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Nach Messerattacken: Jerusalemer Altstadt für Palästinenser gesperrt

Gleich zwei schwere Messerattacken innerhalb von nur zwölf Stunden: In Jerusalem ist die Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis eskaliert. Die Polizei hat daraufhin erstmals seit Jahren die Altstadt für Palästinenser gesperrt.

Ein Palästinenser hat in der Jerusalemer Altstadt einen Israeli niedergestochen

Nachdem ein palästinensischer Angreifer einen Israeli in der Jerusalemer Altstadt niedergestochen hatte, wurde der Täter von der Polizei erschossen.

Zwei Palästinenser haben in Jerusalem mit Messern Israelis angegriffen und zwei Menschen getötet. Die Polizei erschoss beide Angreifer bei den Vorfällen am Samstagabend und in der Nacht zum Sonntag. Stunden zuvor waren bei einer Razzia der israelischen Armee nach der Ermordung eines jüdischen Siedlerehepaars im Westjordanland zehn Palästinenser verletzt worden. Israels Präsident Reuven Rivlin erklärte, das Land befinde sich "im Kampf gegen den Terrorismus".

Die israelische Polizei sperrte am Sonntag wegen der Attacken erstmals seit Jahren die Altstadt zwei Tage lang für Palästinenser. Diese Maßnahme sei ebenso wie die Zahl der eingesetzten Ordnungskräfte "beispiellos", erklärte der Minister für Innere Sicherheit, Gilad Erdan, im staatlichen Rundfunk. Im Viertel Issawija in Ostjerusalem lieferten sich dutzende maskierte Palästinenser und die israelische Polizei Straßenschlachten.

Die israelische Polizei verfügte, dass am Sonntag und Montag nur Bewohner der Altstadt, Ladeninhaber, Schüler, Israelis und Touristen die Altstadt betreten dürften. Das Verbot betrifft damit einen Großteil der 310.000 palästinensischen Einwohner des von Israel besetzten Ostteils Jerusalems.

Zwei Menschen am Samstagabend getötet

Am Samstagabend ging zunächst ein Palästinenser in der Jerusalemer Altstadt mit einem Messer auf mehrere Israelis los und tötete zwei Menschen. Anschließend griff er sich die Schusswaffe eines der Getöteten, bevor er selbst von Polizisten erschossen wurde. Ein zweijähriges Kind und eine Frau wurden verletzt. Laut Behördenangaben handelte es sich bei dem Messerstecher um einen 19-jährigen Palästinenser aus dem von Israel besetzten Westjordanland. Stunden später verletzte ein weiterer Palästinenser im Westen von Jerusalem einen Israeli mit einem Messer schwer, bevor er von Polizisten erschossen wurde.

Seit Wochen ist die Lage rund um den Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem angespannt, immer wieder kommt es dort zum Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei. Der Tempelberg ist das wichtigste Heiligtum im Judentum und nach Mekka und Medina das drittwichtigste Heiligtum im Islam. Die Palästinenser befürchten, dass die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Status des Tempelbergs verändern will. Netanjahu bestreitet dies.

Die US-Regierung verurteilte den tödlichen Messerangriff. Washington sei sehr besorgt über die zunehmenden Spannungen im Westjordanland und in Jerusalem, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Der UN-Sondergesandte Nickolay Mladenov verurteilte den Angriff ebenfalls und erklärte, dieser sei "ebenso gefährlich für die Palästinenser wie für die Israelis".

Hamas: "Heldenhafte Tat des Widerstands"

Die Palästinenserbewegung Hamas begrüßte den tödlichen Angriff dagegen als "heldenhafte Tat des Widerstands", der Islamische Dschihad sprach von einer "Antwort auf die terroristischen Verbrechen" Israels gegen die Palästinenser. Hamas-Mitglied Machmud Sahar hatte die Palästinenser zuvor am Samstag dazu aufgerufen, zu den Waffen zu greifen und den Tempelberg zu "verteidigen".

Nach dem ersten Messerangriff marschierten rund 50 rechtsradikale jüdische Demonstranten am Samstagabend in Richtung der Jerusalemer Altstadt und riefen Parolen wie "Krieg" oder "Das Volk fordert Rache". Mehrere Palästinenser wurden geschlagen, Autos von Palästinenser angegriffen, wie ein AFP-Reporter beobachtete.

Auch im Westjordanland ist die Lage angespannt, seit am Donnerstagabend ein jüdisches Siedlerpaar ermordet wurde. Bei einer Razzia der israelischen Armee wurden im Westjordanland am Samstag nach palästinensischen Angaben sechs Menschen durch Schüsse und vier weitere durch Schläge verletzt. Die palästinensische Polizei teilte mit, dutzende israelische Soldaten seien vorgefahren, hätten Häuser durchsucht, Schäden angerichtet und acht Menschen festgenommen. Eine Sprecherin der israelischen Armee äußerte sich nicht zu den Vorkommnissen.

Der Rabbiner Eitam Henkin und seine Ehefrau Naama waren am Donnerstagabend in ihrem Auto vor den Augen ihrer vier Kinder erschossen worden. Das Paar wurde am Freitag in Jerusalem beerdigt. Israel startete nach der Tat eine Großfahndung nach den Mördern und verstärkte seine Militärpräsenz im Westjordanland.

Der israelische Oppositionsführer Jizchak Herzog erklärte, Netanjahu habe "die Kontrolle über die Sicherheit der Israelis verloren". Das Land stehe "am Rande einer dritten Intifada.

car/hev / DPA