Thailand Der Zwei-Wochen-Putsch


Die Machtergreifung der Militärs in Thailand soll nach zwei Wochen wieder beendet werden. Putschgeneral Sonthi sagte, er wolle kein "Ersatzherrscher" sein. Kritische Berichterstattung über ihn und seine Putschisten ist aber untersagt.

Nach dem bislang unblutigen Militärputsch in Thailand wollen die Generäle spätestens in zwei Wochen die Macht wieder abgeben. Das Kriegsrecht werde aufgehoben, sobald sich die Lage normalisiert habe, sagte Armeechef Sonthi Boonyaratklin auf einer Pressekonferenz in Bangkok. Allerdings untersagten die Militärs kritische Berichterstattung der Medien und verfügten ein Versammlungsverbot.

General Sonthi sagte, es sei nicht seine Absicht, die Macht an sich zu reißen und "Ersatzherrscher" zu sein. Die Streitkräfte seien zum Handeln gezwungen worden, um Korruption, nationale Zerstrittenheit und die Unterwanderung unabhängiger Behörden zu beenden, für die Regierungschef Thaksin Shinawatra verantwortlich sei. Sonthi kündigte an, dass es frühstens im Oktober nächsten Jahres Parlamentswahlen geben werde.

Die Putschisten hatten bereits kurz nach der Machtübernahme in der Nacht zum Mittwoch mit General Surayudh Chulanont einen Vertrauten von König Bhumibol Adulyadej zum neuen Regierungschef ernannt. Zugleich erklärten sie das Kabinett sowie den Senat für aufgelöst und setzten die Verfassung außer Kraft. Die Lage in Bangkok ist aber ruhig.

Die deutsche Bundesregierung äußert sich besorgt über die Lage in dem Urlaubsland: "Wir machen uns Sorgen um die Menschen dort", sagte Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler. Zwar sei der Putsch offenbar "unblutig" verlaufen, dennoch gelte es, recht bald zu demokratischen Verhältnissen zurückzukehren und den Putsch nicht zu einem Dauerzustand werden zu lassen, so Erler.

Die EU hat den Militärputsch verurteilt und die Rückkehr zur Demokratie verlangt. Die Streitkräfte müssten Platz machen für eine demokratisch gewählte, politische Regierung, heißt es in einer Erklärung der finnischen EU-Ratspräsidentschaft.

Der entmachtete Ministerpräsident Thaksin Shinawatra weilte zum Zeitpunkt des Putsches bei der UN in New York, wo er eine Rede halten sollte, die aber abgesagt wurde. Ein mit ihm reisender Reporter meldete, der Ex-Regierungschef habe eine russische Maschine gechartert, die ihn von New York nach London bringen solle. In Thaksins Begleitung soll sich auch sein Stellvertreter Surakiart Sathirathai befinden, der für das Amt des UN-Generalsekretärs kandidiert. Ob Thaksin länger in London bleiben wird, blieb zunächst unklar.

In London studiert Medienberichten zufolge Thaksins Tochter. Nach thailändischen Presseberichten sollen später auch weitere Familienmitglieder Thaksins hinzustoßen. General Sonthi hatte Thaksin allerdings zugesichert, er sei weiter in seiner Heimat willkommen. Ein thailändischer Vize-Ministerpräsident ist bereits in Armeegewahrsam genommen worden.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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