HOME

Tödliches Arsenal: Syrien hat erst vier Prozent seiner Chemiewaffen abgegeben

Schon vor einem Monat hätten alle chemischen Kampfstoffe der syrischen Regierung außer Landes gebracht werden sollen. Nur mit einem Bruchteil ist dies bisher tatsächlich geschehen.

Die Vernichtung der syrischen Chemiewaffen ist erneut in Verzug geraten. Wie am Mittwoch aus dem Umfeld der für das Verfahren zuständigen internationalen Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) verlautete, wurden bisher weniger als fünf Prozent der gefährlichsten syrischen Kampfstoffe außer Landes gebracht. "Das ist nicht genug, und es gibt keine Anzeichen, dass es mehr wird", wird ein mit der Mission vertrauter Insider zitiert. Das Vorhaben sei sechs bis acht Wochen hinter den Planungen zurück.

Seit Anfang Januar verließen demnach nur zwei Schiffsladungen mit jeweils rund 16 Tonnen Chemiewaffen der sogenannten Kategorie Eins den syrischen Mittelmeerhafen Latakia. Insgesamt wiegt das Arsenal an chemischen Kampfstoffen der syrischen Armee mindestens 700 Tonnen. Der gesamte Bestand sollte schon bis Ende Dezember ins Ausland gebracht werden.

Nach einem tödlichen Einsatz von Chemiewaffen bei Damaskus im August hatte Syrien angesichts der Drohung mit einem US-Militärschlag zugesagt, sein gesamtes Chemiewaffenarsenal unter internationaler Aufsicht zu zerstören. Gemäß einer vom UN-Sicherheitsrat im September verabschiedeten Resolution müssen die syrischen Chemiewaffen bis Mitte 2014 vollständig vernichtet sein.

Neue Frist auch unwahrscheinlich

Die gefährlichsten Kampfstoffe - darunter Senfgas, Sarin und das Nervengas VX - sollten eigentlich bereits bis Ende Dezember außer Landes gebracht werden, was nicht gelang. Es sei "nahezu sicher", dass auch die neue Frist bis zum 5. Februar nicht eingehalten werde, verlautete aus OPCW-Kreisen. OPCW-Sprecher Christian Chartier wollte sich dazu nicht äußern.

Nach Angaben aus OPCW-Kreisen soll bei einem Treffen des Exekutivrats der Organisation am Donnerstag darüber beraten werden, wie der Druck auf die syrische Regierung erhöht und sie "an ihre Verpflichtungen erinnert" werden kann.

ono/AFP/Reuters / Reuters
Themen in diesem Artikel