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Sudan: Diplomatischer Rundumschlag

Nachdem bereits Deutschland und Großbritannien vom Sudan harsch kritisiert wurde, werfen die Afrikaner nun den USA vor, die Darfur-Krise als Vorwand für einen Sturz der Regierung nutzen zu wollen.

Der unter starkem internationalen Druck stehende Sudan schlägt diplomatisch um sich: Nachdem die Regierung in Khartum Deutschland und Großbritannien "feindselige Aktivitäten" vorgeworfen hat, gerät nun auch die USA ins Kritikvisier der Afrikaner. Die Amerikaner nutzten die Darfur-Krise als Vorwand für einen Sturz der Regierung in Khartum, sagte der Botschafter bei der Afrikanischen Union (AU), Ousman Alsaid.

Bei der AU-Konferenz, die derzeit im äthiopischen Addis Abeba stattfindet warnte Alsaid zudem vor einer militärischen Intervention, die das Land spalten würde. Die Regierung hat mehrfach die Kritik mit dem Vorgehen gegen den Irak verglichen. Alsaid sagte mit Blick auf Aussagen Australien und Großbritannien: "Es zeigt, dass diese Staaten nichts aus der schwierigen Situation gelernt haben, der sie durch ihr Eingreifen im Irak gegenüber sehen." Der britische Premierminister Tony Blair schließt eine militärische Rolle seines Landes bei einer Lösung der Krise in Darfur nicht aus. Australien hat gesagt, es könnte UN-Friedenstruppen entsenden.

Einsatz britischer Soldaten würden Souveränität verletzen

Die britische Bereitschaft zu einem Militär-Einsatz wurde auch dem britischen Vertreter vorgehalten. Die Regierung in Khartum erklärte, dass Äußerungen des britischen Generals Mike Jackson, der einen Einsatz von 5000 britischen Soldaten in Darfur zur Diskussion gestellt hatte, die Souveränität des Landes verletzten.

Mit der Einbestellung der beiden diplomatischen Vertreter verstärkte die Regierung in Khartum ihre Kritik an Deutschland und Großbritannien. Der für Auswärtige Beziehungen zuständige sudanesische Staatsmininister Nadschib al-Cheir Abdul Wahab warf der Bundesregierung vor, sie erlaube Rebellen aus Darfur von deutschem Boden aus "feindselige Aktivitäten" zu entfalten.

Fischer: "Die Regierung in Khartum ist in der Pflicht"

Bundesaußenminister Joschka Fischer reagierte auf die Einbestellung des deutschen Vertreters mit der erneuten Aufforderung an die Regierung in Khartum, ihre Zusagen einzuhalten: "Die Regierung in Khartum ist in der Pflicht, Sicherheit für die Menschen zu gewährleisten. Das Töten muss ein Ende haben." Andernfalls müsse der Sudan mit Sanktionen rechnen. Der US-Entwurf für die UN-Resolution sieht ein sofortiges Waffenembargo gegen Milizen und Rebellen in der Unruheprovinz vor. Zudem werden dem Sudan Sanktionen angedroht, sollte er nicht binnen 30 Tagen gegen die Milizen einschreiten.

Die USA wollen nach Angaben von Diplomaten in dieser Woche ihren Entwurf für eine UN-Resolution zur Abstimmung stellen, der Sudan Sanktionen androht. In dem Konflikt in Darfur sind nach Schätzungen der UN etwa 50.000 Menschen getötet worden. Mehr als eine Million Afrikaner sind von Milizen vertrieben worden. Die internationale Gemeinschaft fordert Sudan auf, entsprechend einer Vereinbarung mit der UN die arabischen Reitermilizen zu entwaffnen, die mit Billigung der Regierung vorgehen. Die Regierung setzt sie offenbar ein, um gegen feindliche Rebellen vorzugehen. Die Regierung hat Vorwürfe des Völkermordes zurückgewiesen. Montag hatten die EU-Außenminister an die UN appelliert, Sanktionen anzudrohen, wenn der Sudan seine Zusagen nicht einhält.

Reuters / Reuters