HOME

UNO: Hilfe für Liberia?

Während der Weltsicherheitsrat über den Einsatz einer Multinationalen Truppe für Liberia berät, bat der liberianische Bischof Michael Francis Kpakala eindringlich um Hilfe für dein Volk.

Der Weltsicherheitsrat hat erstmals über eine Multinationale Truppe (MNF) für Liberia beraten. Dem Rat lag ein Resolutionsentwurf der USA vor, der grünes Licht gibt für die Entsendung einer schnellen Einsatztruppe mit etwa 1.500 nigerianischen Soldaten und für die Verstärkung durch Truppen aus anderen Ländern Westafrikas. Die Resolution könnte nach Einschätzung des amerikanischen UN-Botschafters John Negroponte schon Anfang kommender Woche verabschiedet werden. Sie ebnet auch den Weg für die bewaffnete UN-Friedensmission, die die Multinationale Truppe bis zum 1. Oktober in Liberia ablösen soll.

Hilferuf

Derweil appellierte der liberianische Bischof Michael Francis Kpakala eindringlich an die internationale Gemeinschaft, seinem Volk zu helfen. "Wir sind ein Teil der menschlichen Familie und wir glauben, dass jedes Land die Verpflichtung hat, einem anderen in Not zu helfen", sagte Kpakala nach einem Gespräch mit UN-Generalsekretär Kofi Annan zu Journalisten. "Niemand darf tatenlos zusehen, wie andere Menschen getötet werden und verhungern, (...) sonst ist Menschlichkeit nur ein leerer Begriff".

Der Bischof von Monrovia zog vor allem mit Washington hart ins Gericht. Liberia stamme von Amerika ab und sei 160 Jahre lang sein guter Freund gewesen. Jetzt sei es an der Zeit, dass Amerika seine moralische Pflicht erfülle und den Liberianern helfe - "nicht morgen, sondern auf der Stelle", sagte Kpakala.

Notfalls mit Gewalt

Aufgabe der Multinationalen Truppe ist, so weit für Ordnung zu sorgen, dass Hilfsorganisationen das Bürgerkriegsland wieder betreten können. Auf Anraten von Annan soll das Mandat auf Kapitel VII der UN-Charta Bezug nehmen und notfalls mit Gewalt gegen die Rebellen in Liberia vorgegangen werden.

Aus Sorge um mögliche Verfahren gegen US-Soldaten schlägt der amerikanische Resolutionsentwurf vor, das Personal aller Truppen stellenden Länder von der Strafverfolgung durch den Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) auszuklammern. Annan bezeichnete diese Maßnahme vor Journalisten als - aus seiner Sicht - unnötig, weil UN-Soldaten bisher noch nie jene Massenmorde verübt hätten, die in die Jurisdiktion des ICC fallen.

Nigeria hat zwei Bataillone von insgesamt 1.400 Soldaten für den Einsatz zugesagt, deren Ausstattung und Transport nach Liberia von der UN-Mission im Nachbarland Sierra Leone unterstützt und finanziert werden soll. Die UN hoffen, dass das erste Bataillon spätestens bis Mitte August in Monrovia eintrifft. Zu diesem Zeitpunkt will dann der liberianische Präsident Charles Taylor sein Land verlassen. Bald darauf sollen das zweite Bataillon aus Nigeria und die versprochenen Truppen anderer westafrikanischer (ECOWAS) Länder nachrücken.

USA wollen die Führung nicht übernehmen

Negroponte wiederholte auf Fragen von Journalisten, dass die USA nicht bereit seien, die Führung der Multinationalen Truppe zu übernehmen, sondern ihr nur logistisch und technisch zur Seite stehen wollten. In welcher Form das geschehen soll, konnte der amerikanische Botschafter nicht erläutern.

DPA