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Parteitag: Demokraten wollen Kerry nominieren

Ein riesiges Medienaufgebot begleitet die US-Demokraten auf ihrem heute beginnenden Parteitag. John Kerry soll zum Herausforderer von Präsident Bush werden - die heiße Phase im Wahlkampf ist eingeleutet.

Mit dem Nominierungsparteitag der amerikanischen Demokraten tritt der Präsidentschaftswahlkampf in den USA in die heiße Phase. Die 4.350 Delegierten, die am Montag in Boston erwartet wurden, wollen am Mittwochabend (Ortszeit) ihren Kandidaten John Kerry zum Herausforderer von Präsident George W. Bush küren. Am ersten Tag richtete sich das Hauptaugenmerk auf Bushs Vorgänger Bill Clinton, dessen Rede zur besten Sendezeit angesetzt war.

"Ich halte eine Ansprache und verschwinde dann aus der Stadt"

Clinton wies Vermutungen zurück, er könnte Kerry in den Schatten stellen. "Ich halte eine Ansprache und verschwinde dann aus der Stadt", sagte der Expräsident, dessen Auftritt von seiner Frau Hillary Clinton angekündigt werden sollte. Vor Clinton stand mit Jimmy Carter ein weiterer Expräsident auf der Rednerliste. Auch eine Rede des früheren Vizepräsidenten Al Gore stand auf dem Programm. Gore unterlag bei der Wahl vor vier Jahren dem jetzigen republikanischen Präsidenten George W. Bush.

Kerry selbst wird erst zum Abschluss der viertägigen Veranstaltung am Donnerstag zu den Delegierten sprechen und seine Kandidatur offiziell annehmen. Er hielt sich am Montag zu Wahlkampfkundgebungen in Florida auf.

Sorge vor Anschlägen

Der Nominierungsparteitag im FleetCenter findet aus Sorge vor Anschlägen unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Zahlreiche Straßen wurden gesperrt, Militärpolizisten mit Sprengstoffspürhunden kontrollierten die Umgebung. Mit Hubschraubern wurde die Gegend aus der Luft überwacht.

Kerry, Senator aus Massachusetts, hatte sich bereits bei den innerparteilichen Vorwahlen im Frühjahr als Präsidentschaftskandidat durchgesetzt. Seine offizielle Nominierung gilt als reine Formsache. Die Delegierten werden ferner am Mittwoch den Senator John Edwards aus North Carolina zum Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten ernennen.

"Harmonischster Parteitag seit Jahren"

Parteitagspräsident Bill Richardson, der Gouverneur von New Mexiko, erwartet nach eigenem Bekunden "den harmonischsten Parteitag seit Jahren". Immerhin steht die Partei geschlossen hinter ihrem Präsidentschaftskandidaten. "Unser Ziel ist es, die persönliche Seite von Senator Kerry zu zeigen, seinen Charakter, seinen Kriegsdienst in Vietnam, seine Führungsqualitäten", sagte Richardson kurz vor Beginn des Parteitags im Sender CNN.

Amtsinhaber Bush soll in der letzten Augustwoche auf dem Parteitag der Republikaner in New York als Kandidat seiner Partei nominiert werden. Die Präsidentenwahl findet am 2. November statt.

"Bringt die Truppen nach Hause"

Vor dem Wahlparteitag der Demokraten protestierten am Sonntagabend rund 3.000 Menschen gegen den Irak-Krieg. "Bringt die Truppen nach Hause", war auf zahlreichen Plakaten zu lesen. Die Demonstranten marschierten am FleetCenter vorbei. Gleichzeitig protestierten rund 1.000 Abtreibungsgegner gegen Kerry. Bei einer Begegnung zwischen den beiden Demonstrationszügen kam es zu einem kurzen Handgemenge.

AP / AP / DPA