Tote in Myanmar Wohl kein deutsches Opfer


Die Militärjunta in Myanmar hat die erneuten Demonstrationen gewaltsam aufgelöst. Soldaten schossen mit Schnellfeuergewehren in die Menge. Dabei sollen auch zwei Ausländer ums Leben gekommen sein, darunter ein japanischer Fotograf. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte eine Meldung über ein deutsches Todesopfer nicht bestätigen.

Das Militär in Myanmar hat die Demonstrationen im Land gewaltsam aufgelöst. Dabei sollen zwei Ausländer erschossen worden sein - angeblich auch ein Deutscher, wie die Online-Ausgabe der "Bangkok Post" berichtet. Dort heißt es, "ein männlicher, hellhäutiger Ausländer" sei von Augenzeugen "vorläufig" als ein deutscher Fotograf identifiziert worden. Das Auswärtige Amt in Berlin hat die Meldung auf Anfrage von stern.de bisher nicht bestätigt und auf die unsichere Quellenlage verwiesen. Man werde dem Medienbericht nachgehen, hieß es in Berlin.

Wie Augenzeugen berichten, schossen die Soldaten mit Schnellfeuerwaffen in die protestierenden Menschen. Bis zu 70.000 Demonstranten hatten zuvor den Warnungen der Militärregierung getrotzt und waren erneut auf die Straße gegangen. In Sprechchören forderten einige: "Gibt uns Freiheit". Mindestens fünf Demonstranten seien festgenommen und schwer geschlagen worden, hieß es. Tausende Menschen liefen nach den Schüssen durch die Straßen, auf denen blutigen Sandalen lagen.

"Ich glaube, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz der Verwundeten ins Krankenhaus geschickt wurde", sagte der Informant weiter. Soldaten hatten das Feuer eröffnet, um die Menge auseinander zu treiben.

Der getötete Japaner, ein Pressefotograf, wurde demnach in der Nähe der Sule-Pagode im Stadtzentrum der Metropole Rangun erschossen. Das myanmarische Außenministerium unterrichtete die Regierung Japans, dass eine Leiche mit japanischem Pass gefunden wurde, wie die Nachrichtenagentur Jiji Press in Tokio meldet. Mitarbeiter der Botschaft seien auf dem Weg in das Krankenhaus, in das die Leiche gebracht worden sei.

Ein britischer Diplomat sprach von Beweisen dafür, dass Mönche im Kloster Ngwe Cha Yan am südöstlichen Rand von Rangun schwer geschlagen worden seien, als die Sicherheitskräfte am Morgen in die Anlage eindrangen. Es sei unbekannt, wie viele verletzt worden seien. Auf der Tarami-Straße seien zudem vier weitere Menschen "ziemlich schlimm angeschossen" worden, sagte der Diplomat weiter.

Mindestens drei oder vier Menschen wurden verletzt, als die Soldaten eine Menge unter der Pansodan-Überführung zerstreuten. Darunter sei eine 19-Jährige gewesen, sagten Augenzeugen. In der Nähe einer Rennbahn im Osten der Stadt zwangen Soldaten mehrere hundert Menschen, sich auf den Bauch zu legen. Später seien sechs Verwundete in ein Krankenhaus gebracht worden, sagten Augenzeugen.

DPA/Reuters/AP

Myanmar, Burma oder Birma?
Liebe Leser, wie Ihnen sicher schon aufgefallen ist, gibt es für das südostasiatische Land verschiedene Begriffe: Birma, Burma, Myanmar. In vielen deutschen Medien wird es Birma genannt, vereinzelt auch Burma, wie im englischen Sprachraum üblich. Seit 1989 heißt es offiziell Union Myanmar. So wird es von den Vereinten Nationen und von der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Einige Länder sind aus Protest gegen das dort herrschende Militärregime bei Birma/Burma geblieben, wie etwa die USA und Australien. stern.de hat sich entschieden, das Land Myanmar zu nennen.
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