HOME

Unabhängigkeitserklärung: Erst Kosovo, dann Mazedonien?

Bald wird die serbische Provinz Kosovo seine Unabhängigkeit erklären. Sehr zum Unwillen Serbiens. Das Land ruft deshalb die Serben in dem künftigen Zwergstaat zum Widerstand auf. Russland, ebenfalls ein Gegner der Autonomie, befürchtet für die Region einen Domino-Effekt.

Die serbische Regierung hat in einer Resolution die erwartete Unabhängigkeitserklärung des Kosovos als illegal verurteilt. Ein solcher Schritt habe daher keine Gültigkeit, hieß es in einer Stellungnahme der Regierung in Belgrad. Es wird erwartet, dass das Kosovo sich am 17. Februar für unabhängig von Serbien erklärt.

Serbien hat eine zudem Sitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Im April 2007 hatte der UN-Sondergesandte Martti Ahtisaari empfohlen, das Kosovo in die Unabhängigkeit zu entlassen. In Verhandlungen konnten sich Serben und Albaner allerdings nicht auf einen künftigen Status des Kosovos einigen.

Aktionsplan für 100.000 Serben

Die serbische Regierung hat zudem einen geheimen Aktionsplan verabschiedet. Darin sollen die 100.000 Serben im Kosovo ermutigt werden, die Unabhängigkeitserklärung nicht anzuerkennen und ihre Gebiete weiterhin der serbischen Regierung zu unterstellen. Eine militärische Vergeltung ist nicht vorgesehen.

Die Vereinigten Staaten und die Mehrheit der EU-Länder unterstützen die Unabhängigkeit des Kosovos, während Russland diesen Schritt ablehnt. Präsident Wladimir Putin sagte jetzt, eine Anerkennung des Kosovos durch das Ausland wäre "unmoralisch und illegal". Europäischen Ländern, die eine Anerkennung planen, warf er Doppelmoral vor. Er nannte als Beispiel Nordzypern, das schon seit 40 Jahren praktisch unabhängig sei und trotzdem nicht international anerkannt werde. Für die russische Regierung öffnet sich mit der Unabhängigkeitserklärung die Büchse der Pandora. Die Regierung warnte vor einem "Domino-Effekt". Auch unabhängige Experten befürchten eine Kettenreaktion, denn die Albaner im Süden Serbiens sind nicht die einzige Volksgruppe auf dem Balkan, die nach einer Unabhängigkeit oder zumindest mehr Autonomie strebt.

Mazedonien

Wie im Kosovo lebt in Mazedonien eine große albanische Minderheit. Sie macht rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung aus und ist vor allem im Nordwesten an der Grenze zu Serbien und Albanien angesiedelt. Bis zum Friedensabkommen von Ohrid 2001 kämpften albanische Untergrundkämpfer gegen mazedonische Sicherheitskräfte. Nach dem Ende des Bürgerkriegs wurden die Minderheitenrechte gestärkt. Dennoch kommt es in den überwiegend von Albanern bewohnten Regionen weiter zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Ein unabhängiges Kosovo könnte auch hier den Wunsch nach Autonomie wecken, wie der frühere EU-Kosovo-Unterhändler, Wolfgang Ischinger, warnte.

Bosnien-Herzegowina

Nach dem Friedensabkommen von Dayton 1992 entstand ein föderaler Staat aus einer muslimisch-kroatischen Föderation und einer Serbischen Republik. Die Bevölkerung - 48 Prozent Muslime, 37 Prozent Serben, 14 Prozent Kroaten - wuchs dadurch aber nicht zusammen. Für den Fall einer Unabhängigkeit des Kosovo haben die bosnischen Serben bereits mit einem Referendum über einen Anschluss an Serbien gedroht. Auch die Kroaten im Westen könnten dann einen Anschluss an Kroatien fordern.

Montenegro

In Montenegro stellen Serben rund ein Drittel der Bevölkerung, die sich weiterhin eng mit dem Mutterland verbunden fühlen. Auch sie könnten einen Anschluss an Serbien anstreben. Im Norden des Landes, zu dem die überwiegend muslimische Region Sandzak zählt, gibt es ebenfalls Autonomiebewegungen. Zusätzlich könnten die Albaner in den Randgebieten im Süden und Osten ihre Zugehörigkeit zu Montenegro in Frage stellen.

Kroatien

Nach der Massenflucht von Serben während des Kroatien-Krieges in den 90er Jahren stellen die Serben nur noch 4,5 Prozent der Bevölkerung. Nationalistische Parteien in Serbien halten aber weiterhin an der Idee eines Großserbiens fest, zu der auch die Gebiete Ostslawonien, Baranja und Westsrem entlang der Grenze zu Bosnien-Herzegowina und der Donau im Osten Kroatiens zählen sollen.

DPA/AFP / DPA