Saddam-Prozess Ex-Richter gibt Todesurteile zu


Im Prozess gegen Saddam Hussein und sieben weitere Ex-Funktionäre seines Regimes hat erstmals ein Angeklagter seine Beteiligung an Hinrichtungen zugegeben.

Der frühere Richter des Revolutionsgerichts, Awad al-Bandar, sagte vor dem Sondertribunal für die Verbrechen des Saddam-Regimes in Bagdad aus, er habe die Männer zum Tode verurteilt, weil sie an dem versuchten Attentat auf Saddam in Dudschail beteiligt gewesen seien. Unterdessen gab der britische Verteidigungsminister John Reid in London bekannt, dass Großbritannien seine Truppen im Irak um zehn Prozent reduzieren will.

In dem Prozess erklärte der frühere irakische Vizepräsident Taha Jassin Ramadan, er habe mit den Ereignissen in Dudschail nichts zu tun gehabt. Auch drei Ex-Parteifunktionäre hatten zuvor ihre Unschuld erklärt. Ramadan sagte außerdem, er sei von US-Ermittlern nach seiner Festnahme gefoltert worden. Diese hätten ihn geschlagen, mit eiskaltem Wasser übergossen und gezwungen, stundenlang zu stehen. Sie hätten ihm damals immer wieder dieselbe Frage gestellt: "Wo ist Saddam?". Der Prozess wurde auf Mittwoch vertagt. Dann wird voraussichtlich auch Saddam selbst seine Aussage machen.

Meinungsverschiedenheiten in der US-Militärführung

In der US-Militärführung gab es nach einem Bericht der "New York Times" in den ersten Tagen der Irak-Invasion im März 2003 erhebliche Meinungsverschiedenheiten über die Taktik. Der Oberbefehlshaber des Irak-Feldzugs, General Tommy Franks, habe mit der Entlassung des Generalleutnants gedroht, der die Truppen auf dem Marsch nach Bagdad befehligte, weil dieser den Vormarsch verzögern und zunächst die Fedajin-Milizen Saddams schlagen wollte, berichtete die Zeitung. Viele dieser ehemaligen Elite-Kommandos hätten sich inzwischen den Aufständischen angeschlossen. Der Beginn des Irak-Krieges jährt sich am 20. März zum dritten Mal.

Briten ziehen Truppen ab

Im Unterhaus in London sagte Reid, die Zahl der britischen Soldaten im Irak solle von derzeit etwa 8000 britischen Soldaten um rund 800 verringert werden. Die Verringerung der Truppenstärke um rund zehn Prozent solle im Mai beginnen. Alle Spekulationen über einen baldigen vollständigen Rückzug der Briten aus dem Irak wies der Labour-Politiker zurück. Der Teilabzug gehöre zu einer Umstrukturierung innerhalb des britischen Kontingents.

Erneute Bombenanschläge

Nach dem Blutbad in der Bagdader Schiiten-Vorstadt Sadr-City mit fast 60 Todesopfern haben die Extremisten im Irak wieder mehrere Autobomben gezündet. Bei der Explosion einer der Bomben in einem Gebäude starben drei Polizisten und ein Zivilist. Ein anonymer Anrufer hatte vorher die Polizei angerufen und erklärt, in dem Haus liege eine Leiche. Als die Beamten eintrafen, explodierte der Sprengsatz. 15 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt. Zwei Autobomben explodierten neben dem Konvoi des Gouverneurs der Provinz Salaheddin, Hamad al-Kaisi. Er blieb unverletzt, während drei seiner Leibwächter Verletzungen erlitten.

DPA DPA

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