HOME

Trauerfeier für Mandela: Obama reicht Castro die Hand

Die Trauerfeier für Nelson Mandela in Johannesburg ist verregnet, fröhlich und laut. Der Höhepunkt der Zeremonie war bisher der Handshake von US-Präsident Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro.

Am Tag der Gedenkfeier für den verstorbenen südafrikanischen Nationalhelden Nelson Mandela guckt beinahe die ganze Welt nach Südafrika. Diese Trauerfeier am Kap ist nicht vergleichbar mit ähnlichen Anlässen. Nicht nur, weil eine Rekordzahl an Staats- und Regierungschefs nach Südafrika gereist ist, um Mandela die letzte Ehre zu gewähren, sondern auch, weil es eine fröhliche Veranstaltung ist - und eine sehr laute.

Die Gedenkfeier findet im Johannesburger Fußball-Stadion in Soweto statt, wo sich seit dem frühen Morgen Zehntausende Südafrikaner versammelt haben. Wegen des schlechten Wetters sind es allerdings weniger als erwartet, das Stadion ist nicht ganz gefüllt. Ebenfalls wegen des zeitweise starken Regens begann die Trauerfeier etwa eine Stunde später als geplant, zum Auftakt erklang die Nationalhymne Südafrikas. Der erste schwarze Präsident Südafrikas war am Donnerstag nach langer Krankheit mit 95 Jahren verstorben.

Seit dem Morgen ist die Zeremonie zum Gedenken Mandelas das beherrschende Thema sowohl in Südafrika als auch in vielen anderen Ländern der Welt. In Johannesburg tanzen viele Menschen im Regen, singen Lieder der Anti-Apartheid-Bewegung, für die der frühere Präsident der wichtigste Anführer war. Wie bei der Fußball-WM vor drei Jahren, die unter anderem in diesem Stadion ausgetragen wurde, haben etliche Trauergäste Vuvuzelas mitgebracht.

Gesungen wird unter anderem das Lied "akekho ofana nawe", eine Art inoffizielle südafrikanische Nationalhymne. Es wurde bereits gesungen, als der Friedensnobelpreisträger noch im Gefängnis war. Zu hören waren auch andere Hymnen der Freiheitskämpfer, die einst Mandelas Freilassung forderten. Immer wieder singen die Menschen zudem die Worte "Tata Mandela" (Vater Mandela).

Anlässlich der Trauerfeier ist Mandelas Witwe Graça Machel erstmals seit dem Tod ihres Mannes wieder in der Öffentlichkeit zu sehen. Von der Menge im Stadion und vor den Großbildleinwänden ringsum bejubelt, erschien sie zu der Zeremonie. Sie trägt einen schwarzen Turban und einen schwarzen Mantel mit einem Sonnenmotiv auf dem Rücken. Die 68-Jährige äußerte sich bei ihrer Ankunft nicht. Mit ihr auf der Tribüne sitzen mehrere weitere Familienmitglieder.

Obama und Bush reisen gemeinsam an

Die zahlreichen Staatsgäste - darunter rund 90 amtierende und ehemalige Staats- und Regierungschefs - trafen erst kurz vor Beginn der Veranstaltung ein. Zur zentralen Trauerfeier zu Ehren des südafrikanischen Friedensnobelpreisträgers komme die größte Zahl von Staatsoberhäuptern in der Geschichte zusammen, hatte der Sprecher des südafrikanischen Außenministeriums, Clayson Monyela, gesagt.

US-Präsident Barack Obama reiste zusammen mit Ex-Präsident George W. Bush an. Obama gehörte ebenso wie Kubas Präsident Raúl Castro zu den Rednern bei der voraussichtlich siebenstündigen Gedenkveranstaltung. Deutschland wird von Bundespräsident Joachim Gauck vertreten.

Herzlicher Empfang für Obama

Obama, der zur Mittagszeit sprach und im Stadion mit einstündiger Verspätung ankam, weil seine Fahrzeugkolonne im Verkehr stecken geblieben war, würdigte Mandela als "Giganten der Geschichte". Eine solche Formulierung hatte in der vergangenen Woche auch schon Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewählt. Die vollständige Rede ist im Internet nachlesbar.

Obama verglich Mandela mit dem indischen Staatsgründer Mahatma Ghandhi, dem großen US-Präsidenten Abraham Lincoln und dem Bürgerrechtler Martin Luther King. Mandelas Leistungen für Freiheit und Demokratie gehörten in die Reihe dieser historischen Größen. Er habe seine "Nation zur Gerechtigkeit geführt", sagte der US-Präsident, der mit großem Jubel im Stadion empfangen wurde - und selbst ein Zeichen der Versöhnung setzte, als er Kubas Präsidenten Castro die Hand reichte, dem Bruder des langjährigen Staatschefs Fidel Castro.

Zu dieser beispiellosen Geste der jüngeren Geschichte kam es auf Obamas Weg zum Rednerpult. Die Beziehungen zwischen den USA und dem sozialistischen Kuba sind seit Jahrzehnten angespannt. Washington hält seit mehr als 50 Jahren eine Wirtschaftsblockade gegen den Inselstaat aufrecht.

Während der Trauerfeier brach Unruhe aus. Der indische Präsident Pranab Mukherjee musste seine Rede unterbrechen, weil die Zuschauer lärmten, sangen und mit Musikinstrumenten störten. Die Massen wurden auch deshalb ungeduldig, weil immer wieder die Leinwände ausfielen. ANC-Vizepräsident Cyril Ramaphosa rief die Zuschauer zur Disziplin auf. Mandela sein ein disziplinierter Mensch gewesen, diesem Beispiel sollten sie folgen. Viele verließen nach der Obamas Rede das Stadion. Die Ansprache von Südafrikas Präsident Jacob Zuma warteten sie nicht ab. Zuvor hatte die Masse Zuma ausgebuht, dem Korruption vorgeworfen wird. Erst vor Kurzem wurde ein Skandal um Staatsgeld für Investitionen auf seinem Privatanwesen öffentlich.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon bezeichnete Mandela in seiner Rede als "Helden für die Welt" und einen "Vater Südafrikas". Angehörige Mandelas hatten den Verstorbenen zuvor als Halt und Fels der Familie gewürdigt. Er wünsche sich, dass die Botschaft Mandelas der Friedfertigkeit noch lange in der Welt nachhallen werde, sagte General Thanduxolo Mandela. Der Vizechef der Regierungspartei ANC bezeichnete Mandela als einen "Lehrer" für seine Landsleute.

Nach der Trauerfeier wird Mandela in einem Gebäude in Pretoria aufgebahrt, wo er 1994 als erster Schwarzer den Eid für das Präsidentenamt leistete. Der Friedensnobelpreisträger soll am Sonntag in seiner Heimatstadt Qunu in der Provinz Ostkap beerdigt werden.

Hotelreservierungen plötzlich ungültig

Wegen des Ansturms von Staatsgästen zu den Trauerfeierlichkeiten wurden in Johannesburg Hunderte Hotelgäste herauskomplimentiert. Dies berichtet die "Business Day". Manche Luxushotels hätten allen Gästen geschrieben, dass bestehende Buchungen leider nicht mehr gültig seien.

Präsidialminister Collions Chabana habe Staatsgäste sogar davor gewarnt, auch zu den Beerdigungsfeierlichkeiten nach Qunu zu fahren. "Niemand soll abgehalten werden, daran teilzunehmen", wird er zitiert. "Aber angesichts der Kapazitäten und Infrastruktur dort empfehlen wir sehr, nicht da hin zu fahren.

Dort allerdings stoßen die Trauerfeierlichkeiten auf wenig Interesse. Das Stadion in der Stadt Mthatha ist am späten Nachmittag fast menschenleer. Auf riesigen Bildschirmen wird zwar die offizielle Trauerfeier für den im nahe gelegenen Dorf Mvezo geborenen Mandela übertragen - Zuschauer gibt es allerdings nur wenige.

anb/DPA/Reuters / DPA / Reuters