Neue Videobotschaft von Bin Laden "Ich lade euch ein, den Islam anzunehmen"


Kurz vor dem sechsten Jahrestag der Anschläge vom 11. September hat sich Al-Kaida-Chef Osama bin Laden mit einer Videobotschaft zu Wort gemeldet. In der 30-minütigen Aufzeichung rief Bin Laden die US-Amerikaner dazu auf, zum Islam überzutreten, wenn sie den Krieg im Irak beenden wollten.

Die Botschaft ist offenbar jüngeren Datums. Bin Laden verwies darin etwa auf den Wahlsieg des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy im Mai, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Immobilienkrise in den USA und die wachsende Sorge über den Klimawandel. Es handelt sich um die ersten Bildaufnahmen von Bin Laden seit fast drei Jahren. Mit einer Audiobotschaft hatte er sich zuletzt im Juli 2006 zu Wort gemeldet.

Bin Laden: Die Alternative zu den USA ist der Islam

Dem Wortlaut des Videos zufolge, das zuerst auf der Website des US-Fernsehsenders ABC veröffentlicht wurde, machte der Al-Kaida-Führer keine direkten Terrordrohungen und rief nicht zu neuen Anschlägen auf. Bin Laden erklärte, die Alternative zum demokratischen System in den USA sei der Islam. US-Präsident George W. Bush unterstütze im Irak die Schiiten gegen die Sunniten. Dort sei die Lage außer Kontrolle geraten und Bush werde nur "Misserfolge ernten".

Er wirft der US-Bevölkerung vor, große Fehler begangen zu haben. Zu den größten gehöre, "nicht jene bestraft zu haben, die diesen Krieg begonnen haben, sogar auch nicht den gewalttätigsten der Mörder, (Exverteidigungsminister) Donald Rumsfeld...). Es gebe zwei Möglichkeiten, den Krieg zu beenden, heißt es weiter. "Eine liegt auf unserer Seite, und sie liegt darin, die Kämpfe gegen euch und das Töten zu eskalieren....Die zweite Lösung liegt bei euch...Ich lade euch ein, den Islam anzunehmen."

Bush nach Videobotschaft noch entschlossener

US-Präsident George W. Bush hat nach dem neuen Tonband von Osama bin Laden seine Entschlossenheit im Kampf gegen das Terrornetzwerk El Kaida betont. "Das Tonband ermahnt uns, dass wir in einer gefährlichen Welt leben und dass wir zusammenarbeiten müssen, um uns zu schützen", sagte Bush am Rande des APEC-Gipfels in Sydney. Zuvor hatten amerikanische Geheimdienstexperten die neueste Videobotschaft Bin Ladens zum Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 analysiert und die Stimme des Terrorchefs für authentisch erklärt.

Die Tatsache, dass der Irak auf dem Tonband erwähnt werde, zeige, dass der Irak Teil des "Krieges gegen die Extremisten" sei, sagte Bush. "Wenn El Kaida sich die Mühe macht, den Irak zu erwähnen, dann deshalb, weil sie im Irak etwas erreichen wollen, nämlich uns rauszuschmeißen. (...) Wir müssen unsere Entschlossenheit demonstrieren und El Kaida Zufluchtsorte verwehren", sagte Bush.

Die USA waren noch vor der Veröffentlichung der Botschaft Bin Ladens durch Al Kaida an das Video gelangt, von dem der arabische Sender Al Dschasira kurze Auszüge ausstrahlte. US-Geheimdienstexperten werteten die Aufzeichung auf ihre Echtheit hin aus. Zudem überprüften sie Hinweise auf den Gesundheitszustands Bin Ladens. Der Analyst Thomas Sanderson vom Zentrum für strategische und internationale Studien erklärte, der Al-Kaida-Führer wisse von der geringen Zustimmungsrate für Bush in den USA und vom wachsenden Bewusstsein über den Klimawandel. "Er versucht, aus dem Nutzen zu ziehen, was er als Verlagerung der amerikanischen Politik zurück in die Mitte betrachtet."

AP AP

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