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Presseschau zum iranischen Atomprogramm Ahmadinedschads Bombe und die Folgen


Selten zuvor hat die IAEA so deutliche Worte gefunden: Der Iran soll an einer Atombombe gearbeitet haben. Präsident Ahmadinedschad bestreitet die Vorwürfe vehement, die internationale Gemeinschaft fordert Sanktionen. Ein Blick in die deutsche Tagespresse.

Nachdem bekannt wurde, dass der Iran wohl an einer Atombombe gearbeitet hat, blickt die internationale Gemeinschaft mit verstärkter Sorge Richtung Teheran. Dort bestreitet Präsident Ahmadinedschad die Vorwürfe vehement und spricht weiterhin von einem rein zivilen Kernspaltungsprogramm. Auch in den Kommentarspalten der deutschen Zeitungen wird das Thema heiß diskutiert.

"Stuttgarter Nachrichten"

Die "Stuttgarter Nachrichten" bezweifeln, dass der iranische Machthaber Ahmadinedschad Israel tatsächlich mit Massenvernichtungswaffen angreifen will:

"Auf iranischer Seite kommt selbst ein radikales Regime, wie Präsident Mahmud Ahmadinedschad es verkörpert, nicht an nationalen Interessen vorbei. Vom Zündeln mit dem Atomprogramm mag es sich Druckpotenziale versprechen und eine Aufwertung im Wettbewerb der nahöstlichen Mächte. Eine offene Bedrohung Israels mit Massenvernichtungswaffen hingegen, ein Angriff gar, brächte den Iran in größte Gefahr."

"Schwäbische Zeitung" aus Leutkirch im Allgäu

Die "Schwäbische Zeitung" aus dem Allgäu spricht der internationalen Gemeinschaft ein verheerendes Zeugnis aus. Seit Jahren erkläre der Westen, Kernwaffen in den Händen der Mullahs seien nicht hinnehmbar, ohne wirklich zu sagen, wie das verhindert werden soll.

"In Israel herrscht begreiflicherweise Konsens, sich nicht auf andere zu verlassen, sondern das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Dort werden auch Äußerungen von Politikern mit Schulterzucken quittiert, die fabulieren, die Sanktionen gegen Iran weiter verschärfen zu wollen. Denn diese Strafmaßnahmen wurden immer wieder von Drittstaaten unterlaufen und haben ihre Unwirksamkeit bewiesen. Es droht im Nahen Osten ein Militärschlag mit unabsehbaren Folgen. Hilflose internationale Politik."

"tageszeitung" aus Berlin

Die "tageszeitung" aus Berlin kritisiert, dass die bisherigen Maßnahmen der internationalen Gemeinschaft dem Iran eher geholfen als geschadet hätten:

"Das Festhalten an dem in jeder zivilen, militärischen, wirtschaftlichen und ökologischen Hinsicht unsinnigen Atomprogramm diente Ahmadinedschad zur Profilierung gegen äußere Feinde. Und die innenpolitischen Kritiker dieses Programms wurden mundtot gemacht. Doch eine isolierte Lösung des Konflikts um das iranische Atomprogramm (...) wird es nicht geben. Auch nicht mithilfe von verschärften Sanktionen oder gar Militärschlägen. Beides wird nur gelingen im Kontext einer regionalen Vereinbarung über eine massenvernichtungswaffenfreie Zone im Nahen und Mittleren Osten. Die bisherigen Maßnahmen gegen Teheran haben nur den Hardlinern geholfen."

"Augsburger Allgemeine"

Die "Augsburger Allgemeine" sieht alle Karten zur Entspannung der Situation in den Händen Ahmadinedschads:

"Die islamische Republik müsste nur den internationalen Kontrolleuren ungehinderten Zugang zu allen Atomanlagen gewähren. Das hat mit Schmach und Knebelung nichts zu tun, das ist üblich auf (fast) der ganzen Welt. Warum Präsident Ahmadinedschad dies nicht zulässt, liegt auf der Hand: Er hat etwas zu verbergen. Der Westen kann nur hoffen, dass es nicht zu spät ist, um den Iran ohne Waffen noch rechtzeitig zum Einlenken zu bringen. Aber Israel wird nicht leicht zu überzeugen sein, dass dies der richtige Weg ist."

"Handelsblatt" aus Düsseldorf

Das "Handelsblatt" erinnert an die militärische Schlagfähigkeit Israels. Ein Atomangriff auf den jüdischen Staat würde gleichzeitig auch die Vernichtung des Iran bedeuten:

"Israel verfügt über Atomwaffen und testet gerade Trägerraketen vom Typ Jericho-3, die mit 7000 Kilometer Reichweite Iran leicht treffen könnten. Israel hat ohnehin die am besten ausgerüstete und ausgebildete Armee der gesamten Region und kann sich auf die Waffenbruderschaft mit Amerika verlassen. Viel mehr im Fokus eines atomar gerüsteten Irans stünden die arabischen Nachbarstaaten: Die Perser, Vormacht der Schiiten, würden ihre Bedeutung in der ansonsten von Sunniten beherrschten arabischen Welt ausbauen - und so zu einem noch mächtigeren Rivalen der sunnitischen Vormacht Saudi-Arabien."

jwi/DPA/AFP DPA

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