Robin Hood auf Jamaika Berüchtigter Drogenboss "Dudus" Coke festgenommen

Für seine Anhänger unter den Armen in Jamaika ist Christopher "Dudus" Coke eine Art moderner Robin Hood. Für seine Gegner, allen voran die US-Justizbehörden, zählte er zu den "weltweit gefährlichsten" Bossen im Drogen- und Waffenhandel. Am Dienstagnachmittag ist der 42-Jährige auf der Karibikinsel festgenommen worden.

Für seine Anhänger unter den Armen in Jamaika ist Christopher "Dudus" Coke eine Art moderner Robin Hood. Für seine Gegner, allen voran die US-Justizbehörden, zählte er zu den "weltweit gefährlichsten" Bossen im Drogen- und Waffenhandel. Am Dienstagnachmittag ist der 42-Jährige auf der Karibikinsel festgenommen worden. Damit geht eine wochenlange Jagd zu Ende, die den Inselstaat an den Abgrund eines Bürgerkriegs geführt hatte.

Polizeisprecher Owen Ellington rief die schwer bewaffneten Anhänger des Drogenbosses nach der Festnahme auf, Ruhe zu bewahren und das Gesetz walten zu lassen. Ob die Unterstützer Cokes seinem Appell Folge leisten werden, ist jedoch fraglich. "Sie sehen in ihm einen Robin Hood oder sogar einen Jesus, jemanden, der für sie eintritt und sogar für sie sterben würde, auch wenn er ein böser Messias ist", erklärt Gemeindepfarrer Earlmont Williams die Anziehungskraft Cokes.

Dass die Anhänger des Drogenbarons in den jamaikanischen Slums auch für ihn sterben würden, haben sie bereits in den vergangenen vier Wochen bewiesen: Nachdem Ministerpräsident Bruce Golding sich dem Druck der USA gebeugt und Coke zum gesuchten Verbrecher erklärt hatte, lieferten sie sich mitten in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston erbitterte Kämpfe mit den Sicherheitskräften des Karibikstaates. Dabei starben nach offiziellen Angaben 73 Menschen.

Coke soll seit 1990 einen international agierenden Drogenring namens The Shower Posse anführen, dessen Namen keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit zulässt: Der "Duschtrupp" lässt buchstäblich Kugeln auf seine Gegner herab regnen. Während Drogenbanden aus Kolumbien, Mexiko und Panama sich auf die Westküste der USA konzentrieren, liefert Cokes Bande laut US-Ermittlern Marihuana und Crack vor allem in den Großraum New York. Im August vergangenen Jahres wurde Coke in den USA formal angeklagt.

In seiner Hochburg Tivoli Gardens in Kingston hat Coke eine Art Parallelstaat aufgebaut, der kurz vor seiner Festnahme von hunderten Polizisten und Soldaten erstürmt wurde. Mit Jobs für Arme hat er sich viele Freunde gemacht und Abhängige geschaffen, sein Staat im Staat gründet auf einem verzweigten sozialen Netzwerk. Schon vor Beginn seiner kriminellen Karriere machte Coke viel Geld mit Geschäften im Bauwesen, bei denen er aus den öffentlichen Finanztöpfen schöpfte.

Cokes gute Kontakte reichten bis ganz nach oben. Monatelang widersetzte sich auch Regierungschef Golding den Auslieferungsforderungen aus den USA. Washington erhöhte den Druck, indem es Jamaika mangelhafte Zusammenarbeit im Anti-Drogen-Kampf vorwarf. Doch der nur selten öffentlich auftretende Coke hat auch weiterhin Bewunderer im Establishment: Senator Tom Tavares Finson, der noch vor Kurzem Coke als Anwalt vertrat, beschrieb ihn unlängst in der Zeitung "Jamaica Observer" als rechtschaffenen Geschäftsmann, der die "Transformation einer von Kriminalität und Gewalt durchsetzten Gesellschaft in einen Ort gemanagt hat, wo Menschen Geld verdienen können".

Statt seinen Reichtum zur Schau zu stellen, hielt sich der mächtige Drogenbaron im Untergrund. Bis zu seiner Verhaftung sagten selbst die Besitzer von Restaurants und Hotels in seinem eigenen Stadtstaat, sie würden "Dudus" Coke nicht erkennen, wenn er zur Tür hereinkäme.

Im Falle einer Auslieferung und Verurteilung in den USA drohen Coke eine lebenslange Haftstrafe und eine Dollar-Strafe in Millionenhöhe. Womöglich wird Coke dann auch zur Ikone wie sein Vater Jim Brown, der 1992 bei einem mysteriösen Gefängnisfeuer starb. An den Paten erinnern in Tivoli Garden großformatige Porträts mit einer Inschrift, die bald auch für seinen Sohn reklamiert werden könnte: "Ein Mann gegen den Rest der Welt."

AFP AFP

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