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Nordkoreas Kriegsdrohung: USA und Südkorea erhöhen Alarmbereitschaft

Angesichts der militärischen Provokationen Nordkoreas sind südkoreanische und US-Truppen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. US-Außenministerin Hillary Clinton sicherte Südkorea und Japan Unterstützung der Vereinigten Staaten zu. Pjöngjang sorgte unterdessen für weitere Spannungen.

Nach Nordkoreas Angriffsdrohungen haben die Streitkräfte Südkoreas und der USA ihre militärische Aufklärung und Wachsamkeit gegenüber dem kommunistischen Land erhöht. Das fünfstufige Frühwarnsystem sei zum ersten Mal seit dem ersten nordkoreanischen Atomtest im Oktober 2006 wieder auf die zweithöchste Stufe angehoben worden, teilte der Generalstab der südkoreanischen Armee am Donnerstag mit. Damit soll die Überwachung der Aktivitäten in Nordkorea durch den Einsatz zusätzlicher militärischer Mittel wie etwa Aufklärungsflugzeuge und Satelliten verstärkt werden.

Angesichts der jüngsten Zuspitzung auf der koreanischen Halbinsel warnte US-Außenministerin Hillary Clinton das Regime in Pjöngjang vor Konsequenzen. Nordkorea missachte die internationale Gemeinschaft, kündige Verpflichtungen auf und verhalte sich weiter "provokant und aggressiv" seinen Nachbarn gegenüber, sagte Clinton am Mittwoch (Ortszeit) in Washington.

Das Weiße Haus erklärte, Nordkorea werde mit seinen Tests nicht die weltweite Aufmerksamkeit bekommen, die es sich erhoffe. Vielmehr begebe sich die Regierung in Pjöngjang damit tiefer in die eigene Isolation, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Robert Gibbs. "Dies ist das fünfte Mal in 15 Jahren, dass sie versuchen, das Waffenstillstandsabkommen zum Koreakrieg für null und nichtig zu erklären", sagte Gibbs.

Nordkorea hatte Südkorea am Mittwoch mit einem Militäreinsatz gedroht. Aus Protest gegen die Ankündigung Seouls, einer US-Initiative zum Schutz vor der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen beizutreten, erklärte Pjöngjang den Waffenstillstand von 1953 für ungültig.

Nordkorea verstärkte die Spannungen unterdessen erneut: Die Vorbereitungen für eine US-geführte Militärinvasion liefen bereits, berichteten amtliche nordkoreanische Medien. "Die Pläne einer nordwärts gerichteten Invasion durch die USA und die südkoreanische Marionettenregierung haben das alarmierende Niveau überschritten", hieß es in einem Kommentar der Zeitung Rodung Sinmun, der von der amtlichen koreanischen Nachrichtenagentur KCNA verbreitet wurde. "Ein kleiner versehentlicher Zwischenfall kann zu einem Atomkrieg führen", hieß es weiter. Die USA haben die Planung eines Militäreinsatzes mehrfach dementiert. Die USA haben zurzeit 28.500 Soldaten als Abschreckung gegen Nordkorea in Südkorea stationiert.

Nach dem Atomtest sind im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am Mittwoch laut UN-Diplomaten neue Sanktionen gegen das kommunistische Land diskutiert worden. Im Gespräch seien eine Ausweitung des Waffenembargos, das Einfrieren von Guthaben von Einzelpersonen und weiteren Firmen sowie Einschränkungen für das Finanz- und Bankensystem Nordkoreas. Auch sei darüber gesprochen worden, wie bestehende Sanktionen besser durchgesetzt werden könnten, hieß es weiter. An den Gesprächen seien Vertreter der USA, Russlands, Chinas, Großbritanniens und Frankreichs sowie Japans und Südkoreas beteiligt gewesen.

Der französische Außenminister Bernard Kouchner erklärte, alle Mitglieder seien sich einig, "dass etwas geschehen muss". Ein Entwurf werde allerdings wohl nicht vor Ende der Woche verabschiedet. Experten zufolge zeigten die bisherigen Sanktionen gegen Pjöngjang kaum Wirkung, weil sie nicht vollständig umgesetzt wurden und Nordkorea bereits jetzt eines der isoliertesten Länder weltweit ist.

US-Seismologen von der Columbia University teilten unter Berufung auf seismologische Messungen unter anderem in China mit, die Stärke der unterirdisch getesteten Atombombe sei fünf Mal stärker gewesen als beim ersten Atomwaffentest Nordkoreas im Jahr 2006.

US-Sicherheitsberater James Jones sagte vor dem Atlantic Council in Washington, die Gefahr gehe weniger von dem nuklearen Material oder den Raketen selbst aus, sondern von der Tatsache, dass sie möglicherweise ins Ausland gelangten. "Die unmittelbare Gefahr ist die Weiterverbreitung dieser Art von Technologie in andere Länder, an terroristische Organisationen und nicht-staatliche Akteure", warnte Jones.

DPA/AFP/AP / AP / DPA