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Romneys Vize Paul Ryan Tougher Typ im Angriffsmodus


Paul Ryan zeigt sich auf dem Parteitag der Republikaner als echter "running mate" von Mitt Romney - und greift Präsident Obama scharf an. Das Weiße Haus reagiert mit empörten Twitter-Nachrichten.
Von Sabine Muscat, Tampa

Mit einer scharfen Kampfansage an #link;www.stern.de/politik/ausland/barack-obama-90259502t.html;Barack Obama# hat der Mann, der an Mitt Romneys Seite in den amerikanischen Präsidentenwahlkampf zieht, den Republikanern eingeheizt. "Amerika braucht eine Umkehr und der Mann für den Job ist Gouverneur Romney", sagte Paul Ryan in seiner Rede auf dem Parteitag in Tampa, mit der er am Mittwochabend die Nominierung zum Vizepräsidentschaftskandidaten akzeptierte.

Obamas Präsidentschaft sei gescheitert wie "ein Schiff, das versucht, mit dem Wind von gestern zu segeln". Es sei nun an den Republikanern, sich der Verantwortung für das Land zu stellen und zu beweisen, dass ihre Rezepte überlegen seien. "Wir wollen diese Debatte und wir werden diese Debatte gewinnen!"

Der 42 Jahre alte Kongressabgeordnete aus der Kleinstadt Janesville in Wisconsin legte sein sonst oft bubenhaftes Auftreten für die Parteitagsrede ab, in der er ein vernichtendes Urteil über die Obama-Regierung fällte. Vom Konjunkturprogramm über die Gesundheitsreform habe der Demokrat dem Land nur geschadet, bilanzierte Ryan die letzten vier Jahre.

Zugleich warf er dem Präsidenten vor, einen gnadenlos negativen Wahlkampf zu führen, weil er selbst nichts vorzuweisen habe. "Mit diesen Attacken-Anzeigen wirft der Präsident nur das Geld hinaus, und damit hat er viel Erfahrung", unterstrich der Budgetexperte Ryan seinen wichtigsten Kritikpunkt am Präsidenten: Obama habe Steuergeld nutzlos verschwendet und Defizit und Schulden nach oben getrieben. Es bleibe nicht viel Zeit, um zu verhindern, dass die USA in eine Haushaltskrise rutschen würden, wie sie sich derzeit in Europa abspiele.

Er hat auch das Zeug zum Pitbull

Für Ryan war die Rede der erste nationale Test, nachdem Romney ihn zu seinem Vize gewählt hatte. Dem "running mate" fällt im US-Wahlkampf traditionell die Rolle eines Angriffsspielers zu. Auf dem Parteitag vor vier Jahren hatte sich die Vizekandidatin von John McCain, Sarah Palin, als "Pitbull mit Lippenstift" vorgestellt. Palin hatte die Basis mit ihrer ersten Rede begeistert. Doch floppte sie in den Wochen danach, weil ihr die inhaltliche Tiefe fehlte. Die Erwartungen an Ryan sind nach dieser Erfahrung besonders hoch. Er muss auf allen Ebenen punkten: Von seiner Kompetenz und seinen bodenständigen Werten waren die Delegierten schon vor der Rede überzeugt. Nun sollen sie sehen, dass er auch das Zeug zum Pitbull hat.

Der drahtige Abgeordnete verbindet die Wärme eines Kleinstadtbürgers aus dem Mittleren Westen mit dem Eifer eines Einserschülers. Seine Augenwinkel scheinen feucht, als er seine auf der Tribüne sitzende Mutter vorstellt, die nach dem frühen Tod des Vaters ein eigenes Geschäft aufgebaut hatte. In der Delegation seines Heimatstaates Wisconsin ist man besonders stolz auf ihn.

"Das Magische an ihm ist, dass er komplizierte Ideen so weise auszudrücken versteht, dass normale Menschen ihm folgen können", lobt Dona Poelman, Inhaberin eines Schönheitsstudios und Vize-Vorsitzende der Republikaner in dem Landkreis, aus dem Ryan stammt. "Er ist unglaublich integer und unglaublich intelligent", schwärmt die Delegierte Kim Travis, die Ryan ebenfalls schon seit Jahren kennt.

Twitter-Häme von Obamas Chef-Strategen

Im Weißen Haus fand man nicht, dass die Rede ein Musterbild inhaltlicher Integrität sei. Obamas Kampagnenberater zerpflückten Ryans Vorwürfe in einer Flut von Twitter-Nachrichten unmittelbar nach der Rede. Ryan warf Obama vor, die Vorschläge einer von ihm selbst eingesetzten Kommission für den Abbau des Defizites ignoriert zu haben. "Dreist", empörte sich die Beraterin Stephanie Cutter. Denn Ryan habe im Kongress verhindert, dass dieser Plan verabschiedet wurde.

"Ryan, der für zwei Kriege gestimmt hat, die nicht finanziert waren, für zwei Runden von Steuersenkungen, die das Budget sprengten und für eine unbezahlte Medicare-Ausweitung, moralisiert über Schulden?", twitterte Obamas Chef-Stratege David Axelrod. Medicare ist die Krankenversicherung für Senioren, deren Reform Ryan in seinem Budgetplan verspricht. Unter dem Republikaner George W. Bush hatte er im Kongress für höhere staatliche Zuzahlungen zu Arzneimitteln gestimmt.

Aber Parteitage sind nicht der Ort, an dem Politiker auf Wahrhaftigkeit verpflichtet werden. Sie sind der Ort, an dem sie ihrer Basis zeigen, dass sie kämpfen können. Und das hat Paul Ryan getan. Dass er ein tougher Typ sei, belegt er auch mit seinem Musikgeschmack. Es grause ihn, wenn er sehe, welche Songs Romney auf seinem Ipod gespeichert habe, scherzt er. "Ich habe diese Lieder im Wahlkampfbus gehört – und in vielen Hotelaufzügen", beschwert er sich, und erntet Gelächter im Publikum. Seine Playlist beginne mit der Rockgruppe AC/DC und ende mit Led Zepelin. Romney und er seien eben eine ganze Generation auseinander. Aber in den Dingen, die wirklich wichtig seien, seien sie einer Meinung.


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