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Ukraine-Krieg Sprechen Sie militärisch? Das sind Division, Infanterie, Schützenpanzer und Generaloberst

Brückenlegepanzer
Weiß nach einem Gespräch mit den Experten jetzt mehr über Brückenlegepanzer: Kanzler Olaf Scholz
© Sven Eckelkamp / Imago Images
Seit dem Überfall auf die Ukraine ist der Militärjargon wieder in den Nachrichten – Wörter wie Brückenkopf, Korps, mobilisierte Soldaten. Was steckt dahinter? Ein Glossar.

Artillerie: Schweres Geschütz vor allem zum Beschießen ferner Ziele. Die Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr etwa feuert 100 Kilometer weit und mehr. Auch Raketenwerfer wie das HIMARS zählt zur Artillerie.

Aufklärungsflugzeuge: Sammeln in der Luft Informationen über den Gegner und Gefechtslage. Die Awacs (Airborne Warning and Control System) haben eine Radarreichweite von bis zu 400 Kilometern. Russland setzt dazu den Tarnkappenflieger Su-57 ein.

Ballistische Raketen: Ungelenkte Geschosse, die kurze bis zu interkontinentale Distanzen überwinden können. Die erste Rakete dieser Art war die deutsche V2 in Zweiten Weltkrieg. Im Kalten Krieg wurden Pershing II und SS-20 zum Sinnbild des Wettrüstens.

Brückenkopf: Wird gebraucht, um Flüsse zu überqueren. Etwa dann, wenn der Gegner vorhandene Brücken zerstört hat. Für diesen Zweck gibt es unter anderem Brückenlegepanzer. Der Brückenschlag gilt als häufige und riskante Operation mit einer eigenen Truppengattung, den (Brücken-)Pionieren.

Division: Ein sogenannter Großverband, im Allgemeinen aus Landstreitkräften. Je nach Armee umfasst eine Division viele Tausend Soldaten. Bei der Nato sind es etwa zwischen 10.000 bis 20.000. Angeführt werden sie von einem Generalmajor.

Drohne: Unbemanntes Fluggerät, UAV abgekürzt. Kann für verschiedene Zwecke eingesetzt werden: zur Aufklärung, genau wie für Angriffe. Russland setzt etwa iranische "Kamikaze"-Drohnen für Attacken auf die Ukraine ein. Drohen gibt es in zahlreichen Vartianten, unter anderem mit Propellern oder als Nurflügler.

Einkesselung: Eine Kriegspartei hat den Gegner umstellt. Berühmte Kesselschlachten waren etwa die Schlacht bei Tannenberg im Ersten Weltkrieg und die Schlacht von Stalingrad im Zweiten Weltkrieg.Im Ukraine-Krieg haben sich die russischen Truppen aus Cherson aus Angst vor einer Einkesselung zurückgezogen.

Flugabwehr: Der Einsatzzweck besteht im Abschießen feindlicher Flugzeuge, Marschflugkörper oder Drohnen– entweder durch Flugabwehrkanonen (Flak) oder Flugabwehrraketen. Zu letzteren gehört das amerikanische Patriot-System, das auch in die Ukraine geliefert wird. Daneben gibt es so genannte Manpads: Abwehrraketen, die von einem Soldaten abgefeuert werden können. Bekannt ist das Stinger-System.

Front: Ort, wo sich die Kriegsgegner bekämpfen. Auch Gefechtslinie genannt. Die Front kann zwischen wenigen Hundert Metern bis zu 50 Kilometern breit sein.

Gefecht der verbundenen Waffen: Eine Taktik, bei der verschiedene Waffengattungen gemeinsam eingesetzt werden: von der Infanterie, über Luftwaffe bis zu elektronischen Kampfverbänden. Seit einigen Jahren wird die Gefechtstaktik an das mutmaßliche Verhalten der betroffenen Zivilbevölkerung angepasst.

Generalstabschef: Der ranghöchste Soldat des Landes und Vorgesetzte aller Führungsoffiziere. In Deutschland heißt diese Position Generalinspekteur der Bundeswehr.

Genfer Konvention: Wird im Krieg oft nicht viel Beachtung geschenkt, das internationale Gesetzwerk aber soll alle Kriegsopfer vor Gewalt und Willkür schützen: sowohl Soldaten als auch Zivilisten.

Hybride Kriegsführung: Moderne Kriege werden nicht mehr alleine mit Soldaten, Panzern und Flugzeugen geführt. Als Waffen kommen auch wirtschaftlicher Druck, Propaganda in Medien und sozialen Netzwerken sowie Computerangriffe auf Infrastruktur oder Unternehmen zum Einsatz.

Infanterie: Ist das, was sich die meisten Menschen unter einem Soldaten vorstellen: ein bewaffneter Mann in Uniform, der zu Fuß kämpft.

Luftlandetruppen: Soldaten, die über Flugzeuge und Hubschrauber abgesetzt werden oder wie die Fallschirmjäger selbst abspringen. Bei der Bundeswehr gehören letztere zum Heer. In Russland sind die Luftlandetruppen eine eigene Waffengattung.

Kampfpanzer: Im Wesentlichen ein Panzer mit hoher Feuerkraft. Bekannt sind unter anderem der deutsche Leopard 2, der amerikanische M1 Abrams, sowie die sowjetischen und russischen Modelle T72 und T90.

Korps: Verbund von mehreren Divisionen. Oberster Vorgesetzter ist der Generalleutnant. Mehrere Korps bilden eine Armee, mehrere Armeen eine Heeresgruppe und mehrere Heeresgruppen sind das Oberkommando – an deren Spitzen je ein General steht.

Manöver: Ein Probelauf für echte Gefechte. Die Übungen werden im Allgemeinen angekündigt, um keine Besorgnis zu erregen. Dem russischen Überfall auf die Ukraine gingen jedoch große Manöver voraus.

Mobilisierte Soldaten: Sind im Wesentlichen Bürger, die Militärerfahrung haben, aber keine aktiven Soldaten sind. Diese Reservisten werden im Kriegsfall einberufen, um die kämpfenden Truppen zu verstärken. In Russland erfolgte die Mobilmachung teilweise über attraktive Verdienstmöglichkeiten, teilweise durch Zwang.

Raketenwerfer: Abschussvorrichtung für Raketen. Berüchtigt waren im Zweiten Weltkrieg die sowjetischen Katjuscha-Raketenwerfer, wegen ihrer Geräusche "Stalinorgel" genannt. Ein bekanntes aktuelles Modell ist HIMARS, die Abkürzung steht für High Mobility Artillery Rocket System.

Rekruten: Soldaten am Anfang ihrer Ausbildung oder Laufbahn.

Schützenpanzer: Im Wesentlichen eine Allzweckwaffe mit leichter Feuerkraft. Wird als Truppentransporter, zur Aufklärung und Feuerschutz eingesetzt.

Taktischer Rückzug: Abwendung vom Gegner, etwa um Verluste oder Einkesselung zu verhindern oder um sich neu zu gruppieren. Im besten Fall läuft ein Rückzug geordnet ab, kann aber schnell in eine unkontrollierte und unkoordinierte Flucht ausarten.

Quellen:Bundesverteidigungsministerium, Bundeswehr, Ntv, DPA, AFP

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