Nahost-Konflikt Annan entsetzt über Waffenruhe-Bruch


UN-Generalsekretär Kofi Annan hat sich "tief betroffen" über die israelische Verletzung der Waffenruhe im Libanon gezeigt. Die Verletzung gefährde die "brüchige Ruhe" und beschädige die Souveränität der libanesischen Regierung.

In einer Mitteilung der Vereinten Nationen vom Samstag (Ortszeit) in New York hieß es weiter, die UN-Friedenstruppe Unifil habe neben der israelischen Kommandoaktion am Samstag im Osten des Libanon mehrere Verstöße durch israelische Militärflugzeuge gegen die Resolution über das Ende der Feindseligkeiten festgestellt.

Alle diese Verletzungen der Resolution 1701 gefährdeten die "brüchige Ruhe", die nur durch lange Verhandlungen erreicht worden sei. Auch beschädigten sie die Autorität der libanesischen Regierung. Annan rief die Konfliktparteien nachhaltig auf, das Waffenembargo zu respektieren. Zudem sollten sie höchste Zurückhaltung an den Tag legen und provozierende Aktionen vermeiden.

Heftige Gefechte mit Hisbollah-Milizen

Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora bezeichnete die Kommandoaktion als "Verletzung" der Waffenruhe. Außenminister Fausi Salluch sagte, falls sich dies wiederhole, trage der Weltsicherheitsrat die Verantwortung und müsse "die israelische Aggression stoppen". Ein israelischer Militärsprecher in Tel Aviv erklärte, die Operation habe dazu gedient, den Schmuggel von Waffen aus Syrien oder dem Iran zu unterbinden. Dies sei auch gelungen.

Israelische Soldaten waren am Samstag erstmals seit dem Inkrafttreten der Waffenruhe vor fünf Tagen tief in den Libanon vorgestoßen und hatten sich ein heftiges Gefecht mit Hisbollah- Milizionären geliefert. Dabei wurden drei Hisbollah-Kämpfer und ein israelischer Offizier getötet sowie zwei weitere israelische Soldaten verletzt, bestätigten libanesische und israelische Quellen.

Blauhelme sollen Kontrolle über Südlibanon übernehmen

Unter dem Schutz von vorgetäuschten Luftangriffen hatten israelische Hubschrauber in der Nacht zwei gepanzerte Geländefahrzeuge etwa 100 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt im Ostlibanon abgesetzt, berichtete die libanesische Polizei. Israelische Soldaten seien dann ins rund 30 Kilometer von der Stadt Baalbek entfernte Dorf Budai gefahren, wo sie sich ein Gefecht mit Hisbollah-Milizionären geliefert hätten.

Die libanesische Armee richtete am Samstag erstmals eine dauerhafte Stellung unmittelbar an der israelischen Grenze ein. Libanesische Soldaten rückten im Morgengrauen zum so genannten Fatima-Tor vor, das die südlibanesische Ortschaft Kfar Kila und die nordisraelische Stadt Metulla voneinander trennt. Rund 15 000 Regierungssoldaten und Tausende UN-Blauhelme sollen in den kommenden Tagen und Wochen die Kontrolle über den Südlibanon übernehmen, aus dem sich das israelische Militär seit Beginn der Waffenruhe zurückzieht. Bislang war der Südlibanon von der Hisbollah-Miliz kontrolliert worden.

Olmert will Hisbollah-Führung weiter jagen

Die Hisbollah weitete am Samstag die Verteilung von Geld an libanesische Familien aus, die während des rund einmonatigen Krieges durch israelische Angriffe obdachlos geworden sind. "Wir haben in Beiruts südlichen Stadtteilen begonnen und gehen jetzt in den Süden des Libanons", sagte ein Hisbollah-Mitglied. Familien, die ihr Hab und Gut verloren haben, bekämen jeweils rund 12 000 US-Dollar. Das Geld stamme auch aus dem Iran.

Unterdessen landeten am Samstagmorgen die ersten von zunächst 200 französischen Soldaten im südlibanesischen Hafen Nakura, die die UN- Friedenstruppe UNIFIL im Libanon verstärken sollen. Die rund 50 Mann umfassende Vorhut würde schweres Gerät an Land bringen, bestätigte ein UNIFIL-Sprecher. Den Plänen zufolge soll die derzeit 2000 Mann starke UNIFIL-Truppe in den nächsten zehn Tagen um 3500 zusätzliche Blauhelm-Soldaten aufgestockt werden.

Am Montag vergangener Woche war nach 33-tägigen heftigen Kämpfen im Libanon eine Waffenruhe in Kraft getreten. Israel hatte seine Luftangriffe im Libanon eingestellt, die radikal-islamische Hisbollah ihrerseits ihre Raketenattacken auf israelische Städte. Der israelische Premierminister Ehud Olmert hatte allerdings angekündigt, sein Land werde ungeachtet der Waffenruhe die Hisbollah-Führung weiterhin "an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt" verfolgen.

DPA


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker