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Tibet-Unruhen: Sarkozy droht mit Olympia-Boykott

In die Diskussion um einen Olympia-Boykott hat sich nun auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy eingeschaltet. Er wolle sich alle Optionen für die Spiele in Peking offen halten - inklusive eines Boykotts. Auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz, plädierte dafür, eine solche Maßnahme nicht auszuschließen.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy schließt einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking nicht aus. Er halte sich für alle Optionen eine Tür offen, sagte er. "Alles ist möglich. aber ich appelliere an den Sinn der chinesischen Behörden für Verantwortung." Mit ungewöhnlich deutlichen Worten kritisierte zuvor Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner das chinesische Vorgehen. "Die Gewalt muss auf beiden Seiten aufhören, aber vor allem muss die Repression aufhören, weil man jetzt nicht nach Tibet fahren kann."

Bislang lehnte Frankreich wie auch andere westliche Regierungen einen Boykott klar ab. Seit dem harten Durchgreifen der chinesischen Regierung gegen Demonstranten in Tibet wird die Möglichkeit eines Fernbleibens von den Spielen im Sommer aber verstärkt diskutiert.

Polenz contra Sportbund

Vorher hatte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU), die Zusage des Deutschen Olympischen Sportbundes kritisiert, die Olympischen Spiele in Peking auf keinen Fall zu boykottieren. Angesichts der Lage in Tibet hielte er es für klüger, die Teilnahme an den Sommerspielen noch offen zu lassen und damit eine Absage "eben auch nicht auszuschließen", sagte Polenz im Südwestrundfunk. Im ZDF-"Morgenmagazin" forderte er China dazu auf, Journalisten wieder nach Tibet einreisen zu lassen.

Abgesehen von einem Sportler-Boykott sei allerdings auch eine Art politischer Demonstration bei der Olympia-Zeremonie denkbar, sagte der CDU-Politiker. Falls Peking so "militant" handeln sollte wie es zurzeit rede, könne er sich nicht vorstellen, dass deutsche Politiker "zur Eröffnungsfeier oder zur Schlussfeier fahren".

China hat Überlegungen innerhalb der Europäischen Union über einen möglichen Boykott der Olympischen Spiele scharf kritisiert. "Wir lehnen es entschieden ab, wenn Länder oder Personen die Spiele politisieren oder mit anderen Dingen verknüpfen", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Qin Gang, vor der Presse in Peking. "Das verletzt den Olympischen Geist und ist unfair gegenüber China." Es sei auch ungerecht gegenüber allen Sportlern in der Welt. "Die chinesische Regierung hofft, dass die betreffenden Gremien eine verantwortliche Haltung einnehmen."

Am Mittwoch wird sich der außenpolitische Ausschuss des Europäischen Parlaments mit der Lage in Tibet befassen. Der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), hatte am Wochenende in einem Interview der "Bild am Sonntag" Boykottmaßnahmen nicht ausgeschlossen, wenn es keine Signale Pekings zur Verständigung mit dem Dalai Lama geben sollte. China müsse umgehend mit dem religiösen Oberhaupt der Tibeter einen Dialog aufnehmen, forderte der deutsche Politiker.

China verurteilt Proteste

China hat die Protestaktion während der Zeremonie zur Entfachung des Olympischen Feuers in Olympia in Griechenland verurteilt. "Jede Aktion, die darauf zielt, den Fackellauf zu stören, ist schändlich", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Qin Gang, vor der Presse in Peking zu der Demonstration dreier Franzosen von der Organisation "Reporter ohne Grenzen" gegen das chinesische Vorgehen in Tibet.

Zudem forderte der chinesische Sprecher alle Staaten auf, durch die der Fackellauf gehen wird, Vorkehrungen gegen geplante Demonstrationen zu treffen. "Die Behörden der Länder sind verpflichtet, einen reibungslosen Fackellauf zu gewährleisten." Die chinesische Staatspresse ignorierte die Störung der Zeremonie weitgehend. Zwar berichteten die großen chinesisch- und englischsprachigen Zeitungen ausführlich über die Entzündung des olympischen Feuers, erwähnten die Demonstration dabei aber nicht.

Tote bei Unruhen

Unterdessen sind bei neuen Unruhen in von Tibetern bewohnten Gebieten in Westchina ein Polizist und ein tibetischer Mönch getötet worden. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, war der Polizist bei Zusammenstößen in Garze in der Provinz Sichuan am Montag zu Tode gekommen, als Protestler mit Messern und Steinen bewaffnet auf die Sicherheitskräfte losgingen. Weitere Polizisten seien verletzt worden.

Örtliche Behörden berichteten, die Polizei habe lediglich "Warnschüsse" abgegeben. Dem widersprechen Informationen exiltibetischer Organisationen, wonach in derselben Region im Luhuo- Kreis am Montag mindestens ein 18 Jahre alter tibetischer Mönch von Angehörigen der bewaffneten Polizei (Wujing) erschossen wurde. Die Sicherheitskräfte hätten mehrmals wahllos in die Menge der rund 200 protestierenden Tibeter - unter ihnen viele Nonnen und Mönche - gefeuert, als diese sich einem Behördengebäude näherten. Ein zweiter Mönch befinde sich in kritischem Zustand, wie das Tibetan Center of Human Rights an Democracy (TCHRD) mitteilte.

Unterdessen stellten sich Xinhua zufolge im Kreis Aba insgesamt 381 an den Unruhen beteiligte Tibeter der Polizei. Dort waren am 16. März schwere Ausschreitungen gemeldet worden. Bewohner hatten von mindestens 18 in Aba durch Polizeischüsse getöteten Demonstranten berichtet.

DPA / DPA