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Presseschau zu Syrien Kommentatoren kritisieren Samtpfoten des Westens


Trotz des zunehmend gewaltsamen Vorgehens der syrischen Sicherheitskräfte auf Demonstranten hat sich die internationale Gemeinschaft bislang nicht auf eine gemeinsame Erklärung einigen können. stern.de wirft einen Blick in die internationale Presse.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich am Dienstagabend empört über die anhaltende Gewalt gegen friedliche Demonstranten in Syrien gezeigt. Bei dieser Geste blieb es: Die internationale Gemeinschaft konnte sich am Dienstagabend nicht einmal zu einer gemeinsamen Erklärung durchringen. Derweil lässt Syriens Machthaber Assad weiter Panzer rollen und auf sein Volk schießen. Eine gemeinsame militärische Aktion nach libyschem Vorbild liegt in weiter Ferne.

Die Machtlosigkeit der internationalen Gemeinschaft angesichts der Gewalt in Syrien ist auch am Mittwoch wieder Thema in den Kommentarspalten der internationalen Presse.

"La Stampa" aus Italien

Die liberale Turiner Tageszeitung "La Stampa" befürchtet einen langen blutigen Zwist auf Syrien zukommen.

"Der Eindruck herrscht vor, dass die Regierung in Damaskus nicht einzuknicken beabsichtigt, die Rebellen aber auch nicht. Es ist ein Inferno, jedoch mit einem Hoffnungsschimmer: Schon in den vergangenen Tagen machten Berichte die Runde, wonach Soldaten gemeutert hätten und hingerichtet worden seien. (...). Syrien ist andererseits aber nicht Ägypten, und das Militär, zu einem guten Teil alawitisch wie die Assad-Herrscherfamilie, ist ein fester Bestandteil des Regimes. Dabei noch nicht eingerechnet ist jene schweigende Unterstützung durch die religiösen Minderheiten, die sich vom Wandel terrorisiert fühlen. Der Kampf im gespaltenen Syrien scheint jedenfalls unvermeidbar."

"Salzburger Nachrichten" aus Österreich

Die "Salzburger Nachrichten" sehen noch immer eine kleine Chance für ein Syrien mit Präsident Assad an der Spitze:

"Um die demokratische Notbremse zu ziehen, müsste Assad die herrschenden Cliquen in die Schranken weisen, darunter die eigene Familie - seinen Bruder und General Maher etwa und seinen Schwager Assef Shawkat, ein Spitzenmann im Geheimdienst, beide berüchtigt für ihre Brutalität. Assad müsste einen Balanceakt zwischen Reform und Bewahren schaffen, einen Tanz auf des Messers Schneide. Dafür braucht es diplomatisches Geschick, staatsmännische Vernunft, Autorität, und nicht zuletzt braucht es ausreichend Verbündete."

"Berlingske Tidende" aus Kopenhagen

Die konservative dänische Tageszeitung "Berlingske Tidende" aus Kopenhagen geißelt die Tatenlosigkeit der internationalen Gemeinschaft und zieht Vergleiche zum Vorgehen in Libyen.

"Im Gegensatz zu Libyen bewegen sich die westlichen Länder gegenüber Syrien wie auf Samtpfoten. Niemand verlangt den Rücktritt des gefürchteten und diktatorischen Präsidenten Baschar al-Assad. Oder erklärt öffentlich, dass er ein illegitimer Staatschef ist. Oder dass die Gefahr eines Völkermords mit allen Mitteln bekämpft werden muss. Schweigen und fehlendes konkretes Handeln können zu einem Schandfleck für die westliche Welt werden. Denn das Risiko eines Völkermordes existiert in Syrien genauso wie in Libyen. Vorerst aber stehen die Europäer und die USA an der Seitenlinie mit ihren Sanktionsdrohungen."

Ganz ähnlich bewertet die Pariser Tageszeitung "Le Monde" die Lage:

"Das Regime von Präsident Baschar el Assad sieht sich seit eineinhalb Monaten mit der großen Bewegung der arabischen Revolte konfrontiert und reagiert darauf mit Gewalt. Und genießt internationale Straffreiheit, in deren Genuss vor ihm weder der Ägypter Husni Mubarak noch der Libyer Muammar el Gaddafi und auch nicht der Tunesier Ben Ali gekommen sind... Für Syrien wird eine sonderbare Ausnahme gemacht... (...) Die Zahl der Syrer, die in den vergangenen eineinhalb Monaten durch Schüsse des Regimes umgekommen sind, nähert sich den 400. Die Niederschlagung hatte in Ägypten und in Libyen nicht so viele Tote verursacht, bevor die 'internationale Gemeinschaft' in Bewegung gekommen ist."

"NRC Handelsblad" aus den Niederlanden

Die niederländische Abendzeitung "NRC Handelsblad" (Dienstangsausgabe) geht dagegen milder mit der internationalen Gemeinschaft um:

"Die Außenwelt steht aber mit leeren Händen da. Russland, das eine spezielle Beziehung zu Syrien hat, spielt den Ahnungslosen. Es ist ein kompliziertes Dilemma. Flexibel reagieren, ohne zu viel Hoffnung zu bieten, scheint die einzige Option. Das ist bitter für die unterdrückten Syrer, aber viel mehr können sie nicht erwarten."

DPA/AFP DPA

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