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TV-Debatte: Gordon Browns letzte Chance

In Großbritannien ist der Wahlkampf in die entscheidende Phase getreten. Bei der dritten und letzten TV-Debatte mit seinen beiden Herausforderern wollte Labour-Premierminister Gordon Brown am Donnerstagabend mit Wirtschaftsthemen punkten und einen Ausrutscher vom Vortag wieder wettmachen.

In Großbritannien ist der Wahlkampf in die entscheidende Phase getreten. Bei der dritten und letzten TV-Debatte mit seinen beiden Herausforderern wollte Labour-Premierminister Gordon Brown am Donnerstagabend mit Wirtschaftsthemen punkten und einen Ausrutscher vom Vortag wieder wettmachen. Eine Woche vor der Parlamentswahl lag Labour in den Umfragen weiter hinter den Konservativen mit ihrem Spitzenkandidaten David Cameron.

Am Vortag hatte sich Brown einen peinlichen Schnitzer erlaubt, als er vermeintlich unbelauscht über eine ältere Labour-Anhängerin lästerte. "Das war Brown wie er leibt und lebt", schrieb die Zeitung "The Sun" am Donnerstag. "Dünnhäutig, paranoid, und ständig auf der Suche nach einem Sündenbock."

Nach der Begegnung mit einer Wählerin im nordwestenglischen Rochdale hatte sich Brown über deren Äußerungen zu Einwanderungsfragen ereifert. Seine Äußerung, die Frau sei "verbohrt" gewesen, wurde von einem noch nicht abgeschalteten Mikrofon übertragen und landesweit gesendet. Brown entschuldigte sich öffentlich und dann auch persönlich bei einem Besuch bei der 66-Jährigen zuhause.

Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der "Sun" lagen die konservativen Tories bei 34 Prozent, die Liberaldemokraten mit ihrem Spitzenkandidaten Nick Clegg bei 31 Prozent und die Labour-Partei bei 27 Prozent. Um mit absoluter Mehrheit regieren zu können, benötigen die Parteien mindestens 326 Sitze im 650 Abgeordnete zählenden Unterhaus - laut den Umfragen wird dieses Ziel aber jede der drei Parteien verfehlen. Möglicherweise steuert Großbritannien somit das erste Mal seit Jahrzehnten auf eine Koalitionsregierung zu.

Die letzte TV-Debatte wurde von Beobachtern als Browns möglicherweise letzte Chance gewertet, seine Labour-Partei doch noch in eine bessere Ausgangsposition zu bringen. Dazu wollte sich der frühere Finanzminister vor allem als derjenige Kandidat präsentieren, der am besten geeignet sei, die öffentlichen Schulden einzudämmen ohne zugleich die leichte konjunkturelle Erholung abzuwürgen.

Tory-Chef Cameron indes dürfte in der Debatte erneut versuchen, mit dem Vorwurf der Verschwendung durch die regierende Labour-Partei die Wähler vor dem Abstimmungstermin am 6. Mai auf seine Seite zu ziehen. Vor allem aber auf den Liberaldemokraten Clegg richtete sich das Augenmerk. Der 43-Jährige hatte mit seinem Auftritt in der ersten TV-Debatte am 15. April für Furore gesorgt und gilt seither als Königsmacher. Der europafreundliche Clegg präsentiert sich als Alternative zu Labour und den Tories, die sich seit Jahrzehnten an der Regierung abwechseln.

AFP / AFP