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Neue Protest-Methoden: Schlager statt Schlagstock in Kiew

In der Ukraine kommen ungewöhnliche Waffen zum Einsatz: Die Demonstranten beschallen ihre Gegner mit Nachrichten. Die Polizei hält mit Schlagern und Militärmusik dagegen.

Ein bisschen ist es, als würden Kissen statt Kanonen eingesetzt: In der ukrainischen Hauptstadt Kiew haben sich die Regierungsgegner etwas Neues einfallen lassen, um die Bereitschaftspolizisten zu piesacken. Auf ein großes, weißes Laken projizieren sie seit Sonntag rund um die Uhr Nachrichten von wohlgesonnenen Fernsehsendern, in denen auch sie selbst zu Wort kommen - und drehen die Lautstärke dabei so hoch, dass den nur wenige Meter entfernt postierten Polizisten die Ohren schmerzen. Diese schlagen inzwischen zurück: mit einem Mix aus Schlager-Ohrwürmern und sowjetischer Militärmusik aus dem Zweiten Weltkrieg.

Das trifft. "Wir haben ein gutes Soundsystem, aber deren Lautsprecher ist noch lauter", klagt ein vermummter Aktivist namens Vadim, der seinen Nachnamen aus Furcht vor Repressalien nicht nennen will. Ihm zufolge hat die Beschallung mit Nachrichten den Zweck, bei den Polizisten Verständnis für die Demonstranten zu wecken. Allerdings mache er sich wenig Hoffnung: "Die haben eine andere Weltsicht. Sie halten uns für böse, für Feinde. An den Nachrichten zeigen sie kein Interesse." Auch auf die Aufforderung der Regierungsgegner, ihre Schilde hinzulegen und sich ihnen anzuschließen, reagiere die Gegenseite nicht.

car/AFP / AFP
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