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Krieg in der Ukraine Fall von Lyman öffnet Kiew Weg Richtung Luhansk – Selenskyj kündigt weitere Rückeroberungen an

Ukraine auf dem Vormarsch: Soldaten fahren einen Panzer auf dem Weg nach Sewersk in der Region Donezk
Ukraine auf dem Vormarsch: Soldaten fahren einen Panzer auf dem Weg nach Sewersk in der Region Donezk
© Inna Varenytsia / AP / DPA
Mit der Rückeroberung der Stadt Lyman hat die Ukraine im Kampf gegen Angreifer Russland ein wichtiges strategische Ziel erreicht. Und laut Präsident Wolodymyr Selenskyj soll es in der kommenden Woche so weitergehen.

Nach dem russischen Rückzug aus Lyman hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Rückeroberung weiterer von Russland kontrollierter Gebiete angekündigt. "Im Laufe der Woche wehten neue ukrainische Flaggen über dem Donbass", dort, wo die Russen zuvor ihre "Pseudoreferenden" abgehalten hätten, sagte Selenskyj am Samstagabend in seiner täglichen Videoansprache. "In der kommenden Woche werden es noch mehr werden." Zugleich teilte der 44-Jährige mit, dass in Lyman noch gekämpft werde.

Lyman liegt in der ostukrainischen Region Donezk, für die Russland am Freitag, ebenso wie für die drei weiteren von Moskau kontrollierten Regionen Luhansk, Saporischschja und Cherson, die Annexion durch die Unterzeichnung von Abkommen besiegelt hatte.

Fall von Lyman öffnet Ukraine Weg Richtung Luhansk

Wochenlang hatte ein erbittertes Gefecht um die ostukrainische Stadt getobt. Nach der Niederlage im nordostukrainischen Gebiet Charkiw und ihrem Rückzug von dort hatten die russischen Truppen versucht, eine neue Frontlinie entlang der Flüsse Oskil und Siwerskyj Donez aufzubauen. Lyman als nächste Stadt gegenüber dem von Kiew gehaltenen Ballungsraum Slowjansk-Kramatorsk galt diesbezüglich als wichtig. Einerseits, um selbst Angriffe im Norden des Donbass-Gebietes lancieren zu können, andererseits als Barriere für eine ukrainische Gegenoffensive.

Doch die ukrainischen Streitkräfte konnten die Stadt bei ihrer Offensive in die Zange nehmen. Angriffe wurden sowohl von Westen als auch von Norden und Süden geführt. Die einzige Nachschub- und Rückzugsverbindung der Russen nach Osten über Saritschne und Torske geriet unter den Beschuss der ukrainischen Artillerie.

Am Samstag wurde Lyman schließlich den Russen wieder entrissen. Ukrainische Einheiten hissten in der Stadt die blau-gelbe Landesflagge. Moskau bestätigte kurz darauf den Rückzug seiner Truppen wegen der "Gefahr" einer Einkesselung. Zuvor hatten ukrainische Armeesprecher gemeldet, tausende Soldaten in der Nähe der Stadt eingeschlossen zu haben. Unklar ist unter diesen Umständen, wie viele russische Soldaten tatsächlich gefallen, in Gefangenschaft gekommen oder eingekesselt sind.

Mit dem Fall von Lyman öffnet sich für die ukrainischen Truppen der Weg Richtung Kreminna und Swatowe. Beide Städte liegen im Gebiet Luhansk und gelten – speziell Swatowe – als wichtige Verkehrsknotenpunkte. Für den Kreml wäre dies ein verheerendes Signal. Anfang des Sommers hatte die russische Armee das Gebiet Luhansk für "befreit" erklärt.

Unterdessen war Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) erstmals seit Kriegsbeginn in der Ukraine. In der Hafenstadt Odessa, die immer wieder auch Ziel russischer Raketenangriffe ist, traf sie am Samstag mit ihrem ukrainischen Kollegen Oleksij Resnikow zusammen. Lambrecht sagte Resnikow zu, dass Deutschland eine erste Einheit des bereits angekündigten hochmodernen Luftabwehrsystem Iris-T SLM innerhalb weniger Tage liefern werde. Die Ukraine benötige insbesondere Waffen zur Luftverteidigung, erklärte die Ministerin in den ARD-"Tagesthemen".  "Nach den Eindrücken, die ich heute gewonnen habe, steht jetzt die Luftverteidigung im Vordergrund sowie die Artillerie." Wegen Luftalarms musste sie zweimal Schutz in Bunkern suchen, zuletzt während ihrer Hotelübernachtung in der Nacht zum Sonntag.

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Am Sonntagmorgen kehrte Lambrecht von ihrem Besuch in der Ukraine nach Moldau zurück. Die SPD-Politikerin überquerte mit einer kleinen Delegation nahe dem moldauischen Dorf Palanca gegen 8 Uhr (MESZ) die Grenze auf dem Landweg. Per Flugzeug sollte es dann von Moldau aus zurück nach Berlin gehen.

mad / AFP, Dmitro Gorschkow / DPA

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