Sahara Extremisten nutzen mobile Lager


Banditen, Rebellen und Extremisten haben in der Wüste Sahara Unterschlupf gefunden. Nun befürchten US-Sicherheitsexperten, dass Extremisten die Sahara auch als Ausbildungsstätte nutzen und mobile Lager unterhalten.

Sie hat schon immer Unterschlupf geboten, Rebellen ebenso wie Banditen. Doch nun fürchten Sicherheitsexperten, dass die riesige Sahara mit ihren einsamen Oasen und Bergverstecken zur idealen Ausbildungsstätte für Extremisten vom Schlage der Al-Kaida werden könnte. US-Geheimdienste treibt zunehmend die Sorge um, dass rebellische Nomaden, große Moslemgemeinden und drückende Armut in der weitgehend der Politik entzogenen Wüste den Nährboden für Gewalttäter bilden könnten.

"Wir reden nicht über viele Terroristen wie im Irak oder in Afghanistan. Wir haben es mit kleinen beweglichen Gruppen zu tun, die schwer zu bekämpfen sind, und die eine wachsende Gefahr darstellen", warnt ein US-Staatsschützer. Besondere Sorge bereitet den USA die Salafisten-Gruppe für Gebet und Kampf (GSPC), eine algerische Rebellenorganisation, die sich als Verbündete der Al-Kaida fühlt. In Frankreich und Italien nahm die Polizei dieses Jahr mutmaßliche GSPC-Mitglieder unter dem Verdacht fest, Anschläge in Algerien und dem Irak geplant zu haben.

Mobile Lager in der Wüste

Diplomaten, Sicherheitsexperten und US-Vertreter gehen davon aus, dass die GSPC und ihre Verbündeten mobile Ausbildungslager in der Sahara unterhalten. Deren Absolventen würden anschließend in ihre Heimatorte zurückgeschickt, wo sie als "Schläfer" auf Kampfaufträge warteten.

Der 2003 als Gefahr für die nationale Sicherheit aus Italien ausgewiesene senegalesische Imam Mamour Fall hatte im vergangenen Jahr gesagt, es gebe drei Camps, in denen alle sechs Monate insgesamt 100 Kämpfer ausgebildet würden. Geheimdienste vermuten indes, dass die Ausbildung sehr flexibel auf Zuruf abläuft. "Mal fahren die Leute mit zwei oder drei Autos zu einer Oase, wo ihnen am Laptop gezeigt wird, wie man Bomben baut. Oder jemand richtet eine provisorische Schießbahn ein", sagte ein hochrangiger US-Geheimdienstmitarbeiter.

Vorbehalte gegenüber europäischen Staaten

Dabei ist den an die Sahara grenzenden Ländern Westafrikas ein radikaler Islam eher fremd. Dominant ist in der Region der moderate Sufi-Islam, dessen Bruderschaften für religiöse Toleranz bekannt sind. Protest gegen die US-Politik speist sich in Westafrika vornehmlich aus dem Krieg im Irak und der Unterstützung für Israel. Größere Vorbehalte gibt es jedoch gegen die früheren Kolonialmächte aus Europa.

Doch die USA fürchten, dass Armut und schwache Regierungen den Boden für Extremisten bereiten könnten. In den vergangenen fünf bis zehn Jahren sei vor allem viel saudiarabisches Geld in den Bau von Moscheen und für Bekehrungsbewegungen in die Sahel-Zone geflossen, sagt ein US-Experte. "Sie bringen der Region einen neuen Islam, der mit dem dominanten Sufi-Islam nicht zusammenpasst."

Als eine Rekrutierungsbasis für die Salafisten gelten Tuareg-Nomaden aus Mali und Niger, weil sie dieselben Wüstenrouten wie die GSPC-Kämpfer benutzen. Doch noch lehnen diese die Politik der Salafisten ab. "Wir haben mit ihnen darüber geredet, dass wir alle Moslems sind. Wir haben ihnen aber auch gesagt, dass Gewalt durch nichts zu rechtfertigen ist", beschreibt Tuareg-Führer Eglasse Ag Idar die Kontakte zu den Salafisten. Er glaube, die GSPC habe Nachschubbasen nördlich und westlich von Timbukta an der Grenze zu Algerien. "Sie sind zwar nicht stark, aber wir sagen unseren Leuten und speziell den Jugendlichen, sie sollten sich von ihnen fernhalten."

Nick Tattersall/Reuters Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker