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Reaktion auf syrische Luftattacke Türkei schaltet Nato nach Kampfjet-Abschuss ein


Der Angriff auf eine F-4 "Phantom" der türkischen Luftwaffe gewinnt an Brisanz. Ankara lässt den Vorfall von seinen Bündnispartnern prüfen. Das Wrack wurde inzwischen geortet.

Die Türkei schaltet nach dem Abschuss eines Militärjets durch Syrien die Nato ein. Seine Regierung werde die Nato-Partner wegen des Vorfalls konsultieren, sagte Außenminister Ahmed Davutoglu am Sonntag. Eine Nato-Sprecherin bestätigte das Ersuchen. Die Türkei habe sich auf Artikel 4 des Nato-Vertrags berufen. Dieser sieht vor, dass die Verbündeten beraten, wenn einer von ihnen der Auffassung ist, dass "seine politische Integrität, politische Unabhängigkeit oder Sicherheit" bedroht ist.

Unterdessen haben türkische Einsatzkräfte das Wrack offenbar geortet. Es befinde sich in einer Tiefe von rund 1300 Metern auf dem Meeresboden, berichtete der türkische Fernsehsender CNN-Türk am Sonntag, ohne genauere Angaben zum Fundort zu machen. Auch auf der türkischen Internetseite "zaman" hieß es, dass Wrack sei inzwischen lokalisiert worden. Das Verteidigungsministerium in Ankara bestätigte die Berichte zunächst nicht.

Schon am Montag befassen sich die EU-Außenminister mit dem Zwischenfall, wie ein Vertreter der spanischen Regierung erklärte. Davutoglu warf Syrien vor, das türkische Flugzeug in internationalem Luftraum abgeschossen zu haben. Zudem habe es keine Warnung gegeben. Die F-4 "Phantom" habe sich auf einem Ausbildungsflug befunden und keinen Geheimauftrag im Zusammenhang mit den bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Syrien gehabt. Die Maschine sei zudem unbewaffnet gewesen.

Großbritannien verurteilte das syrische Vorgehen scharf. Dieser ungeheuerliche Vorfall beunruhige ihn sehr, erklärte Außenminister William Hague am Sonntag. Seine Regierung stehe für eine robuste Reaktion im UN-Sicherheitsrat bereit.

Türkei wirft Syrien Desinformation vor

Die syrische Flugabwehr hatte die "Phantom" am Freitag abgeschossen. Nach Darstellung der Regierung in Damaskus befand sich die schnell und niedrig fliegende Maschine im syrischen Hoheitsgebiet nur einen Kilometer vor der Mittelmeerküste. Dass es sich um ein Flugzeug aus dem Nachbarland handele, sei erst später erkannt worden. Die staatliche Nachrichtenagentur meldete am Sonntag, syrische Grenztruppen hätten aus der Türkei eingedrungene "Terroristen" gestellt und mehrere von ihnen getötet. Das Verhältnis zwischen beiden Nachbarländern ist gespannt, seit Syriens Präsident Baschar al-Assad mit militärischer Gewalt gegen einen Volksaufstand vorgeht. Die Türkei hat mehrere Zehntausend Flüchtlinge aufgenommen und bietet auch der hauptsächlich aus Deserteuren gebildeten Freien Syrischen Armee Schutz. Sie fordert zudem den Rücktritt Assads.

Davutoglu warf Syrien Desinformation der türkischen Öffentlichkeit vor. Die Herkunft der "Phantom" sei nicht verschleiert worden, sagte der Minister dem staatlichen Fernsehsender TRT. Er räumte ein, dass die F-4 - wie es gelegentlich geschehe - eine Viertelstunde vor dem Abschuss in den syrischen Luftraum eingedrungen sei, sie deshalb aber nicht vom Nachbarland gewarnt worden sei. Die Maschine habe ein türkisches Radarsystem testen sollen und sei allein unterwegs gewesen. Dagegen hatten Augenzeugen im Staatsfernsehen gesagt, es seien zwei Jets mit hohem Tempo in Richtung Syrien geflogen, von denen nur einer zurückgekehrt sei.

Ministerpräsident Tayyip Erdogan, der zweimal mit Ministern, Militärs und Geheimdiensten beraten hatte, will am Sonntag auch die wichtigsten Oppositionsparteien informieren.

kng/DPA/Reuters/AFP DPA Reuters

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