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Nach Urteil gegen ägyptischen Ex-Machthaber: Mubarak auf Intensivstation, Proteste auf der Straße

Heftige Reaktionen auf die Verurteilung von Ex-Staatschefs Mubarak: Vor dem Gericht brach Jubel aus, in mehreren Städten kam es aber zu Tumulten. Vielen Ägyptern geht das Urteil nicht weit genug.

Nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft ist der ägyptische Ex-Präsident Husni Mubarak auf die Intensivstation eines Gefängniskrankenhauses gebracht worden. Das meldete der Nachrichtensender Al Arabija. Der Generalstaatsanwalt hatte nach Angaben aus Justizkreisen die Verlegung von Mubarak in das Krankenhaus des Tora-Gefängnisses außerhalb von Kairo angeordnet. Zuvor war er in einem Krankenhaus des Militärs untergebracht.

In Ägypten kam es unterdessen in mehreren Städten zu Protestaktionen. Die meisten Demonstranten in Kairo, Alexandria und Suez kritisierten, dass Mubarak nicht zum Tode verurteilt worden war. Sie protestierten außerdem dagegen, dass der Richter sechs ehemalige Funktionäre des Sicherheitsapparates freigesprochen hatte.

Der Staatsanwalt hatte für den früheren Staatschef die Todesstrafe gefordert. Das Kairorer Gericht verurteilte Mubarak wegen der Anordnung tödlicher Gewalt gegen Demonstranten allerdings zu lebenslanger Haft. Vom Vorwurf der Korruption wurde er freigesprochen. Der Ägypter kann gegen das Urteil Einspruch einlegen.

Auch gegen den früheren Innenminister Habib al Adli verhängte das Gericht eine lebenslange Gefängnisstrafe. Dagegen sprach Richter Ahmed Refaat die Söhne Mubaraks, Alaa und Gamal, vom Vorwurf der Korruption frei. Die beiden bleiben aber in Untersuchungshaft, weil sie noch in weiteren Verfahren angeklagt sind. Sechs weitere frühere Vertraute des 84-Jährigen sprach das Gericht zudem frei. Diese hatten beteuert, keine Schüsse auf Demonstranten oder andere tödliche Gewalt angeordnet zu haben.

Prügeleien im Gerichtssaal

Im Gerichtssaal und vor dem Gebäude kam es nach der Urteilsverkündung zu Prügeleien und Tumulten. Die Polizei schritt ein, als Angehörige getöteter Demonstranten sowie Mubarak-Anhänger aufeinander losgingen.

Gegner Mubaraks reagierten auf das Urteil unterschiedlich. Einige brachen auf der Straße in Jubel aus oder knieten nieder. Andererseits riefen Angehörige von Opfern und die sogenannten Revolutionäre auch "ungültig, ungültig". Sie sind der Meinung, dass Mubarak sein Leben am Galgen beenden sollte. Außerdem zeigten sie sich empört, dass der Prozess für die mitangeklagten Polizeioffiziere mit einem Freispruch endete. Die Unterstützer des Ex-Präsidenten, die ebenfalls in großer Zahl vor dem Gerichtsgebäude erschienen waren, hatten ihrerseits auf einen Freispruch für Mubarak gehofft.

"Schwarze Ära"

Richter Ahmed Refaat hatte die Sitzung mit einer Ansprache begonnen, in der er die fast 30-jährige Amtszeit Mubaraks als "schwarze Ära" und die sogenannte "Revolution des 25. Januar" als "Morgenröte" bezeichnete. Refaat sprach von einem fairen Prozess. Dagegen hatten nicht nur die Anwälte Mubaraks, sondern auch andere Juristen bemängelt, dass die Beweisführung nicht überzeugend gewesen sei.

Während der Sitzung hielten Gegner des 84-jährigen ehemaligen Staatschefs Bilder von Demonstranten hoch, die bei den Massenprotesten im vergangenen Jahr getötet worden waren. Der schwerkranke Ex-Staatschef zeigte keinerlei Regung, als der Richter das Urteil verlas. Seine Augen verbarg er hinter einer schwarzen Sonnenbrille. Der 84-Jährige war zuvor mit einem Hubschrauber zum Gericht geflogen worden. Auf einer Trage liegend verfolgte er die Urteilsverkündung gemeinsam mit seinen Mitangeklagten im Käfig der Angeklagten. Alaa und Gamal Mubarak hatten Tränen in den Augen.

Bei den Demonstrationen im Januar und Februar 2011 waren Schätzungen zufolge mehr als 800 Menschen getötet worden. Mubarak war nach seinem Rücktritt ans Rote Meer geflohen, wurde dort aber bald festgenommen. Der Prozess begann am im August 2011. Die Urteilsverkündung erfolgt zwei Wochen vor der Stichwahl um das Präsidentenamt.

lea/mlr/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters