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Säbelrasseln im Chinesischen Meer: US-Bomber durchfliegen Chinas Luftverteidigungszone

Die USA haben zwei unbewaffnete B-52 Bomber in eine von China beanspruchte Inselregion entsandt. In Peking reagiert man zurückhaltend auf die Provokation.

Die USA haben Militärflugzeuge in eine zwischen China und Japan strittige Inselregion geschickt. Zwei unbewaffnete Maschinen hätten die Inseln im Ostchinesischen Meer überflogen, teilte das US-Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Der Einsatz sei seit langem geplant gewesen, sagte Pentagonsprecher Thomas Crosson. Es habe keine Zwischenfälle gegeben. Er wies Spekulationen zurück, der Einsatz stehe in Zusammenhang mit dem aktuellen japanisch-chinesischen Konflikt.

Namentlich nicht genannte Regierungsbeamte bestätigten US-Medien, dass es sich um B-52 Bomber handelte. Das "Wall Street Journal" berichtete, die US-Militärs hätten Peking zuvor nicht über den Einsatz unterrichtet. China hatte am Samstag eine neue Luftverteidigungszone in dem Seegebiet geschaffen. Ausländische Militärflugzeuge sind dort jetzt aufgefordert, sich zu identifizieren und den Anweisungen der chinesischen Luftwaffe zu folgen. Sonst drohen ihnen militärische Gegenmaßnahmen.

Chinas Verteidigungsministerium reagiert zurückhaltend auf den Überflug. Ein Sprecher teilte der Nachrichtenagentur DPA in Peking mit, Chinas Aufklärung habe die US-Militärflugzeuge während ihres zweieinhalbstündigen Fluges 200 Kilometer östlich der umstrittenen Inselgruppe "beobachtet, identifiziert und ihren Typ bestimmt". China folge seinen Regeln für die neu errichtete "Identifikationszone zur Luftverteidigung" (ADIZ) und "ist in der Lage, den betreffenden Luftraum wirksam zu kontrollieren", teilte der Sprecher mit.

Botschaft an Peking

"Der Einsatz der B-52 sendet eine spezielle Botschaft, weil sie von weit her kommen und besonders schwere Bomben abwerfen können", sagte der China-Experte Gordon Chang in Peking. Der Militärexperte Gary Li von IHS Maritime in Hongkong wies darauf hin, dass die von China errichtete "Identifikationszone" keineswegs eine Flugverbotszone sei. Auch müsste China dort nach den eigenen Regeln nur eingreifen, wenn Militärflugzeuge erkennbar auf dem Weg in den chinesischen Luftraum seien, erläuterte Li.

Japan wies die Ausweitung des militärischen Luftraumes durch China scharf zurück und warnte vor einer Eskalation. Japanische Fluggesellschaften weigerten sich wie die Regierung, die neue Zone anzuerkennen. Nachdem seit dem Wochenende zunächst Flugpläne an Chinas Behörden übermittelt worden waren, stoppten sie das Vorgehen wieder, wie ein Sprecher der Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) in Tokio am Mittwoch berichtete. Das Transportministerium hatte alle Fluggesellschaften des Landes - darunter auch Lufthansa-Partner All Nippon Airways (ANA) - aufgerufen, Chinas Forderung zu ignorieren.

"Dies wird regionale Spannungen verschärfen"

Auch die USA wollen Medienberichten zufolge den chinesischen Anweisung nicht folgen, weil sie die Region als internationalen Luftraum betrachten. Das Weiße Haus und das US-Außenministerium bestätigten zwar die Flüge der Bomber nicht, allerdings kritisierten sie Chinas jüngste Vorstöße. "Dies wird regionale Spannungen verschärfen und erhöht das Risiko für Fehlkalkulationen, Konfrontationen und Unfälle", sagte Außenamtssprecherin Jennifer Psaki. Das Weiße Haus bezeichnete das Vorgehen Chinas als "unnötig aufwieglerisch".

Als Demonstration seiner militärischen Stärke entsandte China seinerseits seinen Flugzeugträger "Liaoning" zu einer Übungsfahrt ins Südchinesische Meer, wo China ähnlich Territorialansprüche auf Inselgruppen erhebt. Der Streit zwischen Japan und China über die chinesisch Diaoyu und japanisch Senkaku genannten Inseln war seit vergangenem Jahr neu aufgeflammt. Die unbewohnten Inseln stehen praktisch unter japanischer Verwaltung. Die Gegend gilt als fischreich. Außerdem werden im Meeresboden Rohstoffe vermutet. Japan betreibt in dem Seegebiet seit den 60er Jahren seine eigene Luftverteidigungszone.

be/DPA / DPA