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Myanmar: Juntachef will Suu Kyi treffen

Der Juntachef von Myanmar, General Than Shwe, hat sich unter bestimmten Bedingungen zu einem Treffen mit Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi bereit erklärt. Unterdessen lässt das Regime weiter Regimegegner und Journalisten verhaften.

Thahn Shwe habe dem UN-Gesandten Ibrahim Gambari gesagt, er werde Suu Kyi persönlich treffen, wenn sie von ihrer Haltung der "Konfrontation, Verwüstung und Sanktionen" abrücke. Die Friedensnobelpreisträgerin steht seit Jahren unter Hausarrest. China hatte das Treffen von Gambari mit dem General als "positiven Schritt" gelobt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte dagegen, einen Erfolg könne man die Reise sicher nicht nennen. Gambari sollte Ban unterrichten und dann mit dem Sicherheitsrat die Lage in Birma erläutern. Ban sagte weiter, er sei "schon recht zufrieden", dass Gambari "überhaupt mit Vertretern von Myanmars Führung und Frau Aung San Suu Kyi zusammentreffen konnte". Gambari werde im November ein zweites Mal nach Myanmar reisen. Am Freitag wolle der Sonderbeauftragte dann den Sicherheitsrat informieren und mögliche Schritte gegen die Führung in Myanmar erörtern.

Nach den Massendemonstrationen gegen das Militärregime läuft jetzt eine beispiellose Verhaftungskampagne. Menschen würden mitten in der Nacht aus ihren Betten gezerrt und weggeschafft, berichteten Einwohner. In der Hafenmetropole Rangun drang das Militär während der nächtlichen Ausgangssperre in Häuser ein. In der Nacht waren die Kommandos nach Angaben von Einwohnern in der Nähe der Shwedagon-Pagode unterwegs. Im Visier sind demnach Menschen, die während der Demonstrationen vergangene Woche am Straßenrand standen oder Fotos machten. "Ihr Verbrechen ist, dass sie geklatscht und die Mönche angefeuert haben", sagte ein Augenzeuge. An der Pagode hatten sich Anfang vergangener Woche zehntausende Mönche zu ihren Protesten gesammelt. Bürger hatten dort spontan Menschenketten gebildet, um die frommen Männer vor Übergriffen zu schützen. Nach Informationen des Exilsenders "Democratic Voice of Burma" in Norwegen sind auch mindestens 20 einheimische Journalisten verschwunden.

Geheimdienstler in zivil bespitzeln Demonstranten und Zuschauer

"Ich mache mir große Sorgen über das Schicksal der Gefangenen", sagte der finnische Botschafter in Rangun, Lars Backstrom. "Die Zahl der Festgenommenen ist offenbar recht hoch, und niemand darf die Menschen besuchen." Das Regime verweigert dem Roten Kreuz seit Monaten den Zugang zu Gefangenen. Freigelassene berichten von Internierungslagern um Rangun mit verheerenden hygienischen Zuständen. Dort sollen neben Zivilisten auch hunderte festgenommener Mönche eingekerkert sein.

Die Razzien legen nahe, dass das Militär vergangene Woche auch vor der Niederschlagung der Proteste mit Tränengas und Maschinengewehren schon im Einsatz war: mit Geheimdienstlern in Zivil, die Demonstranten und Zuschauer fotografierten. "Wir haben Bilder, wir wissen, wer dabei war", tönte es nach Angaben von Einwohnern in den letzten Tagen von Lautsprecherwagen, die durch die Straßen fuhren. In den engen Gassen von Rangun blieben die Festnahmen trotz der nächtlichen Ausgangssperre jedoch nicht unbemerkt. Die Menschen versuchten, Nachbarn durch Lärm zu alarmieren.

DPA/AP / AP / DPA