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Nahost-Konflikt: Truppenabzug könnte Montag beginnen

Israel und die Palästinenser haben sich auf die Übergabe der Sicherheitskontrolle im Gazastreifen an die palästinensische Polizei geeinigt. Israels Truppen beginnen vielleicht schon Montag mit dem Rückzug.

Israel und die Palästinenser haben sich am Freitagabend grundsätzlich auf die Übergabe der Sicherheitskontrolle im Gazastreifen an die palästinensische Polizei geeinigt. Dies meldete der israelische Nachrichtendienst "y-net".

Der palästinensische Sicherheitschef Mohammed Dachlan und der israelische Koordinator für die Palästinensergebiete, Amos Gilad, vereinbarten demnach einen Abzug der israelischen Truppen aus den wiederbesetzten Gebieten des Gazastreifens. An dem mehrstündigen Gespräch in Tel Aviv war auch der US-Nahost-Gesandte John Wolf beteiligt. Die Palästinenser hätten zugesagt, nach dem Truppenabzug den Abschuss von Kleinraketen des Typs "Kassam" sowie Anschläge auf israelische Ziele zu verhindern.

Truppenabzug vielleicht schon am Montag

Wie die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete, könnte der israelische Abzug aus dem Gazastreifen bereits am Montag beginnen. Offiziere beider Seiten würden am Sonntag Details besprechen. In der kommenden Woche würden auch Gespräche über die Übergabe der Sicherheitsverantworung in Bethlehem im Westjordanland stattfinden.

Die USA begrüßten die Einigung zwischen Israel und den Palästinensern. Der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, nannte die Einigung am Freitag einen "bedeutenden" Schritt. Nun sei es für beide Seiten wichtig, auf dieser Grundlage weiter zu arbeiten, um das Ziel einer friedlichen Koexistenz zweier Staaten zu erreichen.

Hamas bekundet Bereitschaft zu Waffenruhe

Nach monatelangen Verhandlungen hatte der Gründer der radikal-islamischen Hamas-Bewegung, Scheich Ahmed Jassin, am Freitag erstmals die Bereitschaft seiner Gruppe zu einer Waffenruhe mit Israel signalisiert. Der an den Rollstuhl gefesselte Jassin sagte in Gaza, Hamas habe nach langen Beratungen über die regionale Lage "eine Entscheidung für eine Waffenruhe" getroffen. Eine offizielle Erklärung darüber wolle man jedoch erst in ein paar Tagen gemeinsam mit den anderen palästinensischen Fraktionen abgeben.

Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas bemüht sich seit Monaten um eine Einwilligung der radikalen Gruppen Hamas, Islamischer Dschihad und Al-Aksa-Brigaden um einen Stopp der Anschläge in Israel. Israel fordert jedoch weiter eine vollständige Entwaffnung der Gruppen und will eine bloße Waffenruhe nicht akzeptieren.

Einigung trotz israelischer Militäraktion

Jassins Äußerungen kamen trotz einer neuen israelischen Militäraktion, bei der in der Nacht zum Freitag drei Hamas-Mitglieder und ein israelischer Elitesoldat getötet worden waren. Die israelischen Truppen waren auf der Suche nach dem wichtigsten Hamas-Bombenbauer, Adnan el Rul. In den frühen Morgenstunden umstellten sie in einem Dorf südlich der Stadt Gaza zwei Häuser, von denen eines als Unterschlupf El Ruls galt. Bei einem stundenlangen Feuergefecht wurden der Bruder und der Sohn El Ruls erschossen, der selbst zur Zeit des Angriffs nicht zu Hause war. Ein weiteres Hamas-Mitglied wurde bei dem Versuch erschossen, aus dem zweiten Gebäude zu fliehen.

Condoleezza Rice in Israel erwartet

Am Samstagabend wird die US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice zu Gesprächen über die Umsetzung des internationalen Nahost-Friedensplans in Israel und den Palästinensergebieten erwartet. Rice trifft zunächst mit Dachlan und Ministerpräsident Abbas zusammen. Am Sonntag stehen Gespräche mit der israelischen Führung auf ihrem Programm.

DPA