Nahost-Treffen Gute Miene zu Bushs Spiel


Nach dem Irak-Krieg sind die Karten neu gemischt. Und die Amerikaner geben. Wer nicht nach ihren Regeln spielt, darf am Spieltisch gar nicht erst Platz nehmen. Kein Wunder, dass es beim Treffen ruhig und sehr freundlich zugeht.

Beim Nahostgipfel in Scharm el Scheich zeigt sich deutlicher denn je, dass die Karten in der Region durch die gewaltsame Entmachtung des irakischen Regimes komplett neu gemischt worden sind. Hier, am Eingang zum Golf-Hotel, wo sich die Getreuen von Saddam Hussein und die Golfaraber vor zwei Monaten noch wüst beschimpft haben, schüttelt US-Präsident George W. Bush heute die Hand des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Beide strahlen um die Wette und winken.

"Das Ergebnis ist: Die Amerikaner sagen jetzt, wo es langgeht und wer nicht folgt, wird erst isoliert und dann bedroht", seufzt eine ägyptische Journalistin. Die neue Pax Americana sei deprimierend.

Schluss mit Kompromissen

Für Bush läuft dagegen alles wie am Schnürchen. Seit der Kampf gegen den Terrorismus die gesamte amerikanische Außenpolitik überragt, ist Schluss mit Kompromissen. Von Zauderern und Skeptikern will Bush sich keine Knüppel mehr zwischen die Beine werfen lassen. Wer nicht mit ihm an einem Strang zieht, hat in Washington verspielt.

Am Beispiel von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, den die Amerikaner vor einem Jahr fallen ließen, wurde das Exempel statuiert. Isoliert werden momentan auch Syrien und Libanon. Dass die Ägypter den syrischen Präsidenten Baschar el Assad auf ausdrücklichen Wunsch Washingtons nicht nach Scharm el Scheich eingeladen haben, ist ein Beleg dafür, dass die US-Regierung ihren Grundsatz "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns" nach dem Irak-Feldzug konsequent durchsetzen und damit durchkommen.

Lächeln oder verlieren

Denn begeistert sind auch die in Scharm el Scheich anwesenden arabischen Führer nicht von den neuen US-Plänen für die Region. Doch sie machen gute Mine zum bösen Spiel und präsentieren sich als treue Freunde Washingtons - in der Hoffnung, dass sie letztlich auf der Seite der Gewinner stehen werden.

Detailfragen sind nicht Bushs Sache

Dass Kritiker den US-Stil als Bulldozer-Ansatz kritisierten, lässt die Amerikaner kalt. Der Präsident ist ein Freund klarer Worte und großer Linien. Detailfragen, die im komplizierten Nahostgefüge schon so manchen großen Plan zum Scheitern brachten, sind seine Sache nicht. Das irritiert so manchen Nahost-Experten auch in der US- Regierung. Sie zweifeln, ob eine permanente Friedenslösung damit erreicht werden kann. "Er hat nicht das Wissen oder die Geduld, sich genügend mit der Materie auseinander zu setzen, um klare Vorstellungen für das gewünschte Endergebnis zu entwickeln", zitierte die 'Washington Post' einen kritischen Regierungsbeamten.

Die Welt hat gesehen: Amerika ist bemüht

Nach dem Washingtoner Konzept hat Bush allein mit seiner Anwesenheit in Scharm el Scheich das Hauptziel schon erreicht: Das von aller Welt geforderte Engagement der Amerikaner im Nahostkonflikt ist damit dokumentiert.

Auch für den Dreiergipfel mit Abbas und dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon am Mittwoch in Akaba hat die US-Regierung die Messlatte für den Erfolg bewusst tief gehängt. Selbst, wenn Abbas und Scharon den Fahrplan für den Nahost-Frieden nur erneut absegnen, gibt die US-Regierung dies schon als Erfolgsparole aus.

Keine großen Erwartungen für Dreiergipfel

Auch die Palästinenser rechnen in Akaba nicht mit dem großen Durchbruch. Aus ihrer Sicht wäre schon viel gewonnen, wenn sich die USA zur Durchsetzung des Friedensplans ohne gravierende Änderung bekennen würden. Von Scharon wollen sie ein Versprechen, dass die Militäraktionen in den besetzten Gebieten aufhören. Denn nur dann könnte Abbas die Radikalen im eigenen Lager zu einem Stopp der Selbstmordattentate bewegen. Das ist die Latte, die er überspringen muss, wenn er nicht auf dem gleichen Abstellgleis landen will wie Arafat.

Anne-Beatrice Clasmann und Christiane Oelrich DPA

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