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Afghanistan Taliban erobern das Pandschirtal – seit Jahrzehnten die Bastion des Widerstands

Anti-Taliban-Aufstandskräfte der afghanischen Widerstandsbewegung
Anti-Taliban-Aufstandskräfte der afghanischen Widerstandsbewegung ruhen sich aus, während sie auf einem Hügel im Gebiet Darband im Bezirk Anaba in der Provinz Panjshir patrouillieren (Archivfoto)
© Ahmad SAHEL ARMAN / AFP
Das Pandschirtal galt als letzte Bastion des Widerstands gegen die Taliban in Afghanistan und das auch schon in den letzten Jahrzehnten und schon zu Sowjetzeiten. Das ist einem Nationalhelden zu verdanken. Doch sein Sohn will weiterkämpfen.

Die letzte Bastion des Widerstands gegen die Taliban in Afghanistan ist offenbar gefallen: Die neuen Machthaber am Hindukusch teilten am Montagmorgen mit, dass das Pandschir-Tal "vollständig erobert" sei. Die Nationale Widerstandsfront (NRF) kündigte an, ihren Kampf "fortzusetzen". "Mit diesem Sieg ist unser Land vollständig aus dem Sumpf des Krieges befreit", erklärte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid. Die Taliban waren bereits am Wochenende im gebirgigen Pandschir-Tal vorgerückt, um die Widerstandshochburg endlich einzunehmen. Sie meldeten schwere Kämpfe und Gebietsgewinn in der Provinz nördlich von Kabul.

Schon die Sowjets scheiterten am Tal

Die Nationale Widerstandsfront erklärte am Montag, sie sei immer noch in "strategischen Positionen" präsent. "Der Kampf gegen die Taliban und ihre Partner wird weitergehen", hieß es von der Gruppe auf Twitter.

Das Tal hat eine hohe symbolische Bedeutung: In den 1980er-Jahren verteidigten sich die Bewohner gegen die Sowjets, die das Land besetzten. Mehrfach versuchten die russischen Kräfte in das Tal einzudringen – jedes Mal vergebens, geschlagen vom 2001 getöteten und bis heute verehrten afghanischen Kriegsherrn und Taliban-Gegner Ahmed Schah Massud, Spitzname "Shir-i-Panjshir – Löwe des Pandschirtals".

Das Tal, welches rund 150 Kilometer nordöstlich von Kabul liegt, war in den 1990er-Jahren eine Hochburg des Widerstands gegen die Taliban und fiel nie unter die Kontrolle der Islamisten.

Smaragdminen im Pandschirtal

Vor drei Wochen formierte sich in dem Tal die NRF unter Führung des Sohnes von Ahmed Schah Massud sowie des ehemaligen Vizepräsidenten Amrullah Saleh, der als Todfeind der Taliban gilt. Ahmad Massud – Sohn von Ahmed Schah Massud – sagte in einem Interview im stern Ende August: "Ich bin der Sohn von Ahmad Shah Massud. Rückzug ist ein Wort, das es in meinem Wörterbuch nicht gibt." Sein Vater hätte nicht akzeptiert, dass er sich ergibt.

"In den Bergen des Pandschir gibt es eine lange Tradition des Widerstandes. Weder die Taliban vor 2001, noch die Sowjettruppen vor ihnen haben es geschafft, dieses Refugium zu erobern. Ich denke, dass es auch heute so bleiben wird." Tausende Männer hätten sich dem Widerstand angeschlossen, so Massud.

Interessant ist das Tal auch, weil es dort ein Vorkommen von Smaragden gibt. Im Jahr 2016 gab es im Pandschirtal mehr als 170 Smaragdminen, wie der US-Sender CNN berichtete.

Quellen: Nachrichtenagentur AFP, SWR

rw AFP

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