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Unruhen in Tibet: China wirft Dalai Lama Aufhetzung vor

China bleibt bei seinen schweren Vorwürfen gegen den Dalai Lama: Dessen "Clique" wolle die Olympische Spiele beschädigen. Gleichzeitig wurden die Unruhen in Tibet und anderen Regionen für eingedämmt erklärt. Allerdings blieben die meisten Gebiete von der Außenwelt abgeschnitten, es sind noch massive Militärverbände im Einsatz.

China erhebt weiter schwere Vorwürfe gegen den Dalai Lama. Die kommunistische Regierung wirft dem Oberhaupt der Tibeter vor, die Unruhen in Lhasa angezettelt zu haben. Ziel der "Dalai-Clique" sei es, dem Ansehen Chinas vor Beginn der Olympischen Spiele zu schaden, schrieb die Zeitung "Tibet Times" am Sonntag. Es handele sich um einen Kampf auf Leben und Tod "zwischen uns und dem Feind". "Das böse Motiv der Dalai-Clique ist es, in einer sensiblen Zeit Ärger hervorzurufen und sogar Blutvergießen zu verursachen, um Olympia in Peking zu beschädigen", schrieb die Zeitung weiter.

Unruhen im Griff

Die Zeitung "Renmin Ribao" berichtete, die Gruppe um den Dalai Lama nehme die Olympischen Spiele als Geisel, um Zugeständnisse in der Frage der Unabhängigkeit Tibets zu erpressen. Die chinesische Regierung erklärte die Unruhen in Tibet und angrenzenden Regionen unterdessen für eingedämmt. Die meisten dieser Gebiete waren von der Außenwelt abgeschnitten, ein massives Militäraufgebot war im Einsatz. Eine unabhängige Bestätigung der Berichte war nicht möglich.

Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Sonntag, in den betroffenen Gebieten kehre wieder Normalität ein. Im Bezirk Aba in der Provinz Sichuan hätten mehr als die Hälfte der Geschäfte wieder geöffnet. Der Chef der Kommunistischen Partei in dem Bezirk, Kang Qingwei, wurde mit den Worten zitiert, alle Regierungseinrichtungen und wichtigen Unternehmen arbeiteten normal, die Schulen würden am Montag wieder öffnen. Xinhua hatte aus Aba berichtet, dass Polizisten in Notwehr vier Gewalttäter erschossen hätten. Es war das einzige Mal, dass die chinesischen Behörden Schüsse auf Demonstranten einräumten.

Sollten die Olympischen Spiele in China boykottiert werden?

Auch in Xiahe in der Provinz Gansu kehre nach Unruhen in der vergangenen Woche wieder Ruhe ein, berichtete Xinhua. "Der Alptraum ist vorbei. Alles scheint Vergangenheit zu sein", wurde ein örtlicher Händler zitiert, Jiang Fuxing. Auch in Maqu in Gansu habe die Regierung wieder die Kontrolle übernommen. 70 Prozent der Läden in der Stadt seien von Gewalttätern zerstört worden, hieß es.

"Der Alptraum ist vorbei"

Die Proteste begannen am 10. März in Tibet. China gibt die Zahl der Toten bei den Unruhen offiziell mit 22 an. Nach Angaben der tibetischen Exilregierung in Indien wurden 99 Menschen getötet, 80 in Lhasa und 19 in Gansu.

Aus Protest gegen die Niederschlagung der Proteste in Tibet durch China hat eine thailändische Teilnehmerin des olympischen Fackellaufs ihren Rückzug angekündigt. Narisa Chakrabongse erklärte am Sonntag, sie wolle auf diese Weise die Botschaft an die chinesische Regierung senden, dass die Welt ihre Handlungen nicht akzeptiere. In Thailand sollen insgesamt sechs Personen das olympische Feuer tragen. Die Fackel wird im April auf dem Weg nach Peking in Thailand erwartet.

Offiziell 94 Verletzte bei Unruhen in Gannan

Bei Unruhen in dem von Tibetern bewohnten Gebiet Gannan der westchinesischen Provinz Gansu sind nach offiziellen Angaben insgesamt 94 Menschen verletzt worden. Seit Beginn der Proteste vor mehr als einer Woche sei aber nur ein "Zivilist" verletzt worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag. Alle anderen Verletzten seien demnach Angehörige der Polizei oder Funktionäre. In den Orten Xiahe, Machu, Luchu, Jone und Hezuo habe es Ausschreitungen gegeben. Laut Xinhua herrscht nun jedoch Ruhe in Gannan sowie in der ebenfalls betroffenen Region Aba in der Provinz Sichuan. Exiltibetische Organisationen hatten von mindestens 39 Opfern durch Schüsse von chinesischen Truppen in Aba in Sichuan und Machu in Gansu berichtet.

AP/DPA / AP / DPA