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Pressestimmen

Donald Trump: Pressereaktionen zum Tillerson-Rauswurf: "Der richtige Schritt aus den falschen Gründen"

Krachendes Ende einer schwierigen Liaison: Donald Trump schmiss seinen Außenminister Tillerson quasi via Twitter raus. Nun umgeben den Präsidenten nur noch Ja-Sager, fürchten die Kommentatoren. Die Presseschau.

Nachdem er Rex Tillerson entlassen hatte, besuchte Donald Trump die Marine Corps Air Station Miramar in San Diego

Nachdem er Rex Tillerson entlassen hatte, besuchte Donald Trump die Marine Corps Air Station Miramar in San Diego

AFP

"Ich kehre jetzt ins Privatleben zurück." gab sich am Ende eines aufregenden Tages, an dem er nur über einen Tweet des Präsidenten erfahren haben soll, dass er sein Amt als Außenminister los ist, gelassen. Donald Trump habe ihn "um Mittag herum" aus der Air Force One angerufen und ihn informiert - da war der Tweet schon lange raus.

Tillerson sprach dann noch davon, dass er in seinem Haus einen fairen Umgang miteinander gepflegt habe. Dass das auf seinen Präsidenten nicht zutrifft, konnte jeder zwischen den Zeilen lesen. Die meisten Kommentatoren fürchten, dass Trump nun noch ungezügelter nach seiner Fasson vorgehen werde; umgeben nur noch von Ja-Sagern. Die Pressestimmen zur Demission von Rex Tillerson.

"Financial Times", London: "Wenn es um den Atomdeal mit dem Iran geht, ist er ein Falke. Aber anders als Trump ist er nie davor zurückgeschreckt, Russland zu kritisieren, insbesondere wegen Moskaus Annexion der Krim und wegen der Invasion im Osten der Ukraine. Die Herausforderung für Pompeo besteht darin, das zu tun, was Rex Tillerson offensichtlich nicht geschafft hat: Er muss Donald Trumps abweisendes Verhalten gegenüber Amerikas Verbündenten mäßigen, das am Ende nur zu einer Schwächung der Macht Amerikas führt. Er sollte auch dafür sorgen, dass Trumps Politik sich zu einem zusammenhängenden Ganzen fügt. Zu oft unterminieren Bemühungen des Präsidenten, Amerika voranzustellen, auf einem Gebiet - zu Beispiel bei der Einführung von Strafzöllen - Interessen der USA auf einem anderen, etwa bei der Schaffung einer Koalition gegen Nordkorea. Pompeo könnte aus dem simplen Grund scheitern, dass dieser Job einfach nicht machbar ist. Trump ist offenkundig nicht fähig zur Teamarbeit. Doch die Welt braucht eine stabile amerikanische Führung." 

"Washington Post": "Ohne Tillerson ist es nun wirklich Trumps Welt. (...) Egal wie und was, Trump bildet die US-Außenpolitik nach seinen Vorstellungen. Aber Tillerson war von Anfang an eine schlechte Wahl als Außenminister. Er scherte sich nicht um essentielle Dinge der Diplomatie, wie die öffentliche Kommunikation. All das erklärt allerdings nicht, warum er so überraschend gefeuert wurde."

"USA Today": "Der Rexit ist der richtige Schritt aus den falschen Gründen. Tillerson war eine unorthodoxe Wahl. Er hat es nie geschafft, wichtige Posten in der Administration zu besetzen. Die Veränderungen bieten eine Chance zum Neustart. Aber sie bergen auch die Gefahr, dass Trump die Außenpolitik noch weiter entgleitet."

"Fox News": "Warum Tillerson gefeuert wurde? Denken Sie an Nordkorea! Trump und Tillerson kamen einfach nicht mehr miteinander aus. Tillerson rauszuwerfen ergibt also Sinn. Die USA steuern auf einen diplomatischen Sturm zu. Trump braucht ein Team, was ihn dadurch führt. Die Frage ist vor allem: Was machen wir mit Nordkorea."

"Neue Zürcher Zeitung": "Er ist zwar im Unterschied zu Tillerson ein mit allen Wassern gewaschener Politiker, ist als Geheimdienstexperte sattelfest in vielen Dossiers, profitiert von seiner Vernetzung im Kongress und besitzt den Rückhalt konservativer Meinungsführer. Aber auch Pompeo wird die Erfahrung machen müssen, dass er als Außenminister nur ein Lakai des Mannes im Oval Office ist. Auch wenn er Trump politisch näher steht als sein Vorgänger, wird er sich darauf einstellen müssen, regelmäßig durch Tweets des Präsidenten desavouiert zu werden. Tillerson hat dieses demütigende Spiel bemerkenswert lange und fast immer mit stoischem Gleichmut mitgespielt. Seine Ablösung dürfte wenig daran ändern, dass sich die führenden Figuren in Amerikas Außenpolitik regelmäßig gegenseitig im Wege stehen."

"Neue Osnabrücker Zeitung": Heuern und Feuern: Dass es im Weißen Haus ruppig zugeht, daran hatte man sich unter US-Präsident gewöhnt. Doch der Rauswurf von Rex Tillerson als Außenminister ist weit mehr als eine Personalentscheidung. Mit dem bisherigen CIA-Leiter Mike Pompeo wird ein konservativer Hardliner zum Chef des U.S. State Department befördert. Er wird nicht einmal versuchen, den eigenwilligen Trump zu besänftigen. Vielmehr fällt mit Tillersons Rauswurf das letzte Korrektiv, um die Welt vor Trumps allzu impulsiven Entscheidungen zu schützen. Das muss nicht zwangsläufig schlecht. Siehe Russland, wo Trump keine Konfrontation sucht. Oder Nordkorea. Da wähnten Experten die Welt bereits am Vorabend eines Dritten Weltkriegs. Nun steht ein historisches Treffen mit Machthaber Kim Jong Un an.

"Frankfurter Rundschau": Die Umstände des Tillerson-Rauswurfs sagen viel aus über das Chaos in der Washingtoner Machtzentrale. Doch sie müssen die Verbündeten aus einem anderen Grund alarmieren: Zwar hatte Tillerson zuletzt durch eigene Schwächen bei weitem nicht jenen Einfluss auf den unsteten Präsidenten, den man sich in Berlin und anderswo erhoffte. Aber mit Sicherheitsberater McMaster, Verteidigungsminister Mattis und Stabschef Kelly bildete er ein Bündnis der rational denkenden 'Erwachsenen', das den Heißsporn Trump im Zaum hielt. Nun ist Tillerson weg, McMaster angeblich auf dem Absprung, und auch Kelly muss nach einigen glücklosen Aktionen seine Ablösung fürchten. Der neue Außenminister wiederum hat nicht nur als rechter Hardliner von sich reden gemacht, sondern Trumps Sympathien vor allem durch freundliche Ergebenheitsadressen gewonnen.

"Frankfurter Allgemeine Zeitung": Tillersons Rauswurf folgt nur wenige Tage auf den Rücktritt des Wirtschaftsberaters Cohn. Es ist ein weiteres Indiz, wie weit sich die Regierung Trump, so wie es der Kandidat Trump versprochen hatte, vom Internationalismus früherer Regierungen ab- und einem engstirnigen (Wirtschafts-)Nationalismus zugewandt hat. Als seine Nominierung bekannt wurde, schlug Tillerson einige Skepsis entgegen.
Ein Protektionist und Isolationist ist der frühere Chef von Exxon Mobil aber gewiss nicht gewesen. Auf ihn glaubten die Europäer zählen zu können, zum Beispiel im Streit über das Iran-Abkommen, von dem Trump bekanntlich nichts hält, an dem der soeben Entlassene aber festhalten wollte. Die Zukunft der amerikanischen Außenpolitik liegt mehr und mehr im Ungewissen.

"Die Rheinpfalz" (Ludwigshafen): Für Tillerson ist es das Ende einer Serie von Demütigungen, die er mit einer Geduld ertrug, die an Selbstverleugnung grenzte. (.) Zugleich aber verordnete er dem State Department einen derart rigiden Sparkurs, dass man zweifeln musste an dem Stellenwert, den der Chefdiplomat der Diplomatie einräumte. Letztlich hat er sich dadurch nur seiner Hausmacht beraubt. Der Texaner Tillerson, er dürfte als tragische Figur in die amerikanische Politikgeschichte eingehen.

"Stuttgarter Zeitung": Nun ist Tillerson weg, McMaster angeblich auf dem Absprung, Kelly muss seine Ablösung fürchten. Trump fühlt sich als Feldherr eines Handelskrieges und Mega-Dealmaker mit auf dem Höhepunkt seiner Macht. Zunehmend umgeben von Ja-Sagern folgt er entfesselt alleine seinem Instinkt. Weit und breit ist niemand zu sehen, der sich ihm in den Weg stellt.

"Reutlinger General-Anzeiger": Das Personalkarussell in Washington dreht sich munter weiter. Wer ist der Nächste? Da erfährt der amerikanische Außenminister über einen Tweet des US-Präsidenten von seiner Entlassung. Rex Tillersons auserkorenem Nachfolger bescheinigt Donald Trump per Twitter gleichzeitig, dass er einen fantastischen Job machen wird. "Fantastic" twittert Trump, alles ist "fantastic". Sein Sprachniveau, haben US-Wissenschaftler herausgefunden, entspräche dem eines Fünftklässlers. Trump will über die bevorstehende Entlassung ausführlich mit Tillerson gesprochen haben. Doch davon weiß dieser nichts. Wer lügt?


ivi/dho / DPA