Drogenbaron über seine Auslieferung Coke: Das Beste für meine Familie und Jamaika


73 Zivillistenleben hat allein die Jagd auf Christopher "Dudus" Coke gefordert. Am Donnerstagabend ist der Drogenboss an die USA ausgeliefert worden, nachdem die jamaikanische Regierung monatelang mit der Ausstellung eines Haftbefehls gezögert hatte. Nun droht ihm eine lebenslange Haftstraße.

Der berüchtigte jamaikanische Drogenboss Christopher "Dudus" Coke muss sich demnächst vor einem US-Gericht verantworten. Zwei Tage nach seiner Festnahme wurde der 41-Jährige am Donnerstagabend (Ortszeit) an die USA ausgeliefert. Die USA hatten bereits im vergangenen August formell Anklage gegen Coke erhoben, dem sie Verschwörung zum Drogen- und Waffenhandel vorwerfen.

Coke soll bereits am Freitag einem Richter vor einem Bundesgericht in Manhattan vorgeführt werden, wie das US-Justizministerium mitteilte. Das Ministerium sieht in Coke einen der "weltweit gefährlichsten" Drogenbarone. Er soll seit 1990 einen international agierenden Drogenring namens The Shower Posse anführen, der laut US-Ermittlern Marihuana und Crack vor allem in den Großraum New York liefert.

Dem Drogenboss droht eine lebenslange Haftstrafe. Er war bereits vor fast einem Jahr in den USA angeklagt worden. Die jamaikanische Regierung zögerte jedoch monatelang mit der Ausstellung eines Haftbefehls. Die Ende Mai eingeleitete Fahndung stürzte die Hauptstadt Kingston dann vorübergehend ins Chaos. Bei Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Anhängern Cokes kamen 73 Zivilisten ums Leben.

Kurz vor seiner Auslieferung hatte der 41-Jährige nach Berichten jamaikanischer Zeitungen auf sein Recht auf ein Verfahren in Jamaika verzichtet. Er habe in Anwesenheit seiner Anwälte in einem Gericht in Kingston die Verzichtserklärung unterschrieben und betont, er wisse, dass ihn in New York ein Prozess erwarte. In einer später von seinen Anwälten veröffentlichten Erklärung teilte Coke mit, dass seine Auslieferung an die USA das Beste für seine Familie, die Bewohner des Kingstoner Stadtteils Tivoli Gardens und Jamaika sei. "Betet für mich. Gott schütze Jamaika", ließ der Bandenchef erklären.

Am Dienstag hatten Polizisten den Gesuchten trotz abrasierten Barts und Perücke auf der Karibikinsel erkannt und festgenommen. Coke unterzeichnete vor seiner Auslieferung eine Erklärung, in der sein Recht auf einen Prozess zu seiner Überstellung abtrat, wie das jamaikanische Ministerium für Öffentliche Sicherheit mitteilte.

DPA/AFP DPA

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