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Gemeinsame Luftpatrouille : Operation im Pazifik: Bereiten Russland und China ein Militärbündnis vor?

Ein russisch-chinesisches Laufmanöver vor der Küste Südkoreas alarmiert die Streitkräfte des Landes. Es fallen Warnschüsse. Doch die gemeinsame Patrouille ist mehr als eine Übung. Zwischen Russland und China könnte sich ein Militärbündnis anbahnen.

Ein russisches Frühwarnflugzeug des Typs A-50 soll in den südkoreanischen Luftraum eingedrungen sein 

Ein russisches Frühwarnflugzeug des Typs A-50 soll in den südkoreanischen Luftraum eingedrungen sein 

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Ein militärischer Zwischenfall über dem Pazifik hat Südkorea in Alarm versetzt. Gleich zwei Mal soll ein russisches Frühwarnflugzeug des Typs A-50 in den südkoreanischen Luftraum eingedrungen sein. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben Seouls vor der Ostküste nahe einer Felseninselkette, die von Südkorea kontrolliert wird, aber auch Japan beansprucht wird.

Mehr als 300 Warnschüsse

Die südkoreanischen Luftstreitkräfte ließen daraufhin eigene Kampfjets aufsteigen, die Warnschüsse abgaben. Beim ersten Mal hätten die Jets etwa 80 Maschinengewehrschüsse abgegeben, beim zweiten Mal 280, hieß es aus Seoul. Russland bestreitet, dass eins seiner Militärflugzeuge in den südkoreanischen Luftraum eingedrungen sei. Die Maschinen hätten sich über internationalem Gewässer aufgehalten. 

Doch bei diesem Zwischenfall ist es gar nicht entscheidend, ob nun Moskau oder Seoul recht hat, sondern der Grund, warum die russischen Flugzeuge überhaupt im südkoreanischen Grenzgebiet unterwegs waren: Sie begleiteten chinesische Langstreckenflugzeuge. Die Operation sei die "erste gemeinsame Luftpatrouille im asiatisch-pazifischen Raum der russischen und chinesischen Streitkräfte" gewesen, erklärte das russische Militär. Sie diene dazu, die "russisch-chinesischen Beziehungen im Rahmen einer umfassenden Partnerschaft zu vertiefen und auszubauen" und die Streitkräfte der beiden Länder für gemeinsame Aktionen vorzubereiten.

Russland und China erproben Interoperabilität  

Zwischen Russland und China existiert bis jetzt kein gegenseitiges Verteidigungsbündnis wie zum Beispiel zwischen den USA und Japan. Die gemeinsame Luftpatrouille könnte aber nun dazu dienen, die "Interoperabilität" zwischen den chinesischen und russischen Streitkräften auf den Prüfstand zu stellen. So bezeichnen Militärs die Fähigkeit von zwei Armeen, in der Praxis zusammen zu agieren. 

In den vergangenen Jahren hätten Russland und China ihr "Quasi-Bündnis" stetig ausgebaut, erklärte Artjem Lukin, Professor für internationale Beziehungen an der Staatlichen Universität für Ostasienstudien in Wladiwostok. Gegenüber dem US-Sender CNN sagte er, die Operation über dem Pazifik ziele darauf ab, die gemeinsame Macht Chinas und Russland zu demonstrieren und eine Botschaft nach Tokio, Seoul und Washington zu senden. "Ehrlich gesagt war ich überrascht, als ich diese Nachricht las", sagte Lukin. "Ich hätte nicht gedacht, dass diese Aktion so mutig und provokativ sein würde."

Schon im vergangenen Jahr haben Moskau und Peking ihre Muskeln gemeinsam spielen lassen. Bei dem Großmanöver Wostok waren erstmals chinesische Einheiten dabei: 3000 Soldaten und rund 30 Flugzeuge und Hubschrauber nahmen an dem Manöver, das während eines bilateralen Treffens zwischen Wladimir Putin und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping in der fernöstlichen Stadt Wladiwostok stattfand. 

US-Geheimdienste warnen Trump vor Allianz 

Die Teilnahme Chinas an Wostok markiert eine Wende im Verhältnis der beiden Nachbarn. Lange beäugte man in Moskau Peking mit Argwohn. Russlands Nationalisten warnen nach wie vor vor einem wachsenden Einfluss Chinas. Putin hält das aber nicht davon ab, die Nähe zu seinem Amtsbruder Xi Jinping zu suchen. "Wir haben vertrauensvolle Beziehungen in den Bereichen Politik, Sicherheit und Militär", stellte der russische Staatschef am Rande des Manövers im vergangenen Jahr klar. Die gemeinsame Luftpatrouille stellt seine Worte nun unter Beweis.

In den USA lässt die russisch-chinesische Annäherung Alarmglocken schrillen. Bereits zu Beginn des Jahres warnten die amerikanischen Geheimdienste Donald Trump vor einer sich anbahnenden Allianz. "China und Russland stehen sich aktuell näher als selbst in den 1950er Jahren, zitierte die Nachrichtenagentur "Bloomberg" aus einem Bericht. "Sie werden wahrscheinlich noch enger zusammenrücken, weil sie gemeinsam gegen [...] die weltweite Führung der USA vorgehen möchten", prognostizierten CIA und NIA (National Intelligence Agency). 

ivi
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