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Rote Moschee in Pakistan: "Werden Märtyrium akzeptieren"

Seit Tagen verschanzen sich hunderte von muslimischen Extremisten in der Roten Moschee in Islamabad. Obwohl die Erstürmung kurz bevorzustehen scheint, wollen die Besetzer bis zum Tode weiterkämpfen.

Die Koranschüler in der belagerten Roten Moschee in Islamabad wollen nach den Worten ihres Anführers bis zum Tode kämpfen. "Wir werden das Märtyrertum akzeptieren, wir werden nicht aufgeben", sagte der stellvertretende Leiter der Koranschulen, Abdul Rashid Ghazi, dem Sender Geo TV am Freitag per Telefon aus dem umstellten Komplex in der pakistanischen Hauptstadt. In der Nacht hatte Ghazi noch angeboten, gegen freies Geleit aufzugeben. Die Regierung lehnte das Angebot ab.

Angriff auf pakistanische Sicherheitskräfte

Bei einem möglichen Vergeltungsanschlag für den Angriff der pakistanischen Sicherheitskräfte auf die Rote Moschee sind vier Soldaten getötet worden. Der Bombenanschlag habe einem Militärkonvoi im Distrikt Swat in der Nordwest-Grenzprovinz gegolten, sagte ein Sicherheitsbeamter, der anonym bleiben wollte. Mehrere Soldaten seien verletzt worden, einige davon lebensgefährlich. Der Beamte schloss einen Zusammenhang mit den Kämpfen an der Roten Moschee nicht aus.

Eltern wollten Kinder befreien

Am Freitagmorgen hatte eine Gruppe von besorgten Eltern die Moschee betreten. In dem Gebäude, dass seit Tagen von Sicherheitskräften umstellt ist, sollen noch mehrere hundert Schüler sein, darunter auch viele Frauen und Kinder. Minuten nachdem die Eltern die Moschee gegen acht Uhr morgens Ortszeit (5.00 Uhr MESZ) betreten hatten, waren vereinzelte Schüsse zu hören.

Eine Stunde später war die Gruppe von rund 25 Menschen immer noch in dem Gebäude. Regierungsbeamten zufolge hat Präsident Pervez Musharraf die Sicherheitskräfte angewiesen, den Eltern so lange wie möglich Zeit zu geben, damit diese ihre Kinder herausholen können.

Regierung verstärkt Druck

Die Sicherheitskräfte der Regierung erhöhten den Druck auf die Muslimextremisten in der Roten Moschee. Das Innenministerium teilte mit, die Truppen hätten Löcher in die Mauern des Geländes gesprengt. Am Freitagmorgen waren immer wieder Explosionen und Schüsse zu hören.

Die Regierung hatte das Kapitulationsangebot eines der Geistlichen in dem Gebetshaus abgelehnt. Es sei unannehmbar, eine Aufgabe mit Bedingungen zu verknüpfen, sagte ein Sprecher der Sicherheitskräfte am Donnerstag. Er forderte die Rebellen auf, Frauen und Kinder aus der Moschee zu lassen, die dort gegen ihren Willen als menschliche Schutzschilde festgehalten würden.

Gerüchte um die Stürmung der Moschee erhärten sich

Der Geistliche Abdul Rashid Ghazi hatte als Gegenleistung für eine Kapitulation freies Geleit für alle Anhänger verlangt, denen keine Verbindung zu einer verbotenen Gruppierung nachgewiesen werden könne. Die mit den afghanischen Taliban verbündeten Islamisten haben sich seit Tagen zu hunderten in der Moschee verschanzt, darunter viele Frauen und Kinder. Die Machtprobe mit der Regierung von Präsident Pervez Musharraf spitzte sich zuletzt zu, und die Spekulationen über eine bevorstehende Erstürmung des Geländes verstärkten sich.

Die Rote Moschee, so benannt nach ihren roten Wänden, gilt schon seit langem als Hochburg des militanten Islamismus in Pakistan. Auch al Kaida-Chef Osama bin Laden unterhielt einst enge Kontakte zu den dortigen Klerikern. Der Moschee sind zwei Koranschulen angeschlossen, aus denen in den 80er Jahren viele "heilige Krieger" für den Kampf gegen die sowjetischen Besatzer in Afghanistan hervorgingen. In jüngster Zeit wurde die Moschee zum Zentrum des Widerstands gegen die USA-freundliche Politik von Präsident Pervez Musharraf.

Reuters/AP / AP / Reuters