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Russland: Putin kopiert US-Terror-Kampf

Die russische Regierung kündigt an, künftig weltweit und präventiv gegen Terroristen vorzugehen. Außerdem ist ein Millionen-Kopfgeld auf die Hintermänner des jüngsten Geiseldramas in Beslan ausgesetzt worden.

Ein Kopfgeld in Höhe von umgerechnet 8,5 Millionen Euro hat der russische Geheimdienst FSB auf die Hintermänner der Geiselnahme in Beslan ausgesetzt. Der frühere tschetschenische Präsident Aslan Maschadow und der Top-Terrorist Schamil Bassajew sollen für den Terrorakt in Nord-Ossetien mit mehr als 300 Toten verantwortlich sein. Das hat ein festgenommener Geiselnehmer zu den Hintergründen des Dramas gesagt. Man habe mit der Bluttat den Tschetschenien-Konflikt auf den gesamten Nordkaukasus ausweiten wollen, sagte der aus Tschetschenien stammende Mann. Zudem macht sie die russische Regierung unter anderem auch für Absturz zweier Passagierflugzeuge Ende August verantwortlich.

Russland will sich, wie die USA auch, das Recht vorbehalten, in jedem Teil der Welt präventiv gegen Terroristen zuzuschlagen. "Bezüglich präventiver Schläge gegen terroristische Stützpunkte werden wir alle Maßnahmen ergreifen, diese in jeder Region der Welt zu liquidieren", sagte Generalstabschef Juri Balujewski.

Da Thema Terrorismus stand auch auf der Zum Kampf gegen Terrorismus an allen Orten der Welt hat am Mittwochmorgen Bundeskanzler Gerhard Schröder aufgerufen. Es sei eine Angelegenheit, die bekämpft werden müsse, "und zwar gleichgültig, wo sie stattfindet“, sagte Schröder während der Generaldebatte über den Haushalt 2005. Nach dem Geiseldrama sagte der Kanzler, er habe den Eindruck, dass gelegentlich unterschiedliche Maßstäbe angesetzt würden: Natürlich müsse es für Tschetschenien eine politische Lösung geben. Aber Täter dürften nicht zu Opfern gemacht werden. Deutschland müsse ein Interesse daran haben, dass die territoriale Integrität Russlands nicht in Frage gestellt werde. Für politische Fragen müsse es aber Gesprächspartner geben. Das könnten aber nicht diejenigen sein, die am Mord unzähliger unschuldiger Menschen verantwortlich seien.

Schröder stütze den multilateralen Ansatz bei der Lösung regionaler Konflikte. "Wir leisten unseren Beitrag, indem wir helfen.“ Dies gelte auch für Irak. Hier helfe Deutschland bei der Ausbildung irakischer Polizisten und Soldaten außerhalb des Landes. Keinesfalls aber werde Deutschland Soldaten nach Irak schicken.

Für Bestürzung sorgten in Russland Fernsehbilder aus der mit Geiseln überfüllten Turnhalle in den ersten Stunden nach dem Überfall durch die Terroristen. Der russische Fernsehsender NTW hatte am Dienstagabend ein 87 Sekunden langes Video von den Entführern aus der Turnhalle der Schule gesendet. Auf dem vom halbstaatlichen Kanal gezeigten Film ist zu sehen, wie die Geiselnehmer vermutlich wenige Stunden nach dem Überfall inmitten der gefangenen Menschen Sprengfallen in der Halle installieren. Im Hintergrund ist eine männliche Stimme zu hören, die sagt: "Wartet, bringt die Kinder noch nicht hierher. Wartet, holt sie erst mal alle hier weg." In einer anderen Sequenz sind Geiseln zu sehen, die in einer Warteschlange vor der Toilette stehen. Die Kamera schwenkt über eine große Menschenmenge in der Halle. Von Panik sei nichts zu spüren, kommentierte NTW die Aufnahmen.

Der Sender machte keine Angaben, wie diese Bilder in seinen Besitz gelangten. Zu sehen ist auch eine der in schwarz gekleideten Selbstmordattentäterinnen, die einen Sprengsatz und eine Pistole in den Händen hält.

Am Dienstag sind auch Hunderttausende von Menschen in ganz Russland aus Protest gegen den Terrorismus auf die Straße gegangen. Präsident Wladimir Putin besuchte am einen Gedenkgottesdienst für die Geiselopfer in der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Moskau. Nach seiner Ankunft in dem Gotteshaus unweit der Lomonossow-Universität zündete er nach orthodoxem Brauch vier Kerzen für die Toten an.

Nach offiziellen Angaben starben 335 Geiseln. Von ihnen waren bis Dienstag 213 von ihren Angehörigen identifiziert worden. Insgesamt waren bei dem Geiseldrama in der Schule "Nr. 1" in der Kleinstadt 705 Menschen verletzt worden, darunter 307 Kinder. Rund 400 Opfer wurden am Dienstag noch in Krankenhäusern behandelt, davon 222 Kinder.

Knapp zwei Wochen nach den Bombenanschlägen auf zwei russische Passagierflugzeuge, bei denen zusammen 90 Menschen ums Leben gekommen waren, nahmen die russischen Behörden unterdessen zwei Verdächtige fest. Das berichtete die Nachrichtenagentur Interfax. Einer der Beiden habe am Flughafen Domodedowo, von dem die beiden Maschinen am 24. August gestartet waren, seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf überteuerter Flugkarten verdient.

DPA/AP / AP / DPA