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Präsident Ortega wiedergewählt Umstrittene Wahl in Nicaragua: Dieses Paar "würde alles tun", um an der Macht zu bleiben

Daniel Ortega (l.), Präsident von Nicaragua, und seine Frau Rosario Murillo
Sie regieren mit eiserner Hand: Daniel Ortega (l.), Präsident von Nicaragua, und seine Frau Rosario Murillo
© Jorge Torres / DPA
Bei der Präsidentenwahl in Nicaragua ist der langjährige Staatschef Daniel Ortega wiedergewählt worden. Ein Sieg mit Ankündigung, denn zuvor hatten Ortega und seine Frau alle Gegner zum Schweigen gebracht.

Mit 75 Prozent der Stimmen hat Langzeit-Präsident Daniel Ortega die Wahl in Nicaragua laut vorläufigen Ergebnissen gewonnen. Die Wiederwahl des Staatschefs sowie seiner Ehefrau und Stellvertreterin Rosario Murillo stand jedoch bereits vor dem Urnengang am Sonntag de facto fest. Denn der 75-jährige Ex-Guerillakommandant und seine 70-jährige rechte Hand gehen seit Monaten hart gegen die Opposition vor. 

Alle ernsthaften möglichen Gegenkandidaten ließ das Paar an der Staatsspitze hinter Gitter bringen. Damit setzte sich eine Entwicklung fort: Schon seit seiner Wiederwahl im Jahr 2006 hatte Ortega zunehmend autoritär regiert.

Daniel Ortega: vom Helden zum gierigen Machthaber

Als Anführer der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN) war Ortega nach der Revolution 1979 in Nicaragua schon einmal elf Jahre lang an der Macht gewesen, zunächst als Teil einer fünfköpfigen Regierungsjunta, ab 1985 als gewählter Präsident. Vielen Nicaraguanern galt er damals als Held.

Bereits mit 15 Jahren war der Sohn eines Schusters der Patriotischen Jugend beigetreten, zwei Jahre später schloss sich Ortega der linksgerichteten Guerillabewegung FSLN an. Sein Jurastudium brach er für den politischen Kampf ab. Sieben Jahre saß er unter Diktator Anastasio Somoza im Gefängnis, er wurde gefoltert. Nach seiner Freilassung 1974 ging Ortega zunächst nach Kuba ins Exil und schloss sich dann wieder den Sandinisten an.

Nach Somozas Sturz versuchte Ortega, trotz eines Boykotts der USA die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Die US-Regierung unterstützte zudem gegen die sandinistische Revolution kämpfende Rebellen, die sogenannten Contras. Bis zu einem Waffenstillstand 1988 starben in dem Konflikt mehr als 50.000 Menschen. 

1990 verlor Ortega dann bei Wahlen sein Amt an das konservative Lager. 17 Jahre verbrachte er in der Opposition, bevor er 2006 erneut zum Präsidenten gewählt wurde. Mit finanzieller Unterstützung seines ideologischen Verbündeten Hugo Chávez aus Venezuela baute Ortega Sozialprogramme für die Armen aus, von denen viele ihn bis heute unterstützen.

Ortegas Regierungsstil wurde aber zunehmend autoritärer, systematisch ging er gegen politische Gegner vor. 2014 setzte seine Partei eine Verfassungsänderung durch, mit der die Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten aufgehoben wurde. 2018 ließ er Massenproteste im Land gewaltsam niederschlagen, 300 Menschen starben. Seine Frau soll bei dieser Entwicklung eine bedeutende Rolle gespielt haben.

Kein Weg führt an "Kameradin Rosario" vorbei

Murillo war seit 2007 Ortegas Sprecherin, bevor sie 2017 offiziell seine Stellvertreterin wurde. Sie begleitet den Staatschef bei allen öffentlichen Auftritten. Ihre Erklärungen versieht sie mit Poesie und Verweisen auf Gott und die Jungfrau, sie predigt Liebe und Versöhnung, um im nächsten Satz politische Gegner als "Teufel", "Terroristen" und "Abschaum" zu bezeichnen.

Auch hinter den Kulissen geht im politischen Alltag in Nicaragua kein Weg an "Kameradin Rosario" vorbei, wie es aus Beamtenkreisen heißt. "Sie entscheidet selbst über die Farben der Bänke in öffentlichen Parks", sagte ein Diplomat über die Großnichte des Nationalhelden César Sandino, Namensgeber der Sandinisten.

Murillo gilt als abergläubisch und esoterisch. Optisch pflegt sie einen exzentrischen Stil mit großen Halsketten und Blumenschmuck. Die Hauptstadt Managua ließ sie mit dutzenden sogenannten Lebensbäumen "verschönern": kitschige metallische Leuchtinstallationen, welche die Staatskasse ein Vermögen kosteten.

Ortega und Murillo sind seit den Tagen der Revolution gegen die Somoza-Diktatur ein Paar. Ende der 1970er Jahre lernten sie sich im Exil in Venezuela kennen. Nach 30 Jahren gaben sie sich 2005 das Ja-Wort.

Gemeinsam haben sie sieben Kinder. Zoilamérica Narvaez, eine Tochter Murillos aus einer früheren Ehe, warf ihrem Stiefvater 1998 vor, sie sexuell missbraucht zu haben. Murillo schlug sich auf die Seite ihres Mannes, ihre Tochter floh ins Ausland. Nicht nur Narvaez urteilt: Das Paar "würde alles tun", um an der Macht zu bleiben.

les / gap / dja AFP

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