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Führender Republikaner Gibt Paul Ryan die Präsidentschaft schon verloren?

Paul Ryan Donald Trump
Der mächtige Republikaner Paul Ryan (l.) zeigt sich entsetzt über das Gebaren von Präsidentschaftskandidat Donald Trump
© AFP
Der Riss zwischen Donald Trump und seiner Partei wird immer tiefer. Jetzt sagt sich auch der mächtigste Republikaner, Paul Ryan, von ihm los. Der Präsidentschaftskandidat reagiert schroff - und feuert eine ganze Reihe böser Botschaften ab.

Der Streit zwischen dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und dem führenden Vertreter seiner eigenen Partei eskaliert. Trump warf dem derzeit mächtigsten Republikaner Paul Ryan am Dienstag vor, seinen Wahlkampf zu torpedieren. Ryan, der Vorsitzender des Abgeordnetenhauses ist, hatte sich am Vortag von dem Kandidaten losgesagt.

Im Kurznachrichtendienst Twitter setzte Trump gleich mehrere Botschaften ab, in denen er seiner Wut freien Lauf ließ. Ryan nannte er eine "schwache und erfolglose Führungsfigur". Abtrünnige Republikaner seien viel problematischer als seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton, klagte er weiter: "Sie greifen einen von allen Seiten an. Sie wissen einfach nicht, wie man gewinnt. Ich werde es ihnen zeigen." Die Loyalität im demokratischen Lager sei viel größer.

Er machte deutlich, dass ihm nichts daran gelegen ist, die Risse zu kitten. "Es ist so schön, dass mir die Fesseln abgenommen wurden, und ich jetzt so für Amerika kämpfen kann, wie ich es will."

Donald Trump: Missfällige Töne aus innerstem Zirkel

Ryan hatte Trump bereits im Dezember 2015 abgesprochen, ein "wahrer Konservativer" zu sein. Immer wieder zeigte er sich über die Äußerungen des Kandidaten auch öffentlich schockiert. Das "Wall Street Journal" schreibt: "Knapp einen Monat vor der Wahl ist die on-off-Beziehung der beiden nun definitiv auf off." Für Trump-Anhänger ist Ryan damit bloß noch ein "Politiker ohne Rückgrat".

Unterdessen kamen aber selbst aus Trumps innerstem Zirkel missfällige Töne. New Jerseys Gouverneur Chris Christie kritisierte Trump für seine frauenverachtenden Äußerungen aus dem geleakten Video. "Solches Gerede und solche Unterhaltungen sind selbst im Privaten einfach unzumutbar", sagte Christie. Er erklärte aber auch, er werde weiter hinter Trump stehen. Christie gehört neben New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani zu den engsten Vertrauten des Kandidaten.

In den Aufnahmen aus dem Jahr 2005, die die "Washington Post" am Freitag veröffentlicht hatte, brüstet sich der Unternehmer damit, dass er sich gegenüber Frauen alles erlauben könne.

Führende Vertreter der Republikaner hatten sich davon entsetzt gezeigt. Ryan soll mehreren Abgeordneten am Montag in einem Telefongespräch gesagt haben, er wolle Trump nicht mehr verteidigen und sich stattdessen auf die Kongresswahlen konzentrieren.

Der 46-jährige haderte schon in der Vergangenheit mit Trump. Immer wieder kritisierte er ihn scharf, sprach ihm im Juni aber dennoch die Unterstützung zu. Zumindest offiziell hat er diese noch nicht zurückgenommen.

Der einstige Hoffnungsträger der Tea-Party-Bewegung setzt mit der kritischen Haltung seine politische Karriere aufs Spiel. Ryan, der schon vor vier Jahren Vizepräsidentschaftskandidat in der Kampagne von Mitt Romney war und schon jetzt als Präsidentschaftskandidat für 2020 gilt, erntet für seine Abkehr heftige Kritik aus den eigenen Reihen - als "Feigling", der die Partei schwäche, wurde er bezeichnet. Manche munkeln, dass Ryan aufgrund der schwachen Umfragewerte Trumps das sinkende Schiff schnell verlassen will. Seine künftigen Ambitionen in der Partei könnten unter der Verknüpfung mit der Trump-Kandidatur leiden.

Hat Paul Ryan die Präsidentschaft verloren gegeben?

Ryans Bemerkungen wurden in amerikanischen Medien nun so interpretiert, als habe er die Präsidentschaftswahl schon verloren gegeben. Ihm scheint es nun vor allem darum zu gehen, die republikanische Mehrheit im Kongress zu halten. Mehrere republikanische Senatoren müssen wegen Trump um ihre Wiederwahl bangen, darunter Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain.

Die zweite Kammer des Kongresses wählt mit der Präsidentenwahl am 8. November 34 Sitze neu, die für sechs Jahre besetzt werden. Die Demokraten müssten den Republikanern nur vier der zur Wahl stehenden 34 Senatorensitze abnehmen, um die Mehrheit zu haben.

tim DPA

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