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Provokationen: China verliert die Geduld mit Nordkorea

Nordkorea läuft Gefahr auch seinen wichtigsten Verbündeten zu verärgern. Chinas Präsident Xi Jinping schickte deutliche Worte in Richtung Pjöngjang. Verwirrung herrscht um einen möglichen Atomtest.

China hat die nordkoreanische Führung in ungewöhnlich scharfer Form vor einer weiteren Eskalation der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel gewarnt. Keinem Land dürfe erlaubt werden, eine Region oder gar die ganze Welt aus selbstsüchtigen Motiven ins Chaos zu stürzen, sagte Chinas Präsident Xi Jinping bei einer Versammlung auf der südchinesischen Insel Hainan, ohne Nordkorea direkt beim Namen zu nennen. Diplomaten, wie der frühere US-Botschafter in China, Jon Huntsman, nannten die Aussagen Xis beispiellos. China verliere offenbar die Geduld mit seinem Verbündeten, sagte der Diplomat.

Verwirrung gibt es unterdessen um einen möglichen Atomtest Nordkoreas. Nach Einschätzung des südkoreanischen Verteidigungsministeriums steht der Norden vermutlich doch nicht kurz vor einem vierten Atomtest. "Wir haben keine ungewöhnlichen Schritte registriert, die auf einen Atomtest hindeuten", erklärte ein Sprecher des Ministeriums. Kurz zuvor hatte der südkoreanische Minister für Wiedervereinigung, Ryoo Kihi Jae, erklärt, es gebe Anzeichen für die Vorbereitung eines neuen Tests. Er reagierte damit auf einen Zeitungsbericht, in dem es hieß, nahe des Atomtestgeländes in Punggye Ri seien Bewegungen von Personal und Fahrzeugen festgestellt worden, wie sie auch im Vorfeld des dritten Atomtests im Februar festgestellt worden seien.

USA sagen Raketentest ab

Nach immer neuen Kriegsdrohungen aus Nordkorea und um mögliche Missverständnisse zu vermeiden, hatte die US-Regierung am Wochenende einen für diesen Dienstag geplanten Test einer Interkontinentalrakete verschoben. Der lange geplante Start der Rakete vom Typ Minuteman III habe nichts mit Korea zu tun, aber die USA hätten sich wegen der jüngsten Spannungen auf der koreanischen Halbinsel für die Verschiebung entschieden, sagte ein hoher Beamter des US-Verteidigungsministeriums nach Angaben des US-Senders CNN.

Südkorea drohte dem kommunistischen Regime in Pjöngjang im Falle eines Angriffs mit harten Gegenmaßnahmen. "Wenn ein lokaler Krieg ausbricht, muss Nordkorea mit schwerer Vergeltung rechnen", sagte der Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Kim Jang Soo, am Sonntag.

China besorgt

China zeigte sich "ernsthaft besorgt" über die jüngste Eskalation der Korea-Krise und forderte alle Beteiligten zum Dialog auf. Das Außenministerium in Peking erklärte, man sei gegen "provozierende Worte und Taten von irgendeiner Partei".

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel hatte sich seit dem letzten Atomtest im Februar zugespitzt. Pjöngjang hatte angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanischer Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 aufgekündigt und den "Kriegszustand" im Verhältnis zu Südkorea ausgerufen. Seit den 1950er Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg.

kng/tkr/DPA/Reuters / DPA / Reuters