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Trump vs. Biden US-Moderatoren entsetzt über TV-Duell: "Werden wir das wirklich noch zweimal machen?"

Das erste von drei TV-Duellen zwischen Donald Trump und Joe Biden lief völlig aus dem Ruder. Die Kollegen des überforderten Moderators Chris Wallace zeigen sich nach der Übertragung erschüttert. Und einer hat offenbar eine böse Vorahnung.

Chris Wallace hatte ein klares Ziel, bevor er das erste TV-Duell zwischen US-Präsident Donald Trump und dessen Herausforderer Joe Biden moderierte: Er wolle so "unsichtbar wie möglich" bleiben, kündigte der Anchorman von "Fox News Sunday" an. "Wenn ich meine Arbeit richtig gemacht habe, werden die Leute am Ende des Abends sagen: 'Das war eine tolle Debatte, wer hat sie moderiert?'"

Das hat am Dienstagabend leider niemand gesagt. Im Gegenteil. Das 90 Minuten lange Wortgefecht der beiden Männer, die die Bürger der Vereinigten Staaten davon überzeugen wollen, ihnen am 3. November ihr Land anzuvertrauen, war in den Augen der meisten Kommentatoren ein Chaos, das Wallace nicht bändigen konnte.

Moderator des zweiten Duells ahnt offenbar Böses

Auch die Kollegen von Wallace zeigten sich von der ersten von drei Fernsehdebatten zwischen Trump und Biden schwer enttäuscht. "Werden wir das wirklich noch zweimal machen? (Zusätzlich zur VP-Debatte). Frage für einen Freund ...", twitterte Paula Reid von CBS News nach der Übertragung. Eine Frage, die sich auch Steve Scully stellt. Der Politikredakteur des Senders C-SPAN tritt am 15. Oktober in Wallace' Fußstapfen und moderiert das zweite Streitgespräch des Präsidenten mit seinem Herausforderer. Scully, der anders als Wallace noch nie eine Präsidentschafts- oder Vizepräsidentschaftsdebatte geleitet hat, schwant offenbar schon Böses. Er teilte Reids Tweet auf seinem eigenen Twitter-Kanal.

NBC-Moderatorin Kristen Welker, die am 22. Oktober als letzte die Streithähne bändigen muss und die Bürochefin der Zeitung "USA Today", Susan Page, die am 7. Oktober das Vize-Duell zwischen Trumps Stellvertreter Mike Pence und Bidens "Running Mate" Kamala Harris übernimmt, äußerten sich bislang noch nicht zu dem chaotischen Auftakt der Debattenreihe.

Umso deutlicher wurden dafür andere prominente US-Moderatorinnen und Moderatoren: "Das war totale Scheiße", brachte Dana Bash von CNN live im Fernsehen ihren Eindruck direkt nach der Übertragung auf den Punkt. "Wir sind im Kabelfernsehen, wir können das sagen." Bash entschuldigte sich für ihre grobe Wortwahl erklärte aber, dass sie diesen Ausdruck für das Duell sowohl von Demokraten als auch von Republikanern gehört habe.

Geradezu entsetzt äußerte sich der CNN-Chefkorrespondent in Washington, Jake Tapper. Er verglich die Debatte mit einem "schrecklichen Chaos in einem brennenden Müllcontainer in einem Zugwrack". Tapper sagte: "Das war die schlimmste Debatte, die ich je gesehen habe. Es war nicht einmal eine Debatte, es war eine Schande.[...]  Das amerikanische Volk hat heute Abend verloren. Denn das war schrecklich."

"Was für ein dunkles Ereignis"

Den gleichen Eindruck hatte der Chefmoderator von ABC News, George Stephanopoulos. "Ich muss hier persönlich werden", sagte der ehemalige Politikberater. "Als jemand, der 40 Jahre lang Präsidentschaftsdebatten beobachtet hat, als jemand, der Präsidentschaftsdebatten moderiert hat, als jemand, der Kandidaten für Präsidentschaftsdebatten vorbereitet hat, als jemand, der über Präsidentschaftsdebatten berichtet hat, das war die schlimmste Präsidentschaftsdebatte, die ich je in meinem Leben gesehen habe".

Donald Trump als Clown

Savannah Guthrie, Moderatorin der Sendung "Today" auf NBC, bezeichnete den Abend als "würdelos" und "beschämend".

MSNBC-Moderator Brian Williams nannte die Debatte "schwer anzusehen" und fügte hinzu: "Was für ein dunkles Ereignis, das wir gerade miterlebt haben."

Sogar auf Trumps Haussender Fox News waren die Moderatoren Bret Baier und Martha MacCallum offenbar erschüttert, aber deutlich zurückhaltender in ihrer Kritik: "Ich habe das Gefühl, dass wir gerade etwas durchgemacht haben", sagte Baier.

Ihr Fox-Kollege Sean Hannity scheint dagegen als einziger ein Zukunftsmodell in dem ungezügelten Zweikampf entdeckt zu haben. Er ziehe "einen neuen Stil der Debatte vor", erklärte der bekennende Trump-Fan Hannity. "Vielleicht werden wir ihn irgendwann in der Zukunft haben. [...] So wie wir uns Football, Krieger und Gladiatoren im Oktagon und Boxring gerne anschauen, so lassen wir sie einfach aufeinander los, lassen sie es austragen und lassen das amerikanische Volk entscheiden."

Quellen: National Public Radio, Fox News, CNN, "USA Today"


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