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Untersuchungsausschuss: Nach Rice war Clinton dran

US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hat vor dem Untersuchungs zum 11. 9. 2001 eine unzureichende Vorbereitung der USA auf die Terrorbedrohung eingeräumt. Nach Rice wurde Ex-Präsident Clinton befragt.

US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hat vor der Kommission zur Untersuchung der Anschläge vom 11. September 2001 eine unzureichende Vorbereitung der USA auf die Terrorbedrohung eingeräumt. Das Land sei damals ganz einfach nicht im Kriegszustand gewesen, sagte Rice in ihrer mit Spannung erwarteten Aussage unter Eid. Anschließend stand Expräsident Bill Clinton der Kommission Rede und Antwort, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

"Seit mehr als 20 Jahren hat sich die terroristische Bedrohung aufgebaut, und die Reaktion Amerikas über mehrere Regierungen beider Parteien hinweg war ungenügend", sagte Rice. Es habe keine "silberne Kugel" gegeben, die den schwersten Terroranschlag in der US-Geschichte hätte verhindern können. Präsident George W. Bush habe jedoch vorab die Bedrohung und deren Bedeutung verstanden, erklärte Rice und wies damit indirekt einen Kritikpunkt des ehemaligen Anti-Terror-Koordinators der Regierung, Richard Clarke, zurück.

Bush sei bei seinem Amtsantritt entschlossen gewesen, eine "robustere" Politik zur Bekämpfung von El Kaida zu entwickeln. "Er hat mir klar gemacht, dass er nicht auf einzelne El-Kaida-Angriffe reagieren wolle. Er hat mir gesagt, er sei es leid, 'nach Fliegen zu schlagen'."

Im Gegensatz zu Clarke entschuldigte sich Rice nicht dafür, die Anschläge nicht verhindert zu haben. Sie sagte jedoch: "Als Regierungsbeamtin, die an jenem Tag Dienst hatte, werde ich niemals den Schmerz und den Zorn vergessen, den ich fühlte."

Erst unter Druck öffentlich ausgesagt

Die Sicherheitsberaterin hatte sich zunächst geweigert, öffentlich auszusagen. Das Weiße Haus beugte sich aber schließlich dem enormen öffentlichen Druck. Rice erste Aussage vor der Kommission vom 7. Februar musste vertraulich behandelt werden.

Clarke hat schwere Vorwürfe an die Adresse des Weißen Hauses gerichtet. Bush sei dem Terrornetzwerk El Kaida weniger entschlossen entgegengetreten als sein Vorgänger Clinton, sagte der ehemaligen Anti-Terror-Koordinator. Vor dem 11. September sei der US-Präsident der Terrorgefahr gleichgültig gegenüber gestanden. Nach den Anschlägen habe Bush ihn gedrängt, eine Spur nach Irak zu finden. Auf Nachfrage sagte Rice, sie könne sich an solch eine Diskussion nicht erinnern. "Aber ich bin recht sicher, dass der Präsident niemals jemanden dazu gedrängt hat, die Fakten zu verdrehen." Ihre fast dreistündige Aussage wurde live im Fernsehen übertragen.

Bei Clinton ging es um die "USS Cole"

Bei der Anhörung Clintons ging es unter anderem um den Anschlag auf das amerikanische Kriegsschiff "USS Cole" im Oktober 2000 in Jemen, wie ein Gewährsmann der Nachrichtenagentur AP sagte. Clinton sei gefragt worden, warum er auf den Anschlag nicht militärisch reagiert habe. Dieser habe erklärt, dass sich die US-Geheimdienste bis zum Ende seiner Amtszeit im Januar 2001 noch kein "klares, eindeutiges Urteil" darüber gebildet hätten, wer für die Tat verantwortlich war, bei der 17 US-Soldaten ums Leben kamen. Erst nach Amtsantritt der Regierung Bush identifizierten die Geheimdienste das Terrornetzwerk El Kaida als Urheber des Anschlags.

AP / AP / DPA