Nordkorea Bill Clinton auf heikler Fernost-Mission


Der frühere US-Präsident Bill Clinton ist in Nordkorea eingetroffen. Seine Mission: Verhandlungen zur Befreiung der zwei US-Journalistinnen, die zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt wurden. Auch das nordkoreanische Atomprogramm dürfte zur Sprache kommen - beide Themen sind für Experten miteinander verknüpft.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton ist am Dienstag überraschend in Nordkorea eingetroffen. Der nordkoreanische Chefunterhändler für Atomfragen, Kim Kye Gwan, sowie ein ranghoher Vertreter des Parlaments begrüßten Clinton per Handschlag auf dem Flughafen der Hauptstadt Pjöngjang, wie Aufnahmen der Fernsehnachrichtenagentur APTN zeigten. "Unsere Kinder empfingen Herrn Clinton mit Blumen", hieß es im nordkoreanischen Fernsehen. Nach südkoreanischen Informationen ist auch ein Treffen mit dem Machthaber des kommunistischen Staats, Kim Jong Il, geplant.

Clinton will unter anderem erreichen, dass zwei in Nordkorea inhaftierte amerikanische Journalistinnen freigelassen werden. Laura Ling und Euna Lee arbeiten für die Mediengruppe Current TV in San Francisco, die vom früheren Vize-Präsidenten Al Gore mitgegründet wurde. Die beiden Frauen waren Mitte März nahe der chinesisch-nordkoreanischen Grenze ergriffen worden, während sie über nordkoreanische Flüchtlinge berichteten. Sie wurden wegen "schweren Verbrechens gegen die koreanische Nation und illegalen Grenzübertritts" zu jeweils zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt. Kreise in Südkorea gehen davon aus, dass Nordkorea und die USA seit Wochen intensiv über den Fall verhandeln. US-Präsident Barack Obama hatte sich tief betroffen über die Verurteilung gezeigt.

Mit dem Besuch verknüpft sich auch die Hoffnung, dass Clinton auch die Sechs-Parteien-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm wiederbeleben könnte. Das Regime in Pjöngjang hatte im April seinen unwiderruflichen Rückzug von den seit 2003 laufenden Gesprächen über den Abbau seines Atomwaffenprogramms erklärt. Das kommunistische Land reagierte damit auf die Verurteilung des Starts einer nordkoreanischen Langstreckenrakete durch den Weltsicherheitsrat. An den Gesprächen waren außer Nordkorea und den USA auch China, Südkorea, Japan und Russland beteiligt.

Ähnlich wie Clinton hatte 1994 Ex-Präsident Jimmy Carter nach Ende seiner Amtszeit Nordkorea besucht. Er hatte den damaligen Machthaber und Staatsgründer Kim Il Sung - Vater des heutigen Diktators Kim Jong Il - getroffen. Das Gespräch hatte Nordkorea damals an den Verhandlungstisch zurückgeführt.

Derzeit gilt das Land, dessen Bevölkerung unter bitterer Armut leidet, international als isoliert. Den jüngsten Atomtest im Mai hatten im Weltsicherheitsrat auch China und Russland, die bis dato Verbindungen nach Pjöngjang gehalten hatten, scharf verurteilt.

Viele Experten gehen denn auch davon aus, dass Nordkorea die inhaftierten Journalistinnen missbrauchen könnte, um von den USA Zugeständnisse im Streit über das Atomprogramm zu erzwingen. "Es besteht die Möglichkeit einer dramatischen Wende Nordkoreas, die zu einer neuen Phase der Verhandlungen führen könnte", sagte Yun Duk Min vom Institut für Außenpolitik und Nationale Sicherheit im südkoreanischen Seoul. Es gibt in Südkorea aber auch Kritik an Clinton: Mit seinem Besuch belohne er das "schlechte Benehmen" Nordkoreas, erklärte B. R. Myers von der Dongseo-Universität. So könne die Regierung in Pjöngjang der Bevölkerung zeigen, dass das Land wegen seines Atomprogramms international ernst genommen werde.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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