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Türkei: "Cumhuriyet"-Mitarbeiter frei - falsche Beweise in Tausenden Fällen?

Ein Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" kommt nach neun Monaten aus der Haft frei. Buchhalter Emre Iper gehört offenbar zu zahlreichen Verdächtigen, die fälschlicherweise eines App-Downloads beschuldigt wurden.


Türkei: "Cumhuriyet"-Mitarbeiter frei - falsche Beweise in Tausenden Fällen?

Weiterhin sitzen drei "Cumhuriyet"-Mitarbeiter in der Türkei unter Terrorverdacht in Untersuchungshaft (Symbolbild)

Ein türkisches Gericht hat die Freilassung eines von vier inhaftierten Mitarbeitern der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" angeordnet. Das Gericht in Istanbul entschied am Freitag, Buchhalter Emre Iper bis zu einem Urteil in dem Verfahren wegen Terrorvorwürfen auf freien Fuß zu setzen, wie aus dem von "Cumhuriyet" veröffentlichten Beschluss hervorgeht. Iper gehöre zu zahlreichen Verdächtigen, die fälschlicherweise beschuldigt worden seien, wissentlich eine App namens Bylock heruntergeladen zu haben.

Die Behörden verdächtigt Bylock-Nutzer pauschal, Anhänger der Gülen-Bewegung zu sein, die die Regierung für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht. Gülen-Anhänger sollen über die einstmals frei herunterladbare App verschlüsselt kommuniziert haben.

Türkei prüft zahlreiche Verdachtsfälle neu

Nach neuen Erkenntnissen der türkischen Behörden sind zahlreiche Internetnutzer unwissentlich zu Bylock umgeleitet worden, als sie versuchten, andere unverfängliche Programme herunterzuladen. Kommunikationsminister Ahmet Arslan bestätigte am Freitag in Ankara, 11.480 Nutzer seien von einer solchen Umleitung betroffen gewesen.

Zahlreiche Verdachtsfälle sollen nun neu überprüft werden. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete am Freitag, alleine in Istanbul seien mehr als 200 Beschuldigte aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Bei vielen Terrorverdächtigen führt die Staatsanwaltschaft das angebliche Herunterladen von Bylock als einen Beweis dafür an, dass sie der Gülen-Bewegung angehören.

"Cumhuriyet"-Buchhalter Iper saß seit rund neun Monaten in U-Haft. Weiterhin sitzen drei "Cumhuriyet"-Mitarbeiter unter Terrorverdacht in Untersuchungshaft: Chefredakteur Murat Sabuncu und Geschäftsführer Akin Atalay sind seit mehr als 420 Tagen hinter Gittern, Investigativ-Journalist Ahmet Sik seit mehr als 360 Tagen. 

fs / DPA