Verschärfung der Wirtschaftssanktionen. Denkbar wären weniger Einfuhren aus Myanmar, sagte ein Sprecher des Außenamtes. Washington hat die Auslandskonten der herrschenden Militärs bereits gesperrt und US-Firmen Geschäfte mit 14 hochrangigen Funktionären des Regimes untersagt, darunter General Than Shwe. Investitionen in Myanmar sind US-Firmen seit 1990 verboten. Während Suu Kyi vor ihrer bisher letzten Festnahme Sankionen begrüßt hatte, glauben Kritiker, dass fehlendes Engagement aus dem Ausland nur den Menschen schadet und das Wirtschaftsmonopol in den Händen der schwer reichen Generäle festigt.

Der US-Sprecher forderte China, Indien und Thailand auf, ihre engen wirtschaftlichen Beziehungen zu nutzen, um den Druck auf das Regime zu erhöhen. Einen Schritt weiter ging Human Rights Watch. Die Menschenrechtsorganisation forderte ausländische Firmen auf, sich aus Protest gegen die Gewalt des Militärs aus Myanmar zurückziehen. "Ruhig zu bleiben, wenn Mönche und friedliche Demonstranten ermordet und eingesperrt werden, ist nicht gerade ein Zeichen von konstruktivem Engagement", erklärte die Organisation in New York.

DPA / DPA