Unicef-Studie Wenn Kinder in den Krieg ziehen


Sie sind gerade neun oder zehn Jahre alt - und sollen töten wie Erwachsene. Wie Unicef jetzt mitgeteilt hat, werden in Afrika, Asien und Südamerika Kinder immer noch als Soldaten missbraucht - trotz eines weltweiten Verbots.

Wenige Tage vor dem Weltkindertag am 20. September hat das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) die aktuellen Zahlen zum weltweiten Einsatz von Kindersoldaten der Öffentlichkeit vorgestellt. Trotz eines weltweiten Verbots werden nach Angaben der Unicef rund um den Globus immer noch mehr als 250.000 Kinder als Soldaten eingesetzt. Viele dienen bereits mit acht oder neun Jahren in Milizen, aber auch in regulären Truppen, und werden häufig zu entsetzlichen Grausamkeiten gezwungen.

Am häufigsten würden Minderjährige in Afrika als Soldaten missbraucht, gefolgt von Asien, dem Nahen Osten und Südamerika, teilten Unicef und Katholisches Missionswerk am Montag in Köln mit. Viele Kinder würden bereits mit neun Jahren für den Einsatz an der Waffe rekrutiert. Nach Einschätzung des Kinderhilfswerks handelt es sich bei 40 Prozent der Kindersoldaten um Mädchen.

"Der Missbrauch von Kindern als Soldaten ist eine der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen. Doch die meisten ehemaligen Kindersoldaten können physisch und psychisch wieder gesund werden, wenn wir ihnen die Möglichkeit geben, ihre Erfahrungen aufzuarbeiten, zur Schule zu gehen und einen Beruf zu erlernen", sgate dazu Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. Wichtig sei es, die Kinder wieder in ein normales Leben einzugliedern.

Das Trauma der Kindersoldaten

Nach einer aktuellen Studie, die Kinderpsychiater der Ambulanz für Flüchtlingskinder von der Universitätsklinik Hamburg Eppendorf in Uganda und der Demokratischen Republik Kongo durchgeführt haben, litten über ein Drittel der untersuchten ehemaligen Kindersoldaten unter schweren posttraumatischen Belastungsstörungen. 54 Prozent der befragten Kinder gaben an, selbst jemanden getötet zu haben.

Seit 2001 haben mit Unterstützung von Unicef und anderen Organisationen weltweit über 95.000 Jungen und Mädchen in Krisengebieten spezielle Demobilisierungsprogramme durchlaufen. Wie belastend die Erfahrungen dieser Heranwachsenden sind, zeigen Interviews, die Hamburger Forscher mit 169 ehemaligen Kindersoldaten in Goma und Bukavu (Demokratische Republik Kongo) und in Gulu (Norduganda) durchgeführt haben und die soeben im angesehenen Journal der American Medical Association erschienen sind:

Die Kinder im Alter von 15 Jahren hatten im Durchschnitt bereits über drei Jahre als Soldaten gedient.
68 Prozent sahen wie ein Kind getötet oder verwundet wurde.
57 Prozent der Kinder sagten, dass sie zu sexuellen Handlungen gezwungen wurden.
90 Prozent der befragten Kinder waren Zeuge von Schießereien.
84 Prozent wurden selbst schwer geschlagen.
73 Prozent mussten kämpfen.
63 Prozent der Kinder glaubten, dass sie an Krankheiten oder Hunger sterben würden.

In dieser Woche wird erneut die Arbeitsgruppe des UN-Sicherheitsrats zu Kindersoldaten in New York zusammenkommen. Dort wird Unicef zusammen mit Missio einen politischen Forderungskatalog präsentieren. Alle Regierungen und Rebellengruppen müssen das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zu Kindersoldaten umsetzen. Dieses verbietet den Einsatz von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren in Kampfeinsätzen. Zusätzlich sollen alle Militärs auch auf den Einsatz von Minderjährigen außerhalb von Kampfeinsätzen verzichten.

DPA DPA

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