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Trump feuert Tillerson: Mehr Geringschätzung ging kaum noch - Protokoll eines Zerwürfnisses

Im Nachhinein stellt sich die Frage, wie die beiden je zusammengefunden haben. Die gemeinsame Zeit von Donald Trump mit seinem nun gefeuerten Außenminister Rex Tillerson liest sich wie eine Abfolge gegenseitiger Geringschätzung.

Donald Trump kündigt Rex Tillerson

Das letzte Mal, als Donald Trump seinen Außenminister düpierte, ist nicht einmal eine halbe Woche her. machte auf seiner Afrikareise gerade Station in Äthiopien, und sagte, von direkten Gesprächen zwischen den USA und Nordkorea sei man noch sehr weit entfernt. Da kündigte Trump wenige Stunden später an, sich mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un treffen zu wollen. Kurz darauf brach Tillerson seinen Überseetrip ab und kehrte nach Washington zurück. Er werde für die Vorbereitungen von Verhandlungen benötigt, hieß es.

Mit Rex Tillerson geht das nächste Großkaliber

Nun ist klar: Für die Vorbereitungen der Verhandlungen wird Tillerson doch nicht benötigt, denn er wird vorerst für gar nichts mehr benötigt. Jedenfalls nicht von der US-Regierung. Donald Trump hat ihn am Dienstag rausgeworfen und durch den bisherigen CIA-Chef Mike Pompeo ersetzt. Dem wiederum folgt seine Stellvertreterin Gina Haspel, die damit als erste Frau an der Spitze des US-Auslandsgeheimdienstes stehen wird. Aber das ist erst einmal nur eine Randnotiz, denn mit Rex Tillerson verlässt das nächste Großkaliber Trumps Umfeld. Nicht einmal anderthalb Jahre im Amt hat der US-Präsident bereits mehr als ein Dutzend enger Mitarbeiter verloren oder ausgetauscht.


Erst vor zwei Wochen warf Hope Hicks, Komminkationschefin und "Trump-Versteherin" hin, wenige Tage später folgte der oberste Wirtschaftsberater Gary Cohn. Letzterer soll im Streit um die Einfuhrzölle für Stahl und Aluminium gegangen sein, und auch von Tillerson hieß es, er sei gegen deren Einführung gewesen. Auf Bedenkenträgerei aber reagiert der US-Präsident allergisch. Auf Twitter schrieb Trump nach Cohns Abgang, er gäbe noch weiteres Personal auszutauschen, schließlich sei er immer auf der Suche nach Perfektion.


Dass zu der Riege noch auszutauschender Personen zählt, ist nicht überraschend. Eher die Tatsache, dass er es überhaupt so lange im Amt ausgehalten hat. Schon nach einem halben Amtsjahr gestand er, "müde" zu sein. Sein früheres Leben als Öl-Manager sei "leichter" gewesen, da konnte er wenigsten selbst "die letzte Entscheidung" treffen. In Washington wirkte es oft so, als könne er nicht einmal irgendeine Entscheidung treffen.

Tillerson nannte Donald Trump "Schwachkopf"

Es ist nicht überliefert, wann genau Rex Tillerson, 65, früherer Chef von ExxonMobil bei in Ungnade gefallen ist. Es dürfte aber schon eine Weile her sein. Vermutlich war es ohnehin so, dass die Abneigung eher gegenseitig war. Aus dem Sommer vergangenen Jahres ist die Anekdote überliefert, der Außenminister habe den Präsidenten als "Schwachkopf" bezeichnet - was von keiner Seite abgestritten wurde. Im Gegenzug hatte Trump seinen obersten Diplomaten ein Intelligenz-Duell angeboten, natürlich nur im Scherz.

Immer wieder waren die beiden anschließend aneinandergeraten, bis US-Medien im November plötzlich von einem "Plan" berichteten, Trump wolle Tillerson durch Pompeo ersetzen. Die folgenden Dementis fielen so halbherzig aus, dass der Außenminister diese Meldungen durchaus als Rücktrittsaufforderung verstehen konnte. Anlass für Trumps Unmut war unter anderem der Umgang mit Nordkorea.

Mehr öffentliche Brüskierung geht kaum

Zuvor war der verbale Schlagabtausch zwischen Washington und Pjöngjang eskaliert. Trump drohte mit der "völligen Vernichtung" , Kim nannte den US-Präsidenten "geistig umnachteten senilen Amerikaner". Dazwischen stand ein ratloser US-Außenminister, der zaghaft von Diplomatie sprach und sich via Twitter belehren lassen musste: "Ich habe Rex Tillerson gesagt, unserem wundervollen Außenminister, dass er seine Zeit verschwendet, mit dem Little Rocket Man zu verhandeln." Mehr öffentliche Brüskierung geht kaum.


Doch damit nicht genug. Um Tillersons Erniedrigung auf die Spitze zu treiben, nahm Trump später eine Verhandlungseinladung aus Nordkorea an, kommunizierte sie ohne das Wissen seines Außenministers und brüstete sich am Ende sogar noch damit, Tillerson bei dieser Entscheidung übergangen zu haben.

"Rex wird jetzt viel glücklicher sein"

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Alphatieren waren so groß und tiefgreifend, dass sich die Frage stellt, warum beide überhaupt jemals zusammengekommen sind. Über Kreuz lagen sie sich etwa auch beim Thema Iran-Atom-Abkommen. Während der US-Präsident den mühsam ausgehandelten Vertrag am liebsten sofort kündigen würde, mahnte sein Chefdiplomat immer zur Geduld. Ähnlich unterschiedlich beurteilten sie das Thema Pariser Klima-Abkommen, aus dem Trump ausgestiegen war. "Unsere Denkweise ist nicht wirklich die gleiche", sagte Trump über Tillersons Rauswurf und schob fast schon gehässig hinterher: "Rex wird jetzt viel glücklicher sein."

Der neue Außenminister Mike Pompeo, so Trump, soll zum Gipfeltreffen mit den Nordkoreanern schnell ein "neues Team" installieren. Auf große Expertise in seinem Ministerium kann er dabei nicht setzen, denn Tillerson hat die Mitarbeiterzahl drastisch reduziert. Angeblich gibt es sogar kaum noch Personal mit Koreanisch-Kenntnissen. Aber Pompeo gilt Trump als treu ergeben, was wiederum dem Rest der Welt sauer aufstoßen könnte. Denn während Tillerson etwa von den Europäern als seriöser Gesprächspartner geschätzt wurde, zieht mit Pompeo ein Hardliner ins State Department ein.