HOME

Internationale Umfragen: Früher war mehr Lametta in den Beziehungen: Deutsche wollen weniger USA und mehr Russland

Für Amerikaner sind die bilateralen Beziehung zwischen Deutschland und den USA weitgehend in Ordnung, wie neue Umfragen zum Stand der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft ergeben hat. Doch die Deutschen sehen das etwas anders.

Deutsch-Amerikanische-Freundschaft gibt es natürlich immer noch - wie hier bei Tour-de-France-Zuschauern im Westen Frankreichs

Deutsch-Amerikanische-Freundschaft gibt es natürlich immer noch - wie hier bei Tour-de-France-Zuschauern im Westen Frankreichs

AFP

Das Verhältnis der Deutschen zu den USA? Ist schon lange nicht mehr einfach. Vietnamkrieg, Wettrüsten, George W. Bush, Donald Trump – die vergangenen Jahrzehnte haben ordentlich an der engen Freundschaft gezerrt und gerüttelt. Aktuellster Stand: Nur noch 35 Prozent sehen Amerika als wichtigsten Verbündeten, wie eine Umfrage der Körber-Stiftung ergeben hat. Vergangenes Jahr waren noch 42 Prozent dieser Ansicht. Als wichtigster Partner wird übrigens Frankreich gesehen, die USA liegen auf Platz zwei.

Amerikaner sehen Lage umgekehrt

Auch sonst das gleiche Bild: 73 Prozent der Deutschen bewerten die bilateralen Beziehungen als eher schlecht bis sehr schlecht, und für fast ein Drittel sind die Beziehungen zu den USA die größte außenpolitische Herausforderung. 2017 waren es mit 19 Prozent nur rund ein Fünftel. Die Amerikaner sehen die Lage übrigens genau umgekehrt: Für 70 Prozent ist das Verhältnis zu Deutschland eher gut bis sehr gut, wie das Pew Research Center als Partner der Körber-Stiftung herausgefunden hat.

Auch viele verwandte Bereiche betrachten die Amerikaner anders als Deutsche:

  • So wollen 70 Prozent der Amerikaner enger mit Deutschland zusammenarbeiten, umgekehrt aber nur 42 Prozent.
  • Zweidrittel der Amerikaner wollen die traditionell engen Beziehungen zu Europa beibehalten, aber 72 Prozent der Deutschen wollen unabhängiger von den Vereinigten Staaten werden.
  • Engere Bande zu Russland wünschen sich 69 Prozent der Deutschen und zu China 67 Prozent.

G20 löst keine Probleme

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung zur internationalen Zusammenarbeit: 85 Prozent der Deutschen befürworten gemeinsames Problemlösen, zugleich sagen 41 Prozent, dass die G20, die am Wochenende in Buenos Aires stattfinden, nicht zur Lösung globaler Probleme beitragen. In den USA unterstützen demnach 73 Prozent internationale Kooperation, und lediglich 52 Prozent wären bereit, kurzfristige Nachteile für das eigene Land zum langfristigen Wohle der internationalen Gemeinschaft in Kauf zu nehmen

Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Wählern des republikanischen US-Präsidenten Donald Trump, der auf die Devise "America First" setzt, und den Wählern der Demokratin Hillary Clinton. So nähmen nur 42 Prozent der Trump-Unterstützer Nachteile in Kauf, aber 72 Prozent der Clinton-Unterstützer.

Überraschend sind sich Deutsche übrigens im Bereich Rüstung mit Donald Trump einig, aber mit der US-Bevölkerung uneinig: Die Mehrheit (43 Prozent) will, wie auch vom US-Präsident gewünscht, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihr Budget erhöht, in den USA aber will die Mehrheit (46 Prozent) dass die Ausgaben gleich bleiben.

Quellen: Körber-StiftungPew Research Center, Bertelsmann-Stiftung

nik