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Tödlicher Zwischenfall in Afghanistan: Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen

Bei den Schüssen von Bundeswehrsoldaten auf ein Fahrzeug nahe einer deutschen Stellung im Norden Afghanistans ist ein Zivilist ums Leben gekommen. Zunächst war von drei Toten die Rede gewesen. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat sich in den Fall eingeschaltet.

Bundeswehrsoldaten haben einen Zivilisten in einem Minivan erschossen, der mit hoher Geschwindigkeit auf ihren Kontrollpunkt im Norden Afghanistans zufuhr. Der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammad Omar, hatte zunächst von drei zivilen Opfern gesprochen. Die Bundeswehr hatte am Sonntagabend mitgeteilt, zwei Zivilisten seien ums Leben gekommen. Das Verteidigungsministerium korrigierte die Zahl dann am Montag.

Afghanische Sicherheitskräfte bestätigten die deutschen Angaben. Ein Jugendlicher sei bei dem Zwischenfall im Unruhedistrikt Char Darah getötet worden, zwei Männer seien verletzt worden, hieß es aus den Sicherheitskreisen. Ein Mensch sei unverletzt geblieben, ein weiterer geflohen.

Nach der medizinischen Erstversorgung im Rettungszentrum des Regionalen Wiederaufbauteams in Kundus seien die Verletzten zur weiteren Behandlung ins Bundeswehrlager nach Masar-i-Scharif ausgeflogen worden. Die Soldaten hätten von einem Angriff ausgehen müssen und rechtmäßig geschossen, betonte die Bundeswehr.

Die zuständige Staatsanwaltschaft Potsdam hat sich mittlerweile in den Fall eingeschaltet. Die Behörde prüft ob gegen die beteiligten Soldaten Ermittlungen eingeleitet werden. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ist grundsätzlich zuständig, wenn die Bundeswehr einen möglicherweise strafrechtlich relevanten Vorgang im Ausland meldet. Bestätigt sich ein Anfangsverdacht, leitet sie den Fall an die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft weiter - je nachdem, woher der beschuldigte Soldat stammt. Vor einem Jahr hatte ein deutscher Soldat in Afghanistan eine Frau und zwei Kinder versehentlich erschossen. Die Ermittlungen wurden nach neun Monaten eingestellt.

"Nach derzeit vorliegenden Informationen mussten die Soldaten von einem Angriff ausgehen, sodass der Schusswaffengebrauch auf der Grundlage bestehender Einsatzregeln rechtmäßig erfolgte", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die Staatsanwaltschaft Potsdam macht das weitere Vorgehen davon abhängig, ob die Bundeswehr-Angehörigen eindeutig in Notwehr gehandelt haben. "Wenn sich eine Notwehrlage aufdrängt, muss man keinen Ermittlungsvorgang einleiten", sagte ein Sprecher. Bislang handele es sich nur um Vorermittlungen.

In dem Fahrzeug wurden nach Ministeriumsangaben weder Waffen noch Sprengstoff gefunden. Provinzgouverneur Omar sagte: "Die deutschen Truppen hatten Geheimdienstinformationen, dass bewaffnete Taliban-Kämpfer in einem zivilen Fahrzeug unterwegs seien. Nach dem Beschuss haben die deutschen Truppen erkannt, dass die bewaffneten Taliban vor dem Checkpoint den Wagen verlassen hatten."

DPA/AFP/AP / AP / DPA